Mit Sybase-Technik

SAP richtig mobilisieren

26.04.2013 | von Ludwig Heinz
SAP bietet verschiedene Möglichkeiten, die eigenen Anwendungen auf das Smartphone oder Tablet zu bringen. Die Übernahme von Sybase hat den Walldorfern mehrere alternative Lösungen eingebracht.
Daten aus SAP-Systemen mobil verfügbar machen.
Daten aus SAP-Systemen mobil verfügbar machen.
Foto: fotolia.com/Benicce

Mehr und mehr Firmen denken im Zeitalter von Smartphones, Tablets und Netbooks darüber nach, wie sie ihre Unternehmensdaten aus den SAP-Systemen für mobile Geräte jederzeit und überall zugänglich machen können. Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat das Thema seit Längerem auf dem Radar und bietet für die mobilen Anforderungen seiner Kunden bereits seit Jahren die ehemals als "SAP Mobile Infrastructure" (SAP MI) benannte Komponente, die heute unter dem Namen "SAP Netweaver Mobile" als Bestandteil der Netweaver-Plattform firmiert. Die eingeschränkte Geräteauswahl und die hohen Einführungskosten lassen jedoch gerade mittelständische Betriebe nach leichtgewichtigen Alternativen Ausschau halten.

Zwar versuchte SAP mit "Mobile Web Dynpro Online", die Web-Frontends für den PC auch auf mobilen Geräten anzubieten beziehungsweise mit dem Analyse-Tool "Business Objects Explorer" den Zugriff auf den "Netweaver BW Accelerator" als Bestandteil von des Business-Objects-Mobile-Konzepts per iPhone zu ermöglichen. Jedoch fehlte bis dato ein Gesamtkonzept über alle Module und Geräteplattformen hinweg, mit Wahlmöglichkeiten, welche Informationen übertragen und auf welchen Plattformen diese Daten visualisiert werden sollen.

Mit der Übernahme des Mobilitätssoftware-Spezialisten Sybase Mitte 2010 versucht SAP genau diese Lücke zu schließen und setzt seitdem verstärkt auf den Ausbau der mobilen Vernetzungsmöglichkeiten im eigenen Produktumfeld.

Sybase - nicht nur für SAP

Die mobile Plattformwelt der SAP: Die zugekauften Produkte Afaria und Sybase Unwired Platform sind die Kernbestandteile der mobilen SAP-Welt.
Die mobile Plattformwelt der SAP: Die zugekauften Produkte Afaria und Sybase Unwired Platform sind die Kernbestandteile der mobilen SAP-Welt.

Sybase bietet neben der Datenbank-Management-Lösung "Adaptive Server Enterprise" und Analyse-Tools wie "Sybase RAP" mit "Afaria" und der "Sybase Unwired Platform" (SUP) zwei Produkte an, welche die Entwicklung und Kontrolle von mobilen Anwendungen ermöglichen und vereinfachen sollen - nicht nur in Richtung von SAP-Systemen.

Afaria soll Anwendern mit einem komfortablen Geräte-Management die volle Kontrolle über die eingesetzten Geräte erlauben und so die Sicherheit der Unternehmensdaten erhöhen. Beispielsweise lassen sich im Fall des Verlusts eines Mobilfunkgeräts die dort abgelegten Daten löschen oder die Einstellungsmöglichkeiten in den Applikationen auf dem mobilen Endgerät sperren.

Die Sybase Unwired Platform wird auch für die Anbindung weiterer Non-SAP-Systeme genutzt. Nach dem Kauf legt SAP nun verstärkt Wert auf eine gute Möglichkeit zur Integration in bereits bestehende SAP-Sys-temlandschaften. Die Replikation der SAP-Daten bei Nutzung des "Netweaver Mobile" kann über den "DOE Connector" (DOE-C) auch direkt an die SUP angebunden werden. Push-Dienste, um Ereignisse wie einen Serviceauftrag aus dem SAP-ERP direkt auf das Gerät des Servicemitarbeiters zu publizieren, und ein Sicherheitskonzept kommen dazu. Damit nimmt die SUP eine zentrale Position im neu ausgerichteten mobilen Konzept der SAP ein.

Sybase bietet aber nicht nur für die Backend-Seite nützliche Tools. Auch für die native Entwicklung auf der Frontend-Seite wird für die meisten mobilen Plattformen wie Blackberry, Windows Mobile, iOS und Android mit dem "Sybase Mobile SDK" eine hauseigene Entwicklungsplattform angeboten.

Durch die Einführung der "Hybrid Web Container" in der SUP existiert eine zusätzliche Laufzeitumgebung, welche die Vorteile von nativen Applikationen mit denen von Cross-Plattform-Technologien verbindet. Dabei muss nicht wie bei der nativen Entwicklung für jedes Betriebssystem eine eigene Applikation erstellt werden, sondern die so entwickelten Apps laufen auf verschiedenen Geräten.

Unter dieses Modell fällt auch die Kombination aus HTML5, Javascript und CSS, die in Zukunft zum Standard für die Web-Entwicklung werden dürfte. Somit bleibt es den Unternehmen je nach Szenario überlassen, ob sie den performanten und optisch auf ein System abgestimmten nativen Ansatz oder den flexiblen und geräteunspezifischen Hybrid-Container-Ansatz verfolgen.

Auf einen Blick

Der Anbieter: SAP hat mit eigenen Entwicklungen und den mit der Sybase-Übernahme zugekauften Produkten verschiedene Lösungen für die mobile Anbindung im Portfolio.

Die Lösungen: Sybase (Sybase Unwired Platform und Afaria) sowie SAP (Netweaver Gateway).

Der Fokus: Sybase offeriert ein Komplettpaket, mit dem sich plattformunabhängig Apps entwickeln sowie verschiedene Gerätefamilien verwalten lassen. SAP bietet mit dem Gateway die Möglichkeit, via Web-Services Drittsysteme anzubinden.

Der Einsatz: Wer viele mobile Applikationen und verschiedene Gerätetypen einsetzt, sollte sich mit den Sybase-Produkten beschäftigen. Wer die App-Entwicklung sowie die Anbindung auch für Partner und Kunden öffnen möchte, kann dies mit Hilfe des SAP-Gateways tun. Für kleine Lösungen, die schnell verfügbar sein und ohne große Gerätesteuerung auskommen sollen, sind diese Produkte jedoch überdimensioniert. An dieser Stelle bieten einige Partner passendere Lösungen an.

 

Ralf-Jürgen Triebel
Wie bereits richtig angemerkt wurde, ist die Sybase Lösung oft überdimensioniert. Nebenbei wird oft vergessen, welche Aufwände im Betrieb, aber vor allem auch bei der Entwicklung von mobilen Anwendungen (auch beim Einsatz von NetWeaver Gateway) entstehen. Durch die Einführung von Eclipse und diversen anderen Entwicklungstools und Technologien sehen sich vor allem Kunden mit eigenen Entwicklungsabteilungen damit konfrontiert, daß das notwendige KnowHow zunächst teuer aufgebaut werden muss. Das dies im Regelfall völlig unnötig ist, zeigt das durch die SAP zertifizierte AddOn 'Neptune Application Developer' von Neptune-Software welches technologisch auf das bewährte ICF aufsetzt. Das AddOn integriert die Entwicklung vollständig in die SAP-Entwicklungsumgebung (inklusive Nutzung des bestehenden SAP-Transportwesens), so daß ABAP-Entwickler bereits nach extrem kurzer Schulung in die Lage versetzt werden SAP-Prozesse auf mobile Devices zu bringen. Hierbei spielt es im Gegensatz zu den SAP-Lösungen keinerlei Rolle, ob es sich um Standard- oder kundenindividuelle Prozesse handelt. Mit freundlichen Grüßen Ralf-J. Triebel, Honico GmbH

comments powered by Disqus