Übernahme von SuccessFactors

SAP stürmt ins Cloud-Geschäft

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Übernahme von SuccessFactors hat Signalwirkung: SAP macht im Cloud-Geschäft ernst, wenngleich die Akquisition auch einige offene Fragen aufwirft.
Foto: SAP AG

Rund 3,4 Milliarden Dollar zahlt der SAP-Konzern für die Akquisition des Softwarehauses SuccessFactors, das mit HR-Lösungen on Demand (Human Resource) im Cloud-Markt erfolgreich ist. Die Transaktion wurde am Samstag bekannt gegeben und soll im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Nach der Integration wird SuccessFactor-CEO Lars Dalgaard die Company als separate Geschäftseinheit im SAP-Konzern führen. Zudem steigt Dalgaard zum Chef des gesamten Cloud-Geschäfts unter dem SAP-Dach auf.

Damit wird er die Aufgabe haben, der in den vergangenen Jahren oft wechselhaften Cloud-Strategie von SAP eine eindeutige Richtung zu geben. Die SaaS-Suite "Business ByDesign" (Software as a Services) wurde mehrfach für wechselnde Zielgruppen überarbeitet. Anfangs war SAP erheblich um Abgrenzung zu den eigenen Lizenz-Softwarepaketen bemüht, um Kannibalisierungseffekte zu vermeiden. Das SaaS-Angebot wurde daher ausdrücklich für kleine und mittelgroße Firmen entworfen. Später reifte bei SAP die Erkenntnis, dass auch Großkonzerne Interesse am Cloud Computing zeigten und entsprechende Lösungen einforderten. Business ByDesign adressiert heute sowohl kleine und mittlere Betriebe, als auch Geschäftseinheiten großer Konzerne. Ingesamt konnten die Walldorfer mit ihrer bisherigen Cloud-Strategie wenig überzeugen. "Ab sofort kann die SAP tatsächlich behaupten, dass sie in der Cloud angekommen ist", lautet ein bissiger Kommentar des "Wall Street Journal" zur SAP-Akquisition.

Foto: SAP AG

Neben Business ByDesign hat SAP eine Reihe weiterer On-Demand-Applikationen für spezielle Funktionen entworfen, darunter etwa "Career OnDemand". Über diese HR-Cloud-Anwendung wurde bereits viel spekuliert und geschrieben, auf den Markt kam sie bislang nicht. Ob sie nach der SuccessFactors-Übernahme überhaupt noch einen Platz im SAP-Portfolio finden wird, ist fraglich. Auch im Collaboration-Segment gibt es Überschneidungen und damit Konfliktpotenzial. SAP vermarktet bislang mit der Software "StreamWork" eine Art Facebook für das Büro. SuccessFactors-Implementierung "Cubetree" verfolgt einen vergleichbaren Ansatz.

Eine neue Cloud-Strategie muss her

Doch damit nicht genug, es gibt weitere SAP-Aktivitäten, die Dalgaard in eine schlüssige Cloud-Strategie einbetten muss:

- SAPs neue River-Plattform ist eine Entwicklungs- und Laufzeitumgebung für das Design von OnDemand- und Cloud-Anwendungen.

- Die In-Memory-Computing-Plattform HANA soll Basis für sämtliche SAP-Produkte werden, fraglich ist, ob das auch für die Cloud-Lösungen gilt.

- SAP unterhält Partnerschaften mit VMware und Cisco zum Aufbau privater Cloud-Infrastrukturen.

"Das ist eine riesige Aufgabe für Dalgaard", warnte Ray Wang, Geschäftsführer des Beratungshauses Constellation Research. "Aber er hat das Cloud-Geschäft im Blut. Bei SAP haben sich bislang alte Manager daran versucht, Brücken zur neuen Welt zu schlagen. Die jetzige Konstellation könnte SAP voranbringen".

Das sieht das SAP-Management ähnlich. Voller Zuversicht kommentierte SAPs Co-CEO Bill McDermott die Transaktion. SuccessFactors, so der SAP-Manager in einem Interview, verschaffe dem Softwarehaus einen Adrenalin-Schub im Cloud-Geschäft. "Wir glauben, dass Lars der Beste ist, um unser Cloud-Geschäft zu führen." In dem Gespräch verteidigte er auch die Entscheidung, das Cloud-Geschäft mit einer großen Übernahme zu erschließen. Man habe mit der Sybase-Transaktion im Mobility-Geschäft eine vergleichbare Strategie gewählt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. "Ich hatte schon länger das Gefühl, dass wir diesen Weg einschlagen werden", räumte McDermott ein. "Nicht, dass wir keine eigenen fantastischen Pläne hätten, aber das Know-how rund um das Cloud-Geschäft ist sehr speziell. Wir hätten es selbst aufbauen können, wollten aber möglichst schnelle Erfolge."