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Samba-Mitautor kritisiert Microsoft schleichenden CIFS-Rückzug

17.09.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Jeremy Allison, Mitautor des Samba-Quellcodes, hat öffentlich Kritik an Microsofts offenbar schwindender Unterstützung des eigenen Protokolls CIFS (entstanden aus SMB) geübt. Die Gates-Company fürchte Konkurrenz durch Linux und wolle ihre Desktop-Vormachtsstellung in Server-Gefilde ausweiten, mutmaßt Allison. Der Samba-Mann steht mit seiner Kritik übrigens keineswegs allein - zuvor hatte bereits Network Appliance Microsoft heftig angegriffen, weil der Softwarekonzern in zentralen Anwendungen wie Exchange die CIFS-Unterstützung einstellt. NetApp bezeichnete Microsoft in diesem Zusammenhang als "gewalttätig" sowie "von Paranoia und Neid getrieben".

CIFS (Common Internet File System) verbindet über SMB (Server Message Block) unter anderem Windows-Clients mit Windows-Servern. Unix-Entwickler haben das Protokoll durch Reverse Engineering auch für ihre Betriebssysteme verfügbar gemacht, damit Unix-Server Druck- und Dateidienste für Windows-Clients bereit stellen können. Zu den Unix-Anbietern, die auf Basis von Samba Produkte offerieren, gehören unter anderem IBM, HP, Sun und SGI. Das Open-Source-Team rund um Samba schätzt, dass mittlerweile 15 bis 30 Prozent der Windows-PCs in Unternehmen allein über ihr Produkt auf Unix-Maschinen zugreifen.

Bislang, so Allison, sei Samba Microsoft eigentlich als Vehikel genehm gewesen, um Windows-Client auch an Unix-Anwender zu verkaufen. Diese Einstellung verkehre sich aber offenbar mittlerweile ins Gegenteil. "Samba wird für Microsoft zunehmend schmerzhaft. Unsere aktuellsten Benchmarks zeigen, dass Samba-basierte File-and-Print-Server auf Linux mit dem Kernel 2.4 um 50 Prozent leistungsfähiger sind als Windows 2000 auf der gleichen Hardware", erklärt der Mitautor.

Microsoft selbst gibt auf seiner Webseite zu Protokoll, es habe in Exchange 2000 deswegen auf CIFS verzichtet, weil das Protokoll die Daten über einen Netzwerk-Stack auf dem Client transportiere, was einen Flaschenhals darstelle. Die harsche Kritik von NetApp nach einer gemeinsam veranstalteten Konferenz zum Thema CIFS hat der Konzern bislang nicht kommentiert. Allison vermutet, Microsoft kenne womöglich die eigene Strategie nicht. "Es kann gut sein, dass sie ihrem SQL-Server-Team auftragen, CIFS verstärkt zu ignorieren, und gleichzeitig ihr CIFS-Team zur Weiterentwicklung auffordern", erklärte der Samba-Mann gegenüber "Computerwire".