Halbleiter-Standort

Sachsen will dem rauen Chip-Klima trotzen

08.09.2008
Silicon Saxony, der Halbleiter-Cluster in der Region Dresden, gilt als deutsches Vorzeigemodell für die Ansiedlung moderner Technologien. Doch der Wettbewerb um Unternehmen wird zunehmend härter.

Die Erfolgsstory des Halbleiterstandortes Sachsen hat in den vergangenen Monaten einen Dämpfer bekommen. Die heikle Situation kommt zum Teil durch den weltweiten Preisverfall bei Halbleitern. Dazu herrscht gnadenloser Wettbewerb um Subventionen. Europa und damit auch Sachsen haben es schwer gegenüber Offerten aus Südostasien oder den USA. Arbeitsplätze werden abgebaut, Investitionen in neue Fabriken laufen langsamer. Die Unruhe ist verständlich: Sachsen ist der wichtigste Standort der Halbleiter- und Elektronikbranche in Deutschland. Rund 1.500 Firmen geben mehr als 44.000 Menschen Arbeit. Jeder zweite in Europa produzierte Chip könnte den Aufdruck "Made in Saxony" tragen.

Die Branche ist in schwerem Fahrwasser, Optimisten hoffen aber, die Situation zu meistern. Sachsen setzt seit der Wende auf Wachstum durch die Halbleiterindustrie. Hier gibt es eine lange Tradition, die bis zur Erfindung des Dualsystems durch den Leipziger Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) zurückreicht. "Der Standort Sachsen ist nicht in Gefahr, trotz großer internationaler Konkurrenz", sagt Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD). Gerade wurde eine der wichtigsten Halbleiter-Messen SEMICON für das kommende Jahr nach Dresden geholt - Verlängerung nicht ausgeschlossen. Mitte des Monats nimmt das Unternehmen Plastic Logic die nach eigenen Angaben weltweit erste Produktionsstätte für elektronisches Papier - sogenanntes e-Paper - auf.

Die bisherige Entwicklung wurde auch durch Geld von Europäischer Union, Bund und Land gepusht. Beifall für die Förderpolitik des Freistaates, durch die seit den 90er Jahren die drei Branchenriesen Infineon, dessen Tochter Qimonda und US-Hersteller AMD in den Raum Dresden gelockt wurden, gibt es vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Man muss sich auf Bereiche konzentrieren, die in der Zukunft Wachstum bringen", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Mirko Titze. Da sei hier auf das richtige Pferd gesetzt worden.

Fördermittel sind aber nicht der einzige Anreiz für Firmen, sich niederzulassen. "Wichtig ist in dieser von Globalisierung geprägten Branche ein attraktiver Standort. Das gilt sowohl für die Ansiedlung als auch für das Bleiben und den Ausbau von Fabriken", weiß der Dresdner Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz. "Allerdings spielen im weltweiten Ansiedlungswettbewerb Subventionen eine wichtige Rolle." Aktuelles Beispiel ist ein geplante neues Werk von AMD. Da bietet der Staat New York enorme Steuervergünstigungen auf Jahre, wo Sachsen wegen der stringenten EU-Beihilferegelungen nicht mithalten könnte. Die Entscheidung über das Lockangebot soll im kommenden Jahr fallen.

In Dresden, wo der Konzern im Laufe der Jahre sechs Milliarden US-Dollar investierte, wäre jedoch auch Platz für ein neues Werk. Die Dresdner AMD-Fabriken zählen zu den modernsten weltweit. Eine davon wird gerade auf modernste 300 Millimeter-Technologie umgerüstet. Aufgrund der allgemeinen Markt- und Geschäftssituation wurde der Zeitplan jedoch gestreckt. Ursprünglich sollte sie bereits 2008 ans Netz gehen. In keiner anderen Branche seien Subventionen so verankert, sagt Ragnitz. "Damit muss man leider leben." Oder andere Zukunftsbranchen ins Auge fassen, wie regenerative Energien. In Sachsen seien aber auch Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zu finden, die ohne weiteres international mithalten können, sagt er. Gerade siegte das Projekt "Cool Silicon" zur Reduzierung des Energieverbrauchs in der Elektronik im Spitzencluster-Wettbewerb - und kann auf mehrere Millionen Euro hoffen.

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