Fuchs Gewürze

Sales-Prozesse mit Microservices abbilden

Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Statt einer umfassenden ERP-Lösung setzt Fuchs Gewürze für Stammdaten und Sales-/Order-Management modulare Microservices ein - und macht damit bislang gute Erfahrungen.

Der niedersächsische Gewürzhersteller Fuchs - gut eine halbe Millarde Euro Jahresumsatz, 3500 Mitarbeiter, 14 Produktionsstandorte auf drei Kontinenten - sah sich 2012 mit Kundenanforderungen konfrontiert, die mit der historisch gewachsenen ERP-Lösung für den Bereich Auftragsabwicklung - Cobol in einer Mainframe-Umgebung - nicht erfüllt werden konnten. Unter großem Zeitdruck setzte man deshalb schnell einzelne Funktionen um. "Das waren eigentlich schon Microservices", so Alexander Fuchs, CIO des Unternehmens aus Dissen am Teutoburger Wald, auch wenn sie erst später so bezeichnet wurden.

Drei Jahre später zieht der IT-Manager gegenüber der COMPUTERWOCHE eine positive Zwischenbilanz der Microservices bei Fuchs Gewürze: Zu einem vertretbaren Preis habe man stabile und leistungsfähige, dazu gut wartbare und entwicklungsfähige Software bekommen.

Bei Fuchs Gewürze stehen Microservices hoch im Trend. Bei uns erfahren Sie aus erster Hand, wie die Implementierung von statten ging.
Bei Fuchs Gewürze stehen Microservices hoch im Trend. Bei uns erfahren Sie aus erster Hand, wie die Implementierung von statten ging.
Foto: Sergey Nivens, Fotolia.de

Fuchs Gewürze: Der Status Quo 2015

Flexibel zusammengesetzte Teams aus insgesamt sieben internen und externen Entwicklern haben bei Fuchs Gewürze bis heute 25 Services entwickelt, davon zehn mit grafischer Benutzeroberfläche. Abgedeckt werden etwa die Stammdatenverwaltung mit Artikel- und Kundenstammdaten einschließlich Kundenservice, dazu Vertrieb und Auftragseingang sowie die Verwaltung der Konditionen, zu denen Fuchs mit einzelnen Kunden Geschäfte macht.

Als technische Basis wurden Ruby on Rails sowie mehrere Open-Source-Bibliotheken aus dem Rails-Umfeld eingesetzt, dazu Rabbit MQ als Messaging-Service und pro Service eine relationale Oracle-Datenbank. Der Entwicklungsprozess folgt den Prinzipien von Continuous Integration und Continuous Delivery. Jeder Service durchläuft dabei eine Karriere von der Code-Versionierung über die eigentliche Entwicklung, Funktions- und Integrationstests sowie die Bereitstellung der entsprechend konfigurierten Server (Provisioning) bis hin zum separaten Deployment.

Alexander Fuchs ist CIO des traditionsreichen Marktführers im Bereich Gewürze.
Alexander Fuchs ist CIO des traditionsreichen Marktführers im Bereich Gewürze.
Foto: Fuchs Gewürze GmbH

Schlanker und flexibler als full-blown ERP

Eine umfassende ERP-Einführung hatte man bei Fuchs ebenfalls evaluiert, aber frühzeitig ausgeschlossen. SAP - das ansonsten im Unternehmen, etwa in der Finanzbuchhaltung, bereits eingesetzt wird - hätte zwar mit weiteren Komponenten wie dem Vertriebsmodul SD weiter ausgerollt werden können. Schon in der Konzeptphase sah man jedoch, dass der Aufwand sehr hoch gewesen wäre und zwar für beide Alternativen: die Anpassung der Organisation auf die Standardsoftware, wie auch das Customizing der Standardsoftware.

Zudem erschien der typische serielle Verlauf von SAP-Projekten - mit langer Konzeptphase, folgender Implementierung, abschließenden Tests und Go-live als "Big Bang" - den IT-Entscheidern bei Fuchs zu risikoreich; man fürchtete Produktivitätsverluste. Die Strategie, für die man sich bei Fuchs stattdessen entschied, fasst der CIO rückblickend als "Aushöhlen" der alten Lösung und sukzessives Einführen neuer Komponenten zusammen. So konnte man das monolithische Legacy-System aufbrechen, um die Einführung von neuen Softwarelösungen zu ermöglichen - und das ohne "Big Bang", wie eine klassische ERP-Einführung ihn bedeutet hätte.

Weil man bei Fuchs Gewürze bereits über Erfahrungen mit agiler Softwareentwicklung verfügte, wurde dieser Weg weiterverfolgt. Am Anfang wird nur ein Minimalprozess mit den absolut unverzichtbaren Funktionen geplant, sehr schnell umgesetzt und produktiv geschaltet. Mit diesem unvollständigen Produkt-Inkrement sammelt man Erfahrungen, trifft auf deren Basis weitere Design-Entscheidungen und entwickelt die Software erst dann fertig.