Gehälter

SAP-Berater: 90.000 Euro nach fünf Jahren

02.04.2013
Von Julia Vobker-Staudt
Sie gehören zu den Topverdienern unter den IT-Fachkräften. Bringen SAP-Berater gefragtes Spezialwissen und Projekterfahrung mit, verdienen sie mehr als manche Führungskraft. Region und Branche machen bei Gehältern für SAP-Spezialisten bis zu 50 Prozent Unterschied aus.
Thomas Biber, Personalberater: "Ein SAP-HCM-PY-Berater mit sechs Jahren Berufserfahrung kann bis zu 100.000 Euro verdienen."
Thomas Biber, Personalberater: "Ein SAP-HCM-PY-Berater mit sechs Jahren Berufserfahrung kann bis zu 100.000 Euro verdienen."
Foto: Privat

Schon junge SAP-Berater ohne Projekterfahrung können Jahresgehälter zwischen 40.000 und 50.000 Euro erzielen. Innerhalb kurzer Zeit steigen die Bezüge weiter, nach drei bis fünf Jahren ist ein Jahresverdienst von 60.000 bis 90.000 Euro zu erreichen. Doch wovon hängt die Gehaltsentwicklung ab? Thomas Biber, Geschäftsführer der auf das SAP-Umfeld spezialisierten Personalberatung Biber & Associates, erläutert, welche Faktoren ein hohes Gehalt begünstigen: "Vor allem fundiertes Spezialwissen und Projekterfahrung machen sich bezahlt." Nach über fünf Jahren SAP-Projekterfahrung liege der Jahresverdienst zwischen 70.000 und 90.000 Euro. Senior-SAP-Berater könnten sogar ein Gehalt im sechsstelligen Bereich verdienen. Das gelte zwar auch für Berater mit Führungsverantwortung, dennoch würden sich Wissen und Erfahrung stärker auszahlen: "Die Top-Fachleute verdienen oft mehr als Führungskräfte", sagt Biber. Ob sich eine SAP-Laufbahn so lukrativ entwickelt, hängt stark von Branche und Expertenwissen ab. Und grundsätzlich von der Frage, ob der SAP-Berater inhouse in einem Unternehmen oder als externer SAP-Berater bei einem SAP-Beratungshaus angestellt ist.

Spezialwissen wird honoriert

Erfahrung ist der eine Faktor, Expertentum im Sinne von Spezialwissen der andere. Als Beispiele für vom Markt stark nachgefragtes Spezialwissen nennt Biber SAP BO (Business Objects), SAP HCM PY (Human Capital Management Payroll) und SAP PP-PI (Produktionsplanung Prozessindustrie). Berater, die mit diesen Kenntnissen ausgestattet sind, haben nicht nur eine große Jobauswahl, sie können auch Gehälter am oberen Ende der genannten Verdienstspannen erwarten. Inhouse-Berater, die in erster Linie koordinieren, bewegen sich dagegen auf einem engeren Stellenmarkt mit entsprechend geringeren Lohnsteigerungen. Auch Abap-Entwickler und SAP-Basisadministratoren verdienen laut Biber im Inhouse-Bereich häufig etwas weniger als SAP-Modulexperten.

Im Video sehen Sie eine Diskussion zum Thema: "Was SAP-Spezialisten können müssen":

Die attraktivsten Gehaltspakete bieten eindeutig SAP-Beratungshäuser. Im Vergleich zum Inhouse-Consultant in einem Anwenderunternehmen muss der externe Berater häufig reisen. Diese hohe Mobilitätsanforderung ist den Arbeitgebern einiges wert. "Erfahrene SAP-Senior-Berater verdienen in einem erfolgreichen Beratungsunternehmen mitunter mehr als ein IT-Leiter im gehobenen Mittelstand", sagt Biber. Da der Wechsel von der externen Beratung in eine Inhouse-Position oft mit einem Gehaltsverzicht verbunden sei, falle dieser Absprung schwer, auch wenn ihn sich so mancher wünschen würde.

Grundsätzlich gilt: Am besten verdienen SAP-Berater, die viel reisen. Inhouse-Consultants müssen sich oft mit deutlich weniger zufrieden geben.
Grundsätzlich gilt: Am besten verdienen SAP-Berater, die viel reisen. Inhouse-Consultants müssen sich oft mit deutlich weniger zufrieden geben.
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Auch die Branche prägt die Gehaltsentwicklung stark. Hohe Margen im Kerngeschäft der Unternehmen schlagen sich auch im SAP-Beratergehalt nieder. Chemie und Pharma vergüten SAP-Berater am besten, gute Verdienstchancen eröffnen die Automobilindustrie, Banken, Versicherungen und die Luxusgüterbranche. Arbeitet ein externer SAP-Berater mit einer gefragten Spezialisierung für eine Branche, in der es gerade brummt, kann er nach fünf bis zehn Jahren mit 100.000 Euro und mehr rechnen. Große Unternehmen bezahlen oft besser als kleine.

Wie viel ein SAP-Berater verdienen kann, hängt wie in anderen Berufen auch von der Region ab: In den neuen Bundesländern ebenso wie in den weniger dicht besiedelten Regionen Westdeutschlands, zum Beispiel Niedersachsen, liegen die Einkommen der SAP-Experten deutlich unter denen im Süden und Westen der Republik: Hier stehen die Ballungsräume rund um Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Köln/Düsseldorf an erster Stelle. Personalberater Biber kalkuliert: "Ein SAP-HCM-PY-Berater mit sechs bis acht Jahren Projekterfahrung kann auch ohne Führungsverantwortung bis zu 100.000 Euro verdienen, wenn er zum Beispiel bei einem renommierten Industrieunternehmen im Frankfurter Raum arbeitet. Ein SAP-Berater mit demselben fachlichen Hintergrund kommt in einem Unternehmen aus dem Gesundheitswesen in Ostdeutschland auf einen Jahresverdienst von rund 50.000 Euro." Die Region und die Branche, in der ein SAP-Experte tätig ist, können also zu Differenzen von bis zu 50 Prozent führen.

Variable Gehaltsbestandteile

Zu beachten sind aber auch die variablen Gehaltsbestandteile, die für viele Berater üblich sind. Personalberater Biber nennt als Faustregel: "Je höher das Gehalt, desto größer ist oft der Anteil der erfolgsbasierten Zulagen. Bei einem Gehalt von 100.000 Euro sind oft nur 70.000 Euro fix." Prämien in großem Umfang sind üblich, wenn SAP das Kerngeschäft darstellt, also vor allem in Beratungsunternehmen. Im Consulting gibt es manchmal Prämien in einer Höhe von bis zu 50 Prozent des Basisgehalts; 20 bis 30 Prozent erfolgsbasierte Zulagen sind weit verbreitet. Der variable Anteil für Inhouse-SAP-Berater fällt dagegen mit etwa zehn Prozent deutlich niedriger aus, da diese Profis nicht im Kerngeschäftsfeld ihres Arbeitgebers beschäftigt sind. In vielen dieser Fälle ist das Gehalt fix, variable Zulagen kommen keine hinzu.