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SAP Markets und SAP Portals werden eins

24.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP AG hat gestern angekündigt, sie werde ihre Tochterfirmen SAP Markets und SAP Portals zu einem Gemeinschaftsunternehmen verschmelzen. Angesichts des bei der Ausgründung der beiden Töchter betriebenen Aufwands mag dies auf den ersten Blick verwundern, aus technischer Sicht macht die Zusammenlegung aber durchaus Sinn.

SAP Markets bietet Lösungen für B2B-Marktplätze, E-Procurement und Supplier Relationship Management, Portals liefert Software für Portale und Business Intelligence. Die meisten Anwender kaufen allerdings beide Lösungen, denn ein Portal benötigt immer auch Integrationstechnik wie sie ein elektronischer Marktplatz bietet; gleichzeitig benötigt ein Marktplatz immer auch eine Portal-Schnittstelle für die Anbindung von Zulieferern und Partnern.

"Als wir SAP Markets gegründet haben, zielten wir hauptsächlich auf öffentliche Marktplätze. Das hat sich mittlerweile in Richtung privater Marktplätze und Integration verschoben", erklärte Vice President Marketing Peter Graf gegenüber "Computerwire". "Portale nutzen diese Infrastruktur, um etwas Ähnliches zu machen - allerdings für die Endanwender." Die Entscheidung sei letztlich kundengetrieben gewesen. "Die Schwerpunkte beider Unternehmen ergänzen sich", so Graf weiter. "Die neue Firma bildet eine effektive Schnittstelle."

Die neue SAP-Tochter soll eine gemeinsame Plattform anbieten, die die Portfolios von SAP Markets und SAP Portals kombiniert. Dazu gehören Portal, Content-Management und Marktplatz-Infrastruktur. Darauf setzt wiederum eine Suite von Business-Lösungen für SRM (Supplier Relationship Management), erweiterten elektronischen Verkauf und Business Intelligence auf. "Supplier Relationship Management nutzt erstmals alle diese Layer zusammen", erläutert Graf. "Auf diese Weise entsteht eine ganz neue Art von Software."

Das bisherige Produktportfolio von SAP Markets/Portals wird aber weiterhin vertrieben, und auch bisherige Partnerschaften bleiben bestehen. Die gilt laut Graf insbesondere für die Allianz mit Commerce One. Entgegen Meldungen aus der vergangenen Woche (Computerwoche online berichtete) wollten beide Anbieter auch weiterhin gemeinsam Marktplatz-Technik entwickeln und vermarkten. "Indem wir unsere Initiativen in einer Einheit zusammenlegen und unsere Partnerschaft mit Commerce One ausbauen, werden wir weiterhin aggressiv Geschäfte außerhalb der SAP-Kundenbasis anstreben und die Verbreitung dieser Technik in Nicht-SAP-Umgebungen steigern", erklärte Vorstandssprecher Hasso Plattner. Auch die enge Kooperation von SAP Portals mit unter anderem Yahoo stehe nicht in Frage.

Nicht geplant sei eine Rückholung der Aktivitäten unter das Dach des Mutterkonzerns. Dafür gibt es laut Graf drei Gründe: Erstens wolle man herstellerunabhängig integrieren, zweitens lizenziere man Software an Drittanbieter, und last but not least wolle man mit den Produkten auch Kunden außerhalb der installierten Kundenbasis von SAP und SAP Markets ansprechen.

Die neue SAP-Tochter wird nun ihr Hauptquartier im kalifornischen Palo Alto aufschlagen und dort und an weiteren US-Standorten sowie Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel und Singapur insgesamt gut 1700 Mitarbeiter beschäftigen. CEO (Chief Executive Officer) wird Shai Agassi, bislang Chef von SAP Portals. Hasso Plattner wird Chairman of the Board (Verwaltungsratsvorsitzender). (tc)