Netz-Admin gibt auf

San Francisco erobert sein kommunales WAN zurück

23.07.2008
Die Verwaltung von San Francisco hat die Kontrolle über ihr Weitverkehrsnetz zurückerlangt. Ein Grund für den Ausraster des Admins soll das inkompetente IT-Management gewesen sein.

Gavin Newsom, Bürgermeister der kalifornischen Stadt San Francisco, hat für den Durchbruch bei der Rettung des kommunalen Fiber-WANs gesorgt. Der Politiker traf sich mit dem inhaftierten Netzwerk-Administrator Terry Childs, der in der vergangenen Woche das Weitverkehrsnetz verriegelt und sich geweigert hatte, die Passwörter zu den Routern und Switches herauszugeben. Nach den Verhandlungen mit Newsom übergab Childs die Schlüssel zu den Netzrechnern.

Die Polizei hatte den 43-jährigen IT-Experten am vorvergangenen Sonntag festgenommen. Ihm werden mehrere Fälle der Computersabotage vorgeworfen. So soll der Admin das Glasfaser-WAN der Stadt manipuliert und es gegen den Zugriff durch andere Administratoren abgeschottet haben, nachdem er sich unerlaubten Zugriff auf das System verschafft hatte. Das WAN vernetzt Gebäude in der ganzen Stadt, rund 60 Prozent des kommunalen Netzverkehrs sowie kritische Anwendungen werden darüber geleitet.

Terry Childs - der Richter setzte die Kaution für den Admin auf fünf Millionen Dollar fest.
Terry Childs - der Richter setzte die Kaution für den Admin auf fünf Millionen Dollar fest.

Die Anwältin von Childs ersuchte den Richter, die auf fünf Millionen Dollar festgesetzte Kaution zu reduzieren. Sie beschrieb ihren Klienten als Mann, der sich von inkompetenten Kollegen umzingelt fühlte und dessen Arbeit von seinem Vorgesetzten hintertrieben wurde. Keine der Personen, die Childs nach den Passwörtern befragten, sei dafür qualifiziert gewesen, heißt es in einer Stellungnahme an das Gericht. Gegen das Department of Telecommunications and Information Services (DTIS), in dem der Admin arbeitete, erhob er schwere Vorwürfe: Dort herrschten Missmanagement, Fahrlässigkeit und Korruption, was - wenn nicht behoben - die Stadt San Francisco in Gefahr bringen würde.

Ron Vinson, ein ITK-Verantwortlicher von San Francisco, wies die Anwürfe zurück: "Allem Anschein nach betracht Childs das Netzwerk als sein Eigentum." Da irre er sich, denn das WAN gehöre den Steuerzahlern. Childs sitze in Haft, weil er der IT-Organisation den Zugriff auf das WAN verweigert habe.

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