Jim Hagemann Snabe

SAP-Chef will europäisches Abkommen für Datenverkehr

17.09.2013
Die jüngsten Enthüllungen über die Internet-Überwachung durch US-Geheimdienste geben europäischen Cloud-Diensten Rückenwind. Doch SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe warnt, dass ohne einheitliche Standards nationale Alleingänge drohen.

SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe schlägt vor dem Hintergrund der NSA-Affäre einheitliche europäische Regeln für Datendienste vor. "Für den sicheren Datenverkehr brauchen wir so etwas wie ein Schengen-Abkommen für IT", sagte Snabe am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Jahrestagung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Nötig seien europäische Standards, betonte Snabe. "Das Risiko ist, dass jedes Land nun seine eigene Cloud-Umgebung einführt."

Jim Hagemann Snabe, Noch-Co-CEO der SAP AG
Jim Hagemann Snabe, Noch-Co-CEO der SAP AG
Foto: SAP

Auf EU-Ebene wird derzeit über eine Novelle der Datenschutzrichtlinie beraten, nach dem ursprünglichen Plan soll darüber noch 2014 im EU-Parlament abgestimmt werden. Allerdings ist der Zeitplan bereits im Verzug. Und angesichts der aktuellen Diskussion rund um das Überwachungsprogramm Prism kommen neue Unsicherheiten auf. Es gehe auch um den Schutz des geistigen Eigentums, warnte der DSAG-Vorsitzende Marco Lenck in Nürnberg. Die Frage sei, inwieweit Unternehmensdaten auch bei SAP vor staatlichen Zugriffen geschützt seien. "Die NSA-Affäre führt viele zu der Frage: Bleiben die Daten in Europa?", sagte Snabe. Das sei eine Chance für Europa.

Nationale Regeln würden den Datenverkehr zwischen den Ländern aber erschweren und das Geschäftsmodell von Firmen wie SAP behindern. Der Software-Anbieter verlagert mehr und mehr Programme seiner Kunden in Rechenzentren. Bis 2015 will SAP den Umsatz mit Cloud-Angeboten auf zwei Milliarden Euro verdoppeln.

Für seine europäischen Kunden betreibt SAP aber nur zwei Rechenzentren - eines in St. Leon-Rot bei Walldorf und eines in Amsterdam. Seine Präferenz sei ein Cloud-Regelwerk für ganz Europa, in dem Standards und Zertifikate definiert wären, sagte Snabe.

Blick ins SAP-Rechenzentrum in St. Leon-Rot
Blick ins SAP-Rechenzentrum in St. Leon-Rot
Foto: SAP / Reto Klar

Insbesondere deutsche Kunden reagierten wegen möglicher Sicherheits- und Datenschutzprobleme in der Vergangenheit skeptisch auf die Idee, wichtige Softwareanwendungen und Daten aus der Hand zu geben. Die Anbieter argumentieren unter anderem mit niedrigeren Kosten. Die Gesamtkosten würden bei einer Umstellung um 30 Prozent reduziert, sagte Snabe. "Der Kunde spart sich den Aufwand für das eigene Rechenzentrum."

SAP bemüht sich darüber hinaus, den Kunden den Übergang zu Cloud-Angeboten zu erleichtern, indem zum Beispiel alte Wartungsverträge einfacher aufgelöst werden können. Tatsächlich steigt der Anteil der deutschen SAP-Kunden, die Cloud-Angebote nutzen, inzwischen deutlich. Laut einer aktuellen Umfrage der DSAG haben inzwischen 40 Prozent der Firmen Programme auf externe Server verlagert - Anfang des Jahres waren es noch 25 Prozent. (dpa/tc)