SAP-Arbeitsmarkt: Keine Spur von Krise

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der drohende Konjunktureinbruch schadet SAP-Spezialisten bisher nicht: Die Gehälter steigen, und wer in Logistik, Rechnungswesen und technischen Themen firm ist, hat die größte Jobauswahl.

Wie die auf SAP-Software-Experten spezialisierte Personalberatung Apentia Consulting Group in ihrer halbjährlichen Marktstudie ermittelte, stiegen die Gehälter für diese Gruppe etwas an. Der größte Teil dieser Fachleute arbeitet in Bayern (vorher Nordrhein-Westfalen). München baute seine Spitzenposition weiter aus.

Klassische ERP-Themen laufen

Die klassischen ERP-Themen wie Logistik und Rechnungswesen drücken der Nachfrage nach SAP-Experten weiterhin ihren Stempel auf, hat Apentia ermittelt. Suchte bei der letzten Marktstudie (Januar 2008) jeder fünfte Arbeitgeber einen SAP-Experten, der in der Logistik zu Hause ist, stieg die Quote auf nunmehr 22,6 Prozent an. Die gefragtesten Logistik-Module, die Bewerber beherrschen sollten, sind Materialwirtschaft (27 Prozent), Vertrieb (26 Prozent) sowie mit einigem Abstand Produktionsplanung (16 Prozent). Instandhaltung oder Kundenservice (je vier Prozent) sind hingegen kaum gefragt.

Ebenfalls hoch bleibt die Nachfrage nach Spezialisten fürs Rechnungswesen, obgleich sie von 16,3 auf nunmehr 14,6 Prozent zurückgegangen ist. Wer für das Modul Finanzbuchhaltung (47 Prozent) oder Controlling (40 Prozent) qualifiziert ist, ist besonders begehrt. Kenntnisse über das Modul Controlling (fünf Prozent) hingegen werden selten gefordert. Zahlreiche Jobangebote beziehen sich auch auf SAP-Basiskomponenten mit 19,4 und Business Information Warehouse (11,4 Prozent). Vergleichsweise wenige Positionen setzen Fachwissen auf den Gebieten Enterprise Portal (2,4 Prozent) oder Mobile Business Applications (ein Prozent) voraus.

Firmen bilden Trainees aus

Neben dem fachlichen Know-how müssen SAP-Spezialisten über Branchenkenntnisse, am besten aus dem Umfeld von Banken und Versicherungen, Handel, Utilities oder Prozess- und Fertigungsindustrie, verfügen. Hier hat sich gegenüber der Auswertung vom vergangenen Januar nichts geändert. Weitere Ergebnisse des aktuellen Apentia-Index: Der Anteil der registrierten SAP-Experten in der Datenbank des Dienstleisters, die eine Festanstellung suchen, liegt unverändert bei 75 Prozent. Der Frauenanteil kletterte von 17 auf 18 Prozent. Und wie vor einem halben Jahr richten Arbeitgeber angesichts des überhitzten SAP-Arbeitsmarktes ihr Augenmerk auch auf Hochschulabsolventen, die sie als Trainees selbst ausbilden. Im Vorteil sind Informatiker, Wirtschaftsinformatiker sowie BWL-Absolventen, die sich etwa im Studium mit SAP-Themen befasst haben. Der Idealkandidat der Arbeitgeber ist wissbegierig, teamfähig, selbstbewusst und kann bereits einige Berufsjahre in die Waagschale legen.

SAP-Profis sind Spitzenverdiener

SAP-Experten werden nach wie vor sehr gut bezahlt. Im Durchschnitt verdienen Einsteiger (wie im Januar 2008) ein Zielgehalt von 40 000 bis 45 000 Euro, wobei die Minimalwerte von 30 000 auf nunmehr 34 000 Euro anzogen. Auch die Einkommen für erfahrene SAP-Kräfte bleiben stabil hoch. Nach einigen Berufsjahren klettern sie auf 60 000 Euro. Senior Consultants verdienen bis zu 80 000, Projektleiter bis zu 90 000 Euro. "Von einem Konjunktureinbruch, wie ihn Marktforscher vorhersagen, ist auf dem SAP-Arbeitsmarkt noch nichts zu spüren", fasst Apentia-Geschäftsführer Ralf Breitenfeldt die aktuellen Ergebnisse zusammen. Fakt sei: Wer sich mit SAP auskenne, könne meist zwischen mehreren Jobangeboten auswählen.

Hessen fällt zurück

Ein weiterer Gegenstand der Untersuchung ist die Frage, wo die meisten SAP-Experten arbeiten. Hier hat Bayern das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) überholt. Während die Quote im Westen von 23,1 auf 22,5 Prozent sank, zog der Freistaat von 22,9 auf 23,9 Prozent an NRW vorbei. Auch Hessen fiel von 18 auf 17 Prozent zurück. Spitzenreiter unter den Metropolen bleibt München, das seine Spitzenposition von 11,6 auf 11,9 Prozent weiter ausbaute. Weit dahinter rangieren Frankfurt am Main mit 6,7 Prozent, Hamburg (5,5 Prozent), Berlin (4,6 Prozent) und Stuttgart (4,1 Prozent). Gegenüber der letzten Untersuchung stieg die Quote der SAP-Experten, die sich beruflich für die Schweiz entschieden haben, um immerhin 50 Prozent. Breitenfeldt kritisiert deshalb die Politik: "Wenn immer mehr hochqualifizierte Fachkräfte aufgrund besserer Einkommensperspektiven, attraktiverer Altersvorsorgeangebote und vorteilhafter Steuerbedingungen zu den Eidgenossen abwandern, besteht akuter Handlungsbedarf."

In ihrer Marktstudie, die regelmäßig im Halbjahresturnus aufgelegt wird, bezieht sich Apentia auf eine statistische Auswertung von rund 18 000 Datensätzen aus beruflichen Profilen von SAP-Experten, Anforderungsprofilen von Unternehmen sowie aktuellen Projektdaten.