Analyse

SAP steht glänzend da

26.10.2011
Die ganze Welt steckt Geld in neue Unternehmenssoftware - daher steht der Weltmarktführer SAP glänzend da.

Bei Europas größtem Softwarehersteller SAP laufen die Geschäfte so gut wie selten zuvor. Obendrein lässt der juristische Triumph über den Erzrivalen Oracle gewaltig die Kasse klingeln.

Die SAP-Doppelspitze: Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe
Die SAP-Doppelspitze: Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe
Foto: SAP AG

Das Dax-Unternehmen schraubte seinen Überschuss im dritten Quartal verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 150 Prozent nach oben: Nach 501 Millionen Euro im Vorjahresquartal blieben den Walldorfern diesmal unterm Strich 1,25 Milliarden Euro, wie SAP am Mittwoch mitteilte. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres kletterte der Überschuss um 63 Prozent auf 2,24 (Vorjahreszeitraum: 1,38) Milliarden Euro.

Der Hauptgrund für das ungewohnt starke dritte Quartal: Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware hatte nach der drastischen Reduzierung der Schadenersatzzahlung an den Konkurrenten Oracle die Rückstellungen für dieses juristische Risiko erheblich verringern dürfen. Denn seit einigen Wochen ist eine mögliche milliardenschwere Wiedergutmachung des Dax-Konzerns an den US-Konkurrenten vom Tisch.

Eine Richterin in Kalifornien hatte eine vorherige Entscheidung kassiert, wonach die Walldorfer 1,3 Milliarden Dollar zahlen sollten. Die runde Milliarde Euro Rückstellung schrumpfte um 732 Millionen Euro - geparktes Geld, das nun wieder mit Sicherheit SAP gehört.

SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe sagte: "SAP läuft schlanker und schneller als je zuvor." Sein Fazit: Kunden aller Größen aus allen Branchen in allen Regionen investierten in Software. Doch wie es auf Jahressicht für die fast 55 000 Mitarbeiter zählende Softwareschmiede laufen wird, entscheidet sich vor allem im vierten Quartal - dem traditionell stärksten.

Snabe bestätigte das bekannte Ziel für 2011, den Umsatz mit Software- und damit verbundenen Serviceleistungen zweistellig zu steigern - und zwar "am oberen Ende der Spanne" zwischen 10 und 14 Prozent. 2010 hatte SAP in diesem zentralen Segment knapp 10 Milliarden Euro umgesetzt.

Darüber hinaus rechnen die Walldorfer damit, dass in diesem Jahr das Betriebsergebnis (ohne Wechselkursschwankungen) am oberen Ende der Spanne zwischen 4,45 und 4,65 Milliarden Euro ankommen soll. Im Vorjahr waren es 4,01 Milliarden Euro. Die operative Marge - also das Verhältnis des Ergebnisses zum Umsatz - soll etwa um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte wachsen. 2010 hatte sie bei 32 Prozent gelegen. Dieser enorm hohen Marge stehen hohe Entwicklungskosten gegenüber.

Einige Analysten hatten spekuliert, dass SAP seine Jahresprognose womöglich noch einmal leicht anheben könnte - dazu kam es nun nicht. Weil SAP viel Geld in der Kasse hat, denkt die Unternehmensführung darüber nach, SAP-Aktien zurückzukaufen. Ende September hatte der Konzern 3,1 Prozent aller Anteilsscheine. Unternehmen besitzen oder kaufen eigene Aktien beispielsweise, um Personal damit zu belohnen.

Snabe sagte zum Ausblick: "Alles in allem sind wir gespannt und es ist eine spannende Zeit, um bei SAP zu sein." Die guten Zahlen sind auch an der Größe der Belegschaft abzulesen: Ende September zählte SAP 54 589 Vollzeitstellen - drei Prozent mehr als vor einem Jahr und Rekord in der SAP-Geschichte. Rein rechnerisch entstanden so seit der Unternehmensgründung 1972 jeden Tag fast vier neue Jobs.

Die SAP-Aktie reagierte zum Börsenstart positiv auf die neuen Zahlen und legte anfangs um rund 20 Cent auf fast 43 Euro zu. (dpa/tc)