SAP forciert Netweaver als Entwicklungsplattform

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Die neue Entwicklerlizenz von Netweaver richtet sich an Softwareexperten und Berater, die Netweaver ausprobieren und testen wollen. Zudem kündigte SAP an, dass die Integrationsumgebung "Process Integration", der Nachfolger der Exchange Infrastructure, Ende des Jahres in Ramp-up geht.

Der Softwarekonzern will Netweaver nicht mehr nur als technischen Unterbau für die eigenen Geschäftsapplikationen verstanden wissen, sondern möchte die Infrastruktur als eine Entwicklungsumgebung für Web-Services gegen konkurrierende Softwareplattformen positionieren. Dabei helfen soll eine Entwicklerlizenz im Abonnement. Vergleichbare Entwicklerofferten gibt es auch bei anderen Herstellern beispielsweise von Microsoft.

Gleichzeitig versucht SAP, das Image des Anbieters vergleichsweise unspektakulärer betriebswirtschaftlicher Anwendungssoftware abzustreifen. Zwar nutzen die meisten Kunden noch das Client/Server-System R/3, doch der Hersteller unterstreicht auf der eigenen Konferenz "Teched" in Las Vegas die Bedeutung von Web-Services und Enterprise SOA sowie die Entwicklungs-Community "SAP Developer Network", in der angeblich 900 000 Entwickler, Partner und Kunden sich gegenseitig helfen und Ideen austauschen.

Erste SAP Teched ohne Agassi

Es ist die erste Teched seit dem Ausscheiden des Vorstandsmitglieds Shai Agassi. Er hatte in den Jahren zuvor der an ein technisches Publikum ausgerichteten Konferenz seinen Stempel aufgedrückt. Seinen Job übernahm nun unter anderem SAP-Vorstandsmitglied Peter Zencke.

Vorgestellt hat SAP in dem US-amerikanischen Spielerparadies unter anderem ein neues Angebot für Entwickler. Mit der Netweaver Development Subscription erhält der Anwender Software, Services und Informationsmaterial. Er darf die Plattform allerdings nur für interne Zwecke nutzen. Im Paket sind die Komponenten "Business Intelligence", "Master Data Management", "Netweaver Mobile" und das "Netweaver Portal" sowie Entwicklungswerkzeuge für "Web Dynpro" und das "Composition Environment" enthalten. Bei Letzterem handelt es sich um ein grafisches Tool, mit der sich Benutzeroberflächen sowie "Composite Applications" gestalten lassen. In Deutschland kostet die Entwicklerlizenz für ein Jahr 1750 Euro. Erhältlich ist die Lizenz über das SAP Developer Network.

Aus SAP- und Nicht-SAP-Services Prozesse komponieren

Das Composition Environment richtet sich an Java-Entwickler. Sie sollen aus SAP- und Nicht-SAP-Services neue Anwendungen gestalten können (das Bild zeigt eine Vorabversion).
Das Composition Environment richtet sich an Java-Entwickler. Sie sollen aus SAP- und Nicht-SAP-Services neue Anwendungen gestalten können (das Bild zeigt eine Vorabversion).

Das neue Composition Environment ist eine Weiterentwicklung des "Composition Application Framework" und eignet sich laut SAP dazu, neue Geschäftsprozesse sowohl aus bestehenden SAP-Services zu bauen als auch aus Softwarediensten, die von Drittprodukten stammen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Services im Enterprise Services Repository (ESR) der SAP zur Verfügung stehen. Dieses Repository unterstützt dem Hersteller zufolge nun den Web-Services-Standard UDDI 3.0 (Universal Description, Discovery & Integration). UDDI lässt sich am einfachsten als "Gelbe Seiten für Web-Services" beschreiben. Die Version 3.0 der Oasis-Spezifikation erlaubt es unter anderem, verschiedene Service-Repositories miteinander zu verknüpfen. Eine Testfassung des Composition Environment steht auf dem SAP Developer Network zum Download bereit.

Weiterentwicklung der Netweaver Exchange Infrastructure

Diese und andere Netweaver-Neuheiten hatte SAP im März im Rahmen der Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) vorgestellt (siehe auch SAP lässt Anwender Prozesse modellieren). Während das Composition Environment und das ESR jetzt zur Verfügung stehen, wird die Netweaver-Komponente Process Integration (PI), eine Weiterentwicklung des Integration Broker "Exchange Infrastructure", Ende des Jahres im Rahmen des Ramp-up an erste Kunden ausgeliefert. Zu den Neuerungen von PI zählen unter anderem ereignisgesteuerte Dienste und "Reliable Messaging" für den zuverlässigen Transport von Nachrichten zwischen Web-Services. Ereignisse können beispielsweise Statusänderungen in einem ERP-System sein, auf die ein Service reagieren muss.

PI wird Bestandteil der nächsten Version der Integrations- und Ablaufumgebung sein (Netweaver 7.1) sein. Das aktuelle Release Netweaver 2004s hat SAP in "Netweaver 7.0" umgetauft.

Netweaver 7.1 bildet auch die technische Basis für das unlängst präsentierte Produkt "Business Bydesign" (siehe auch das Computerwoche-Dossier zu Business Bydesign). Wann genau das On-Demand-System freigegeben wird, wollte Vorstandsmitglied Zencke nicht sagen, fest steht nur, dass es im nächsten Jahr erscheinen soll.