Urteil im TomorrowNow-Prozess

SAP muss Oracle $1,3 Milliarden zahlen

24.11.2010
Entscheidung im Datenklau-Prozess: SAP muss dem US-Rivalen Oracle wegen Urheberrechtsverletzung 1,3 Milliarden Dollar zahlen.
So sah einst die Webseite von TomorrowNow aus.
So sah einst die Webseite von TomorrowNow aus.

Das entschied am Dienstag eine achtköpfige Jury im kalifornischen Oakland. Mitarbeiter der Software-Wartungsfirma TomorrowNow, einer 2005 zugekauften kleinen texanischen SAP-Tochter, hatten über das Internet unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen.

Oracle hatte dies zunächst als Industriespionage gewertet, später aber dann nur noch von Datendiebstahl gesprochen. SAP war bereit, 40 Millionen Dollar als Wiedergutmachung zu zahlen, Oracle verlangte nach einigem Hin und Her aber 1,7 Milliarden Dollar. Einer Meldung der Wirtschaftsagentur Bloomberg zufolge handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe von umgerechnet knapp einer Milliarde Euro um die höchste in einem Fall um Urheberrechtsverletzung.

Oracle-Chef Larry Ellison auf der Hausmesse OpenWorld 2010
Oracle-Chef Larry Ellison auf der Hausmesse OpenWorld 2010
Foto: Hartmann Studios

Oracle erklärte in einer Stellungnahme zu dem Urteil: "SAP hat über mehr als drei Jahre hinweg tausende Kopien von Oracle-Software gestohlen und diese dann mit passenden Services an Oracles eigene Kunden verkauft. Unmittelbar vor Beginn der Verhandlung hat SAP diese Schuld und Verantwortung eingestanden; der Prozess hat dann klargemacht, dass die höchsten Managementkreise bei SAP von Beginn an über die illegale Aktivität bescheidwussten."

SAP war zuletzt auf Oracle zugegangen. "Es tut mir leid", entschuldigte sich Co-Konzernchef Bill McDermott vergangene Woche als Zeuge vor Gericht. Er räumte Fehler ein. Die Walldorfer Firma habe die Zügel bei der kleinen US-Tochterfirma TomorrowNow schleifen lassen. Oracle-Anwalt David Boise hatte vor den Geschworenen mehrmals betont, Millionen Dokumente seien so aggressiv abgegriffen worden, dass die Oracle-Server in die Knie gegangen seien.

Die SAP-Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott
Die SAP-Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott
Foto: SAP AG

SAP ist naturgemäß nicht zufrieden mit dem Juryspruch. In einer Stellungnahme des Walldorfer Konzerns heißt es: "Wir werden alle verfügbaren Optionen verfolgen, darunter Schritte nach Verfahrensende und falls nötig Berufung. Das wird leider länger dauern und wir hoffen weiterhin, dass sich die Angelegenheit ohne weiteren jahrelangen Prozess angemessen aus der Welt schaffen lässt."

Das Geschäftsmodell von TomorrowNow war, günstige Wartung für Unternehmenssoftware anzubieten. Oracle hatte die Software- Hersteller, deren Produkte TomorrowNow betreute, nacheinander aufgekauft. SAP wollte die Wartungsfirma danach als Türöffner nutzen, um Oracle-Kunden abzuwerben. Nach Darstellung der Deutschen war dieser Plan jedoch nur von mäßigem Erfolg gekrönt: Nur 86 von 358 TomorrowNow-Kunden hätten SAP-Software erworben.

SAP hatte bereits das Fehlverhalten der TomorrowNow-Mitarbeiter zugegeben und in dem Prozess geht es jetzt nur noch um die Schadenssumme. Der deutsche Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware argumentiert, der tatsächliche Schaden für Oracle sei deutlich niedriger gewesen als der von dem US-Konkurrenten genannte Wert der Service-Produkte. So kommt SAP auf die Spanne zwischen 28 und 41 Millionen Dollar und Oracle auf 1,7 bis drei Milliarden Dollar. Im Prozess wurde zum Teil auch ein Betrag über vier Milliarden Dollar genannt. SAP hatte TomorrowNow 2008 dichtgemacht. (dpa/tc)

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