ERP aus der Cloud holt auf

SaaS treibt den Markt für Public-Cloud-Services

Heiko Henkes schreibt als Experte zu den Themen Social Business, Mobile Enterprise sowie Cloud Computing und dem Zusammenspiel dieser und anderer bedeutender IT-Trends im Kontext der Digitalisierung bzw. ICT-Industrialisierung.
Als IT-Analyst beziehungsweise -Advisor berät er seit 2007 Anwender und Anbieter bei der strategischen Planung und Umsetzung ihrer IT-Strategien bzw. dem Go-to-Market. Er ist aktuell als Manager Advisor bei der Experton Group AG beschäftigt.
Die SaaS-Anbieter dürfen auf dem deutschen Markt weiter mit zweistelligen Wachstumsraten kalkulieren. Auch klassische ERP-Funktionen werden künftig verstärkt über die Cloud genutzt, erwartet die Experton Group.

Geht es um die Ausgaben für die Public Cloud, dominiert das Segment SaaS weiter den Markt in Deutschland. Dabei wird deutlich, dass die meisten Anwenderunternehmen einen vollgemanagten Service ohne Betriebsverantwortung präferieren. Die Ausgaben für SaaS werden von derzeit rund 4,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2019 auf etwa 9 Milliarden Euro steigen. Für den gesamten Public-Cloud-Markt rechnen die Marktforscher der Experton Group weiterhin mit jährlichen Wachstumsraten im hohen zweistelligen Bereich. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CARG) wird im Zeitraum von 2015 bis 2020 bei rund 26 Prozent liegen.

Trotz dieser Prognosen gibt es für die Cloud-Provider noch reichlich Herausforderungen. Gerade im Mittelstand sind die Bedenken noch groß. Viele Unternehmen sind unsicher, welche Cloud-Lösung für sie passt, häufig fehlt es an der Übersicht bezüglich der eigenen Prozesslandschaft. Hinzu kommt eine generelle Scheu vor Veränderungen durch neue Standards.

Im Mittelstand gibt es noch immer Vorbehalte gegen eine Nutzung von Software aus der Cloud. Doch die Situation ändert sich langsam.
Im Mittelstand gibt es noch immer Vorbehalte gegen eine Nutzung von Software aus der Cloud. Doch die Situation ändert sich langsam.
Foto: ProStockStudio - www.shutterstock.com

SaaS wird zum Business Enabler

Viele Anwenderunternehmen evaluieren derzeit SaaS-Lösungen und erkennen die Vorteile eines wartungsfreien und voll gemanagten Betriebs. Cloud-, und hier vor allem ERP-SaaS-Plattformen können die Schnittstelle zwischen Produkten, Daten, Unternehmensanwendungen und Endgeräten bilden und erlauben so erst den Aufbau einer sogenannten Smart Factory mit autonomer Machine-2-Machine (M2-)Kommunikation. Am Beispiel des Handels ist zudem zu erkennen, dass Unternehmen mehr denn je gezwungenen sind, Kunden zu jeder Zeit und an jedem Ort zu "begleiten" und in der Digital Customer Journey proaktiv zu "tracken", respektive zu beeinflussen. Das gelingt nur mit Always-on-Cloud-Systemen.

Umfrage zu CRM in der Cloud

Die Treiber für SaaS sind beispielsweise ein Zugewinn an Flexibilität, der orts- und zeitunabhängige Zugriff, die Erleichterung der Internationalisierung und im Fall der Service- oder Dienstleistungsunternehmen auch die Verringerung der Verbindlichkeiten für den Einsatz von Zeitarbeitskräften. SaaS ist inzwischen also ein Business Enabler und fördert die Kompetenz und Marktstellung im Kontext der Digital Economy.

Situation der ICT-Anbieterunternehmen

Die klassischen Softwareanbieter kämpfen gegen eine Erosion ihrer Märkte. Die größten Posten im Zuge der Cloud Transformation sind heute Ausgaben für die "Cloud-Architektur-Readiness" und die Implementierung. Anbieter müssen hier also ihre Portfolios schärfen. Bohrt man tiefer, stellt sich heraus, dass Anwender insbesondere in den Applikations-Bereichen Collaboration, Communication und CRM Budgets zur Transformation in die Cloud beziehungsweise hin zum SaaS-Modell bereitstellen.

Der höchste Einsatzgrad von SaaS-Anwendungen aus der Public Cloud zeigt sich im Umfeld der Großunternehmen. In kleinen und mittelständischen Unternehmen steigt die Nachfrage nach SaaS-Lösungen aktuell stark an.

Wichtige Startpunkte sind dabei Kernanwendungen wie beispielsweise

  • Communication & Collaboration Lösungen

  • Workplaces mit SaaS-fähigen Applikationen (mobil und stationär)

  • ERP inklusive HR- und CRM sowie FI-Systeme

  • Projektmanagement Tools

  • Exklusive Anwendungen wie etwa Media Management im Marketing

Argumentativ sollten Anbieter mehr denn je den Wertbeitrag der IT am Geschäft beziffern zu können. Dies gelingt nur auf Basis von hoch standardisierten Applikationen, die natürlich auf einer modernen Infrastruktur aufsetzen sollten. Dabei gilt es, die Herausforderung zu erkennen und anzunehmen, Anwendern dabei zu helfen, ihre Prozesse transparenter zu machen. Nur so können diese schnell entscheiden, ob ein Neuanfang mit einer SaaS-Lösung sinnvoll ist oder die alte Lösung noch behalten werden kann oder muss.

Ausgaben für Public Cloud Services im Vergleich

Im Vergleich zu IaaS, PaaS und auch den Kosten für den Cloud-basierten Netzwerk-Traffic (meist Outbound Traffic), hält die SaaS-Kategorie den größten Anteil der Ausgaben für Public Cloud Services.

Die Ausgaben für Software as a Service wachsen laut Experton auch in den kommenden Jahren zweistellig.
Die Ausgaben für Software as a Service wachsen laut Experton auch in den kommenden Jahren zweistellig.
Foto: Experton Group

Bei der Nutzung spezifischer Anwendungen aus der Public Cloud haben Groupware-Lösungen wie E-Mail und Kalender, CRM-Applikationen und "Voice over IP" bisher mit Abstand den höchsten Nutzungsgrad erreicht. Als moderat kann man den gegenwärtige Nutzungsgrad von Collaboration-Anwendungen, Security as a Service und branchenspezifischen Lösungen ansehen. Weit zurück liegt dagegen die aktuelle Nutzung bei Office-Anwendungen, ERP und Analytics / Big Data-Lösungen. Doch auch hier tut sich etwas.

Die größten Wachstumsraten in der Public-Cloud-Nutzung versprechen dennoch Collaboration-Lösungen, Voice over IP und Security as a Service. Hier liegen die Vorteile für Anwender bezüglich Zusammenarbeit und Kostenreduzierung auf der Hand. Diese Anwendungen werden allerdings mit zunehmendem Prozessverständnis und API-Management sowie der Kommunikation von SaaS-Vorteilen zu den stark nachgefragten CRM- und Groupware-Applikationen aufschließen. Bei branchenspezifischen Lösungen, Office-Anwendungen, ERP und Big-Data-Analytics fallen die Zuwachsraten in der Public Cloud Nutzung wesentlich moderater aus.

Mehr als 4,5 Milliarden Euro geben deutsche Nutzer im laufenden Jahr für SaaS-Lösungen aus.
Mehr als 4,5 Milliarden Euro geben deutsche Nutzer im laufenden Jahr für SaaS-Lösungen aus.
Foto: Experton Group

Der Nutzungsgrad der Public Cloud für Software as a Service (SaaS) ist im Business-Umfeld als moderat einzustufen und erreicht aktuell wie erwähnt ein Volumen von 4,5 Milliarden Euro in Deutschland. Das entspricht etwa 18 Prozent des gesamten Softwaremarkts, der noch immer mehr als 25 Milliarden Euro schwer ist. Dieser klassische Markt mit vielen Branchenlösungen und etablierten Anbietern durchläuft einen grundlegenden Wandel. Das zeigt sich im SaaS-Segment besonders deutlich. Im Mittelstand etwa ist für 2020 zu erwarten, dass mehr Geld für SaaS-basierte ERP-Lösungen ausgegeben wird als für hergebrachte On-Premise-Systeme.

Der Mittelstand holt in puncto SaaS-Nutzung schnell auf, erwartet die Experton Group.
Der Mittelstand holt in puncto SaaS-Nutzung schnell auf, erwartet die Experton Group.
Foto: Experton Group

Fazit: Auch SaaS ERP wird wachsen

Der SaaS-Einsatzgrad steigt über alle Branchen kontinuierlich. Dabei wächst das Angebot stetig und vor allem ERP-Anbieter liefern immer reichhaltigere Funktionen und kommen so dem Kundenwunsch nach integrierten, aber modularen ERP-Systemen nach. Die Welt ist längst nicht mehr schwarz oder weiß. Monolithische Softwaresysteme sind inzwischen absolut out, weil sie starr und nicht selten derart stark "customized" sind, dass sie aus dem Standard-Support laufen und nicht mehr den Ansprüchen junger Entscheider genügen. Die Systeme können in vielen Fällen durch kleine und somit leichter überschaubare Speziallösungen ersetzt werden beziehungsweise in alternativer Form "leicht verdaulich" auf individuelle Wünsche zugeschnitten und aus einer sicheren und performanten Cloud "konsumiert" werden.

Der klassische On-Premise-ERP-Markt wird in den kommenden Jahren weiter schrumpfen, SaaS-Lösungen dagegen boomen. Die Prognosen dazu im Einzelnen:

  • Ein vor Ort installiertes ERP-System ist noch für Großunternehmen interessant, in denen die gleichen Prozesse einheitlich gelten und eine einheitliche Organisationsstruktur über alle Fachbereiche und Standorte gegeben ist.

  • Durch Übernahmen und Umstrukturierungen ist dies aber selbst in Großunternehmen immer seltener der Fall.

  • Die Marktdynamik und das Wachstum erfordern gerade im Mittelstand mehr Flexibilität.

  • Viele SaaS-Angebote werden als Ergänzung bestehender Systeme genutzt.

  • Kleine Unternehmen können sich erstmalig professionelle ERP-Systeme leisten. Individuelle user- und nutzungsbasierte Lizenzmodelle sind dabei die Treiber.Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen holen bis 2019 und darüber hinaus auf. Sie schalten sukzessive alte Systeme im On Premise-Betrieb ab und ergänzen oder ersetzen diese durch neue SaaS-basierte Lösungen.

Die relativ langsame Durchdringung von SaaS aus der Public Cloud liegt zum Großteil an der noch starken Zurückhaltung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Diese haben oft Angst vor dem externen Bezug von Services und wollen vor allem individuelle Prozesse und damit auch differenzierende Merkmale beibehalten. Die SaaS-Lösungen von heute sind allerdings in den meisten Fällen ausreichend gesichert und erlauben dank des modularen Aufbaus auch eine Individualisierung oder Veredelung über Partnerlösungen.

In einigen Fällen, wenn es etwa um Collaboration und Communication oder auch Marketing Suites geht, preschen Marketing-Verantwortliche nicht selten vor und nutzen SaaS zur Not auch in Eigenregie - Stichwort Schatten IT. Auf der anderen - traditionellen - Seite herrscht dagegen offiziell oft Zurückhaltung, vor allem bei Office-Anwendungen, ERP und Analytics / Big Data-Lösungen.

Vor diesem Hintergrund sollten Cloud-Anbieter die Vorteile von SaaS gegenüber klassischer Software noch deutlicher und intensiver kommunizieren. Die wichtigsten Argumente lauten:

  • Leichtere Einbindung internationaler Standorte

  • Bessere Kostenstruktur: Gebühren statt Investitionen

  • Weniger IT-Komplexität

  • Flexiblere Einbindung von Geschäftspartnern

  • Einfache Einbindung mobiler Endgeräte

  • Schnelle Implementierung (wh)