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"SAP braucht motivierte Mitarbeiter"

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Um die Produktentwicklung voranzutreiben, müssen die SAP-Mitarbeiter ihre Kreativität und das Vertrauen in den Vorstand zurückgewinnen. Nur so lassen sich die Probleme bewältigen, meint Andreas Klein von TechConsult.

Andreas Klein, Managing Director von TechConsult, zum Führungswechsel bei SAP.

Foto: Microsoft

Die Gründe für den Abgang von Léo Apotheker sind vielschichtiger Natur. Sicher ist in der Kommunikationspolitik nicht das beste Business gemacht worden. In Zeiten der Krise den Margengedanken auf Kosten der abhängigen Bestandskunden laut werden zu lassen ist sehr gefährlich, trägt zum Verlust von Marktanteilen bei und schreckt zudem potentielle Neukunden ab. Genau dort wäre das Geschäft zu suchen gewesen. Die Produktentwicklungszyklen sind bisher zu lang, was die deutlich verspätete Marktreife von "Business ByDesign" dokumentiert. Neue Märkte konnten demzufolge nicht wie versprochen durchdrungen werden, womit dem Wachstumskurs des Unternehmens auch ohne Krise bereits Grenzen gesetzt wurden. Dass man unter diesen Voraussetzungen - in einem nicht Erfolg versprechenden Jahr 2009 - fehlende Umsätze durch Optimierung der Kosten kompensieren muss, ist dabei unter kaufmännischen Gesichtspunkten eine nahe liegende Strategie, die leider zur Motivationsbremse im Unternehmen selbst wird. Ein Unternehmen wie SAP braucht jedoch motivierte Mitarbeiter, die Innovationen vorantreiben und nicht durch ihr verlorenes Vertrauen in den Vorstand ihr Engagement und ihre Kreativität verlieren.

Einklang von Vertrieb und Innovation

Man mag meinen, dass der Konzentration auf Sales und Marketing, die mit dem Kaufmann Apotheker in Person einhergegangen ist, nun eine Absage erteilt wurde. Dem dürfte allerdings nicht so sein. Vielmehr wird es Aufgabe der SAP sein, die Vertriebs- und Marketing-Anforderungen in Einklang mit der Neuprodukt-Entwicklung zu bringen. Diese dürfte sich vor allem im Hinblick auf die Identifikation neuer Anwendungsfelder konzentrieren. Wenn das Geschäft zu 80 Prozent auf den Bestandskunden lastet, ist das Neukundengeschäft konzentriert anzugehen. Jim Hageman Snabe steht für die Ausweitung des SAP-Produktportfolios um weitere Anwendungen und damit auch für die Entwicklung neuer Kundengruppen. Auch Bill Mc Dermott wird durch seine Siebel-Vergangenheit und Gartner-Historie einen starken Anwendungsfokus fördern. Eine solche Orientierung wird zum Nutzen aller Kunden erfolgen, das heißt auch Bestandkunden dürften vom Innovationskurs deutlich profitieren. Wenn dies der neuen SAP-Führungsspitze einhergehend mit einer Verkürzung der Produktentwicklungszyklen gelingt, dürfte der Kurskorrektur des Softwareunternehmens nichts mehr im Wege stehen.