Kaufpreis $5,8 Mrd.

SAP macht mit Sybase mobil gegen Oracle

14.05.2010
Neue Runde im Kampf SAP gegen Oracle: Die Walldorfer wollen das kalifornische Unternehmen Sybase kaufen und sich damit den Zugang zu mobilen Nutzern sichern.

Sybase ist ein direkter Konkurrent des US-Softwareriesen Oracle. Die Übernahme des auf mobile Datendienste und Datenbanken spezialisierten Unternehmens kostet SAP 5,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 4,6 Milliarden Euro). Ziel sei es, "den Kunden Geschäftsdaten jederzeit auf jedem Gerät zur Verfügung zu stellen", sagte SAP-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Die SAP-Aktie geriet am Donnerstag unter Druck. Kurz nach Mittag notierte sie mit 2,22 Prozent im Minus bei 35,25 Euro. Der Markt werde Zeit brauchen, die Logik dieser überraschenden Übernahme nachzuvollziehen, heißt es in einem aktuellen Kommentar von Goldman Sachs.

Wildern im fremden Revier

Die mobile Middleware von Sybase bindet gängige Smartphones ein.
Die mobile Middleware von Sybase bindet gängige Smartphones ein.
Foto: basler

Sybase verfügt über die nötigen Plattformen ("Middleware") für die gängigen Smartphones von zum Beispiel Apple oder dem Blackberry-Hersteller Research In Motion (Research In Motion (RIM). Durch die Übernahme könne SAP seine Software schneller auch für mobile Endgeräte anbieten. Dadurch werde der Kreis der potenziellen Kunden deutlich vergrößert, teilte SAP mit. "Mit dieser Übernahme öffnen wir unsere Unternehmensanwendung mehreren hundert Millionen mobilen Nutzern", sagte Snabes gleichberechtigter Vorstandskollege Bill McDermott. Mit seinem Mobilgeschäft will Sybase in diesem Jahr 400 Millionen Dollar umsetzen.

Außerdem verfüge Sybase über ein umfangreiches Datenbankgeschäft, mit dem die Kalifornier im laufenden Jahr 800 Millionen Dollar Umsatz machen wollen. Damit stößt SAP in das Revier des großen Konkurrenten Oracle vor. Oracle selbst hatte sich als klassischer Datenbank-Hersteller in der Vergangenheit auf das Feld der Business-Software begeben und so SAP im ureigensten Geschäftsfeld Konkurrenz gemacht.

SAP-Mitgründer Hasso Plattner ist ein großer Fan von In-Memory-Datenbanken (IMDB).
SAP-Mitgründer Hasso Plattner ist ein großer Fan von In-Memory-Datenbanken (IMDB).
Foto: Picture Alliance/DPA

Interessant ist in diesem Zusammenhang besonders, dass Sybase auch Datenbanken anbietet, die komplett im Arbeitsspeicher eines Servers ("In-Memory") und damit extrem schnell laufen. SAP-Mitgründer Hasso Plattner wird seit geraumer Zeit nicht müde, diese relative neue Technik als den nächsten Quantensprung im Bereich der ERP-Software zu proklamieren.

Preisaufschlag

Finanziert werden soll das Geschäft mit vorhandenen liquiden Mitteln und einem 2,7 Milliarden Euro schweren Darlehen. Sollten SAP alle Sybase-Aktien angeboten werden, hätte das Geschäft ein Volumen von 5,8 Milliarden Dollar.

Soll in den SAP-Vorstand einziehen: Sybase-Chef John S. Chen
Soll in den SAP-Vorstand einziehen: Sybase-Chef John S. Chen

Der Verwaltungsrat von Sybase hat dem Übernahmebegehren den Angaben zufolge geschlossen zugestimmt. Nach dem Abschluss des Kaufs, der für das dritte Quartal 2010 erwartet wird, soll das US-Unternehmen unmittelbar einen Beitrag zum Gewinn der Walldorfer leisten. Der Sybase-Chef John Chen soll zudem in den SAP-Vorstand einziehen.

Konzernumbau

Snabe hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, schnell die Weichen für einen Konzernumbau zu stellen. Die im Frühjahr gestartete Neuorganisation der Entwicklungsabteilung soll bis zum Sommer abgeschlossen sein. Die Umstrukturierung betrifft weltweit etwa 12.000 Menschen und ist laut Snabe der mit Abstand größte Umbau in der Geschichte der Walldorfer.

Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe - die neue SAP-Doppelspitze
Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe - die neue SAP-Doppelspitze
Foto: SAP

Der Däne Snabe und der Amerikaner McDermott waren erst vor wenigen Wochen von SAP-Aufsichtsratschef und Mitgründer Hasso Plattner als gleichberechtigte Vorstandschefs eingesetzt worden. Vorgänger Léo Apotheker musste seinen Hut nehmen, weil er das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern verloren hatte. (dpa/tc)