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SAP brilliert

30.01.2003
Der Walldorfer Softwarekonzern hat im Geschäftsjahr 2002 seine Bruttomarge erheblich stärker als erwartet auf 22,7 Prozent geschraubt und den wichtigsten Wettbewerbern deutlich Marktanteile abgenommen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP AG hat heute Morgen Zahlen zum vierten Quartal und gesamten Geschäftsjahr 2002 veröffentlicht, die man angesichts der gegenwärtigen Branchensituation nur als hervorragend bezeichnen kann. Der Walldorfer Konzern meldet für das Jahr 2002 ein um 15 Prozent gestiegenes operatives Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro sowie eine operative Marge von 22,7 Prozent, nachdem das Unternehmen noch Anfang Januar von "nur" 21 Prozent ausgegangen war.

Der Umsatz für das Gesamtjahr 2002 stieg gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Negative Währungseinflüsse durch den schwächelnden Dollar nicht eingerechnet wären die Einnahmen sogar um sechs Prozentpunkte gewachsen. Der Produktumsatz (Lizenz- und Wartungsgeschäft) betrug 4,7 Milliarden Euro und lag damit auf dem Niveau von 2001. Ein Rückgang der Lizenzeinnahmen von 2,6 auf 2,3 Milliarden Euro wurde hier durch ein Plus von 2,1 auf 2,4 Milliarden Euro im Wartunggeschäft ausgeglichen. Im Beratungsbereich legte SAP beim Umsatz von 2,1 auf 2,2 Milliarden Euro zu, die Schulungserlöse gingen im Jahresvergleich von 466 auf 414 Millionen Euro zurück.

Ihren Marktanteil basierend auf Lizenzeinnahmen - im Vergleich mit i2, J.D. Edwards, Oracle, Peoplesoft und Siebel - steigerten die Walldorfer nach eigenen Angaben von 41 Prozent im Jahr 2001 auf 50 Prozent für 2002. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) für 2002 beträgt 1,8 Milliarden Euro nach 1,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Nettoergebnis ging von 581 Millionen Euro oder 1,85 Euro pro Aktie im Vorjahr auf 509 Millionen Euro oder 1,63 Euro je Anteilschein zurück. Beim Proforma-Gewinn legte SAP von 851 Millionen Euro oder 2,7 Euro pro Aktie um 21 Prozent auf eine Milliarde Euro oder 3,29 Euro je Anteilschein zu. Den operativen Cash Flow abzüglich Investitionen für das Jahr 2002 beziffert der Konzern mit 1,4 Milliarden Euro, die liquiden Mittel summierten sich zu Ende Dezember 2002 auf 1,2 Milliarden Euro.

"Wir sind sehr zufrieden mit den erreichten Ergebnissen", freute sich Vorstandssprecher Henning Kagermann. "In einem unsicheren ökonomischen und politischen Umfeld haben wir erfolgreich agiert." Regional betrachtet steigerte die SAP ihren Umsatz in der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) 2002 von 3,8 Milliarden Euro um sieben Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, in Deutschland legte das Unternehmen sogar um zehn Prozent zu. In den USA sanken die Einnahmen von 2,7 Milliarden Euro um acht Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Hier macht sich allerdings vor allem die Dollarschwäche bemerkbar, ohne Währungseinflüsse wäre der US-Umsatz um zwei Prozent gestiegen. Im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die SAP-Einnahmen von 841 Millionen Euro im Vorjahr um zwei Prozent auf 862 Millionen Euro; ohne Währungseinflüsse hätte das Plus hier neun Prozent betragen, in Japan sogar 22 Prozent.

Für das vierte Quartal ging der Konzernumsatz von 2,32 Milliarden Euro im Berichtszeitraum des Vorjahres um zwei Prozent auf 2,28 Milliarden Euro zurück. Währungseinflüsse nicht eingerechnet wären die Einnahmen um fünf Prozent gestiegen. Kaut Kagermann setzte sich in den letzten drei Monaten 2002 "der Trend zu kleineren Vertragsabschlüssen fort". Gleichzeitig hätten sich aber viele Kunden für eine immer umfassendere Zusammenarbeit entschieden. Das Konzernergebnis stieg nach 319 Millionen Euro oder 1,02 Euro pro Aktie im Vorjahresquartal auf 474 Millionen Euro oder 1,52 Euro je Anteilschein. Der Proforma-Gewinn stieg um 19 Prozent auf 492 Millionen Euro oder 1,58 Euro pro Aktie (Q4 2001: 413 Millionen Euro oder 1,31 Euro je Anteilschein).

In den Regionen EMEA und Asia-Pacific stieg der Umsatz im letzten Quartal jeweils um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden und 265 Millionen Euro; in Amerika fielen die Einnahmen um 27 Prozent auf 721 Millionen Euro - negative Währungseffekte nicht gerechnet jedoch nur um ein Prozent. Der Produktumsatz summierte sich auf 1,6 Milliarden Euro, davon entfielen 958 Millionen auf das Lizenz- und 628 Millionen Euro auf das Wartungsgeschäft (Q4 2001: eine Milliarde Euro/573 Millionen Euro).

Mit mySAP CRM setzte SAP im vierten Quartal 205 Millionen Euro um, das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr; die Einnahmen mit mySAP SCM gingen indes um 20 Prozent auf 186 Millionen Euro zurück (Komplettlösungen jeweils anteilig mitgerechnet). Der Beratungsumsatz stieg von 572 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 575 Millionen Euro, das Schulungsgeschäft ging im Jahresvergleich von 117 Millionen Euro auf 92 Millionen Euro zurück.

Für das laufende Geschäftsjahr will das Unternehmen trotz "des weiterhin nicht vorhersehbaren politischen und wirtschaftlichen Umfelds" seinen Marktanteil weiter ausbauen und seine Profitabilität steigern. Mitgründer und Vorstandssprecher Hasso Plattner erklärte dazu: "Wir gehen davon aus, dass SAP Netweaver zusätzliche Impulse für den Umsatz mit unseren Produkten und Lösungen sowohl bei Bestands- als auch Neukunden geben wird." Die operative Marge soll daher im Vergleich zu 2002 nochmals um ungefähr einen Prozentpunkt steigen und unterm Strich ein Ergebnis pro Aktie zwischen 3,45 und 3,60 Euro ermöglichen.

Last, but not least die Mitarbeiterstatistik: Die SAP AG beschäftigte zu Ende Dezember 2002 28.797 Menschen in Vollzeit, das sind 112 weniger als zu Ende des dritten Quartals. (tc)