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Sam Palmisano ruft das "On-Demand"-Zeitalter aus

31.10.2002
CEO Samuel Palmisano hat angekündigt, IBM werde in den nächsten Jahren zehn Milliarden Dollar investieren, um sich als "IT-Versorger" für Anwender aufzustellen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der IBM-Chef Samuel "Sam" Palmisano hat gestern in New York vor Großkunden, Analysten und Journalisten seine erste große strategische Rede gehalten. Darin proklamierte er das neue Zeitalter des "E-Business on Demand", für das sich sein Unternehmen in den kommenden Jahren mit Investitionen von zehn Milliarden Dollar positionieren werde.

Mit seiner "Zehn-Milliarden-Dollar-Wette" wähnt sich IBM-CEO Samuel Palmisano auf der sicheren Seite.
Mit seiner "Zehn-Milliarden-Dollar-Wette" wähnt sich IBM-CEO Samuel Palmisano auf der sicheren Seite.

Aus Sicht Palmisanos hat das Computing bislang drei wichtige Phasen hinter sich: Die durch Automatisierung des Backoffice gekennzeichnete Mainframe-Ära, das Client Server-Computing, welches die Automatisierung in die Abteilungen hineingetragen habe, und schließlich die von IBM 1996 auf "E-Business" getaufte Netzära. Letztere unterteilt der IBM-Chef wiederum in drei Unterphasen. In der ersten hätten Unternehmen zunächst (statische) Informationen ins Netz gestellt. In der zweiten Phase sei das Internet dann zum Medium für geschäftliche Transaktionen geworden - hiermit seien derzeit die meisten großen Firmen beschäftigt.

Damit rücke die dritte große Phase des E-Business in greifbare Nähe. Aus Sicht von Unternehmenslenkern müsse die IT endlich ihr Langzeit-Versprechen einlösen und die Effizienz des Geschäfts radikal verbessern. Technologie solle dabei helfen, Geschäftsprozesse End-to-End im ganzen Unternehmen sowie mit wichtigen Partnern, Lieferanten und Kunden zu integrieren und gleichzeitig flexibel und schnell auf jedwede Nachfrage, Marktchance oder externe Bedrohung zu reagieren. Dies nenne IBM nun E-Business on Demand, so Palmisano.

Der Übergang zum neuen Paradigma werde nicht schlagartig, sondern sukzessive erfolgen, erklärte der IBM-CEO. Er erfordere eine genaue Analyse des eigenen Geschäftsmodells, die Identifizierung der eigenen Kernkompetenzen und anschließende Überlegung, welche Teile des Geschäfts man noch selbst abwickeln und welche man möglicherweise Dritten überlassen könne. Die Rolle von IBM (und sicher auch von dessen Wettbewerbern) werde sich dann zunehmend in Richtung eines "IT-Versorgungsunternehmens" entwickeln, von dem Anwender die nötige Informationstechnik nach Bedard beziehen, so wie sie heute schon mit Strom oder Wasser machten.

Die Unternehmens-DV habe sich im Laufe der vergangenen 40 Jahre zu einer heterogenen, weit verteilten und zunehmend komplexen Angelegenheit entwickelt. Es gelte für die Anwender nun, auf eine neue Architektur umzusteigen, die einerseits die existierenden Systeme bestmöglich nutze, andererseits auch auch solche außerhalb traditioneller Unternehmensgrenzen. Eine solche On-Demand-Betriebsumgebung müsse integriert sein, auf offenen Standards basieren, virtualisiert sein und ohne viel Management autonom funktionieren.

Zehn Milliarden Dollar werde IBM sich die Ausrichtung in Richtung On-Demand in den kommenden Jahren kosten lassen, kündigte Palmisano an. "Wir wetten zehn Milliarden Dollar", so der CEO. "Kein Zweifel, das ist eine Menge Geld. Aber ist das eine riskante Wette? Ich denke nicht, denn sie entspricht den Prioritäten unserer Kunden und nicht unseren eigenen."

Unter anderem wolle man in den nächsten Jahren jeweils zwei bis drei Milliarden Dollar für Akquisitionen ausgeben - Amtsvorgänger Lou Gerstner hatte sich während seiner Ägide meist auf ein bis zwei Milliarden Dollar per annum beschränkt. Der IBM-Chef erklärte ferner, die weltweiten Investitionen in Informationstechnik hätte aus seiner Sicht die Talsohle erreicht, was Wachstumsprognosen von Analysten von wieder drei bis vier Prozent im kommenden Jahr wahrscheinlich erscheinen lasse. Obwohl Palmisano für IBM keine konkreten Zahlen nannte, stieg die Aktie des Unternehmens gestern zum NYSE-Fixing um 1,93 auf 78,67 Dollar.

Weitere Detais zu Palmisanos Rede inklusive Audio- und Video-Streams finden Interessierte hier in englischer Sprache. (tc)