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SAP: On-Demand or No-Demand

16.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP-Verantwortlichen scheinen sich nun doch dazu durchgerungen zu haben, mit einer eigenen Customer-Relationship-Management-Lösung (CRM) auf den On-Demand-Zug aufzuspringen. Während Anbieter wie Salesforce.com und Rightnow Quartal für Quartal neue Rekordergebnisse bei Umsätzen und Nutzerzahlen bekannt gaben, hatte das SAP-Management in der ersten Jahreshälfte wiederholt davor gewarnt, On-Demand-Lösungen würden den Anwendern eher Schaden als Nutzen bringen (siehe: SAP dementiert Hosting-Absichten).

Im Juli ließ SAP-Chef Henning Kagermann dann durchblicken, doch an einem On-Demand-Modell für die Kundenbindungssysteme zu arbeiten. Von einem Gesinnungswandel wollen die SAP-Verantwortlichen indes nicht sprechen. Die zögerlichen Äußerungen in Sachen Software-as-a-Service seien darauf zurückzuführen gewesen, dass SAP mit den eigenen Hosting-Angeboten die Limitierungen der Konkurrenz überwinden wolle, erklärte Darc Dencker-Rasmussen, Vice-President für den Bereich CRM bei SAP.

Die existierenden On-Demand-Modelle seien meist nicht das Richtige für die Kunden, moniert der SAP-Manager. Das bedeute aber nicht, dass SAP nicht mit einem eigenen effektiveren CRM-on-Demand-Angebot auf den Markt kommen werde. Zwar könnten die Kunden mit den existierenden On-Demand-Applikationen Kundenkontakte verwalten, wenn es jedoch um eine tiefer gehende Einbindung in Geschäftsprozesse gehe, stießen die Offerten meist schnell an ihre Grenzen. SAPs Hosting-Angebot werde mehr Tiefe bieten.

Bislang bleiben die Walldorfer allerdings noch viele Details ihrer künftigen On-Demand-Strategie schuldig. Bis dato ist nicht bekannt, wie die Lösungen aussehen oder wie sie vertrieben und bepreist werden. Von den bewährten, unter herkömmlichen Lizenzmodellen vertriebenen Applikationen will der größte deutsche Softwarehersteller indes nicht lassen. Demnach würden die On-Demand-Lösungen Werkzeuge bereitstellen, mit deren Hilfe Kunden reibungslos wieder auf eine Inhouse-CRM-Lösung migrieren könnten, erläutert Dencker-Rasmussen.

Für SAP werde es nicht einfach sein, dem Markt etwas Neues zu präsentieren, glaubt Sheryl Kingstone, Analystin der Yankee Group. Firmen wie der CRM-Pionier Siebel und Oracle böten bereits Hybrid-Modelle an, unter denen Kunden zwischen einer Inhouse- und On-Demand-Lösung wählen könnten. Viel werde davon abhängen, ob es SAP gelinge, ein einfaches User-Interface für sein Hosting-Angebot zu entwickeln, und gleichzeitig die On-Demand-Lösung eng mit den anderen Standard-Business-Applikationen zu verzahnen. Letztendlich mache es sich SAP einfach mit der Behauptung, mit On-Demand nur gewartet zu haben, um etwas Besseres auf den Markt zu bringen. In Wahrheit seien es die Walldorfer leid, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. (ba)