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Indische Blogger düpiert

Samsung setzt sich in die Sozialen Nesseln

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Samsung dürfte in Zukunft wohl mehr Schwierigkeiten haben, Blogger für gesponserte Reisen zu gewinnen.

Im Netz macht nämlich via "The Next Web" eine traurige Geschichte über die traurigen Blogger Relations des koreanischen Elektronikkonzerns die Runde. Samsung hatte dem Bericht zufolge im Rahmen seines "Mobiler"-Programms einige Blogger - einer davon Clinton Jeff von unleashthephones.com - aus Indien nach Berlin zu IFA geladen und ihnen Flug und Übernachtungen bezahlt.

Obwohl die Jungs nach eigener Einschätzung - die Robert Basic für falsch hält - ausdrücklich als Reporter und nicht etwa als Samsung-Promotoren anreisten, sollten sie dann vor Ort plötzlich nicht nur ein NDA für die Vorstellung des "Galaxy Note II" unterschreiben, sondern Samsung-Uniformen tragen, sich an Samsungs IFA-Ständen aufhalten, der Presse Samsungs Produkte vorführen.

Als die Blogger klar machten, dass sie das nicht tun würden, ward ihnen geheißen, dass sie sich dann bitte selbst um ihren Rückflug kümmern müssten. Kurze Zeit später folgte ein zweiter Anruf. OK, Samsung werde den Rückflug doch übernehmen. Allerdings nicht am 6., sondern schon am 1. September. Und auch nur dann, wenn sie im Samsung-T-Shirt zur "Unpacked"-Pressekonferenz der Koreaner erscheinen und Stillschweigen über die Angelegenheit bewahren würden.

Jeff bat Brad McCarty von "TNW" inständig, die Geschichte erst zu veröffentlichen, wenn er es zurück nach Indien geschafft habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Blogger noch kein Ticket in Händen und auch noch keine Zusage, dass er überhaupt eines bekommen würde. Tickets gab es dann letztlich von Nokia, das die Sache flugs zum Eigen-PR-Coup umzubiegen wusste.

Abgesehen von dem unmöglichen Verhalten der Verantwortlichen bei Samsung verdeutlicht die Angelegenheit jedenfalls auch grundsätzlich die fatale wirtschaftliche Abhängigkeit vieler Blogger von Unternehmen, über deren Produkte sie berichten.