SaaS holt im ERP-Umfeld auf

Senior Communication Managerin bei der Content Marketing Agentur Evernine
Software-als-Service-Applikationen gibt es inzwischen für die meisten Geschäftsbereiche. Profitieren soll davon vor allem der Mittelstand.
Im CRM-Umfeld ist das SaaS-Modell schon sehr verbreitet. Aber andere Bereiche holen allmählich auf.
Im CRM-Umfeld ist das SaaS-Modell schon sehr verbreitet. Aber andere Bereiche holen allmählich auf.
Foto: Experton Group

Wenn ich mein CRM, vielleicht sogar mein ERP, außer Haus gebe, bin ich doch nicht mehr mein eigener Herr", meint der Verfasser eines Blog-Eintrags zum Thema "Software as a Service" (SaaS). Laut Marktforschern steht er mit dieser Meinung inzwischen ziemlich allein da - vor allem, was CRM-Anwendungen (Customer-Relationship-Management) betrifft. CRM führt die Hitliste der im SaaS-Modell genutzten Applikationen an. Es folgen nach Erhebungen der Aberdeen Group Lösungen für Sourcing und Procurement sowie für das Supply-Chain- und Product-Lifecycle-Management.

Voraussetzung für SaaS:Geringer Integrationsaufwand

Im ERP-Bereich (Enterprise Resource Planning) stößt die SaaS-Einsatzvariante bislang allerdings auf eher laues Interesse. Der Grund: Eine via Leitung bezogene Anwendung muss über entsprechende Schnittstellen in die vorhandene Infrastruktur integriert werden. "Es ist kein Zufall, dass vor allem CRM-Lösungen derzeit als SaaS im Angebot sind. Hier ist die Integration in die Infrastruktur normalerweise weniger tief als beisp ielsweise bei einem System zur Produktionssteuerung", erklären die Marktforscher von Techconsult die bislang geringe Verbreitung in anderen Bereichen. Doch diese Hürde dürfte bald der Vergangenheit angehören, glauben die Branchenkenner: "Je eher die Anwender in den nächsten Jahren Service-orientierte Architekturen (SOA) einführen, desto schneller werden sich SaaS-Modelle im Markt durchsetzen, weil der Aufwand für deren Integration damit signifikant sinkt."

Hier lesen Sie …

warum CRM im SaaS-Modell so verbreitet ist;

warum ERP dagegen noch schwächelt;

was Software aus der Dose kostet;

welche Einsatzbereiche davon profitieren.

SaaS bietet nicht nur Vorteile. Bei stark standardisierten Lösungen kann aber vor allem der Mittelstand davon profitieren.
SaaS bietet nicht nur Vorteile. Bei stark standardisierten Lösungen kann aber vor allem der Mittelstand davon profitieren.

Mittelständler denken in Sachen ERP aus der Steckdose schon heute um, beobachten die Analysten. Und sie kennen auch die Gründe: Über SaaS kommen kleinere Unternehmen schneller und kostengünstiger zu einer ERP-Lösung. Denn diese wird nicht gekauft, sondern läuft beim Hersteller beziehungsweise bei einem Hosting-Partner des Herstellers. Der Anwender nutzt sie über ein Frontend via Web-Browser. Die Kosten für diesen Service richten sich nach der Nutzung: Je nach Anzahl der User, dem Umfang der genutzten Funktionen und dem Service-Level-Agreement, also der vereinbarten Verfügbarkeit der Lösung, zahlt der Kunde nur das, was er auch tatsächlich verwendet.

Welche Anwendungen als Mietsoftware angeboten werden

SaaS-Lösungen sind inzwischen für die meisten Anwendungsbereiche verfügbar - von A wie Agentursoftware bis Z wie Zollabfertigung.

CRM-Applikationen sind heutzutage fast schon ein Synonym für SaaS. Namhafte Anbieter in diesem Bereich sind Salesforce.com, CAS, Rightnow und Sage. Die entsprechenden Anwendungen kosten zwischen 60 und 130 Euro pro Nutzer und Monat. Zum Vergleich: Der Basispreis für die Kaufversion einer CRM-Software mit vergleichbarer Funktionalität liegt bei 1000 bis 3000 Euro pro Nutzer - zuzüglich eines jährlichen Wartungsaufschlags von etwa 15 bis 20 Prozent der Kaufsumme sowie den (internen) Kosten für den Betrieb der Lösung.

ERP im SaaS-Modus bietet beispielsweise die Firma Myfactory. Das Unternehmen verlangt für seine umfangreichste und teuerste Lösung "Factory on" 299 Euro pro drei User und Monat (zuzüglich Mehrwertsteuer). Das Komplettpaket für "global agierende, produzierende Unternehmen" kann laut Anbieter alle Geschäftsprozesse abbilden und steuern. Das deutsche Vorzeigeunternehmen SAP ist mit seiner speziell für den Mittelstand konzipierten ERP-Offerte "Business ByDesign" ebenfalls auf diesen Zug aufgesprungen. So verlangt die SAP-Tochter Steeb für die On-Demand-Lösung der Walldorfer 133 Euro pro Monat und Nutzer. Darin enthalten sind dann "alle Aufwendungen für Hardware, Betriebsführung, Lizenzen, Customizing und Wartung". Im Kleingedruckten finden sich allerdings noch die Angaben: "zuzüglich Mehrwertsteuer, Mindestlizenzierung 25 Anwender, Mindestlaufzeit 24 Monate".

Auch Projekt-Management lässt sich heute im SaaS-Modell betreiben. Für eine Nutzungsgebühr von 19,90 Euro pro Monat und Nutzer offeriert beispielsweise die Firma Business Essentials ein Modul, das Planung, Steuerung, Kostenkontrolle, Dokumentation und Abrechnungen übernimmt. Die Lösung plant unternehmensweit und berücksichtigt neben anderen Projekten auch Urlaubszeiten, Feiertage sowie individuelle Arbeitszeiten der Mitarbeiter.

Auf der CeBIT 2008 zeigte Projectplace seine neue Softwareversion, die Funktionserweiterungen enthält und sich mit "Netviewer one2meet" aus dem Hause Netviewer integrieren lässt. Mit dem Tool können Anwender in einem Online-Meeting eine VoIP-gestützte Telefonkonferenz abhalten. Dabei soll es möglich sein, dass bis zu sechs Personen gleichzeitig kostenlos sprechen und sich gegenseitig sehen - vorausgesetzt, sie sind mit entsprechenden Webcams ausgestattet. Sämtliche Informationen, die auf ihren Monitoren zu sehen sind, lassen sich teilen. Das spart den Unternehmen nicht nur Reisekosten, sondern vor allem auch Zeit. Eine kostenlose Version zum Kennenlernen steht bereit.

Lösungen für beliebig strukturierte Daten

Mittlerweile finden sich auch SaaS-Angebote zum Verwalten und Bearbeiten von beliebig strukturierten Daten. Das Spektrum reicht von einfachen Lösungen zur tabellarischen Auflistung von Daten - beispielsweise "Zoho Sheet" - bis hin zur Entwicklung komplexerer Datenbanken wie "DabbleDB" oder "Coghead". Die in den USA sehr beliebte Online-Datenbank DabbleDB bietet auch Spreadsheet- und Intranet-Eigenschaften. Die benutzerfreundliche Oberfläche und ein einfacher Daten-Upload erlauben dem Anwender eine schnelle Einarbeitung in das Online-Tool. Dokumente können als HTML- oder PDF-Datei gedruckt und/ oder veröffentlicht werden, via RSS können sich zudem Nutzer über neue Einträge informieren lassen. Die Datenbank richtet sich an kleine Arbeitsgruppen und ist je nach Interessen und Nutzungsumfang gratis oder kostenpflichtig (ab zehn Dollar pro Monat).

Weiterführende Links zum Thema

n www.saas-forum.net

Das Forum gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen zum Thema SaaS. Außerdem finden sich hier Einsatzszenarien, Praxisbeispiele, Tipps zur Auswahl unterschiedlicher Lösungen, ein Forum sowie Anbieterlisten.

n www.saasportal.de

News, Community-Elemente und Anbieterlisten.

n www.ondemandnotes.com

Der SaaS-Experte Andreas von Gunten betreibt einen Weblog zum Thema und offeriert Links zu eigenen Fachartikeln und verschiedenen Fachpublikationen.

Für SaaS ebenfalls geeignet: Branchenprogramme

SaaS spielt immer dann seine Stärken aus, wenn es um standardisierte Prozesse geht. Schließlich ist das Vertriebsmodell auch deshalb im CRM-Bereich so erfolgreich, weil Kundenbeziehungs-Management - unabhängig von der Branche - im Prinzip den gleichen Regeln folgt. Ähnlich verhält es sich bei branchenspezifischen Programmen. Darauf setzen auch große Anbieter wie SAP. Die Walldorfer arbeiten beispielsweise mit der GUS AG, einem Spezialisten für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie, zusammen.

Gut im Geschäft mit Branchenprogrammen ist zudem die Datev, der SaaS-Anbieter mit der vielleicht längsten Tradition. Doch die Branchenangebote beziehen sich nicht nur auf Steuerberater. Ein eher exotisches Beispiel ist die Lösung "Erntehelfer". Das Online-Tool ermöglicht es, Daten über beschäftigte Erntehelfer zu verwalten, und hilft beim jährlichen Ausdruck der notwendigen Antragsformulare sowie bei der Erfassung der Erntehelfererträge. Die Preise beginnen bei monatlich acht Euro pro Benutzer. Für knapp 20 Euro kann der Anwender noch einen Shop dazumieten, in dem er die Waren gleich verkaufen kann (www.ernte-online.de). Auch Bibliothekssysteme gibt es aus der Steckdose. Die Firma Datronic bietet etwa mit "Winbiap.net" eine entsprechende Lösung an.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de 1860448: Tipps für SaaS-Verträge;

1860327: Vor- und Nachteile von SaaS;

1858834: Der SaaS-Markt wächst;

1856887: Mietsoftware im Trend;

1856558: ERP on Demand;

1854899: Die Vorzüge von SaaS;

1848725: Die Folgen von SaaS.

Anwendungen müssen sich leicht standardisieren lassen

An der Frage, ob SaaS sich auch für Business-Intelligence-Lösungen (BI) eignet, scheiden sich bislang die Geister. Die größte Hürde bestehe in der Gesamtsicht auf die Daten, die in einer SaaS-Umgebung kaum zu erzielen sei, weil zu große Datenmengen bewegt werden, so die Kritiker. Hierzulande jedenfalls halten sich die Anwender, aber auch die Anbieter von BI-Lösungen - etwa Business Objects und Cognos - in Sachen SaaS noch zurück.

Fazit: SaaS ist nicht nur für CRM geeignet. Experten zufolge bietet es sich vor allem für Programme an, die sich leicht standardisieren lassen, weil jede Programmierung mit weiteren Kosten zu Buche schlage. Interessante Einsatzbereiche sind laut Techconsult vor allem kaufmännische Segmente wie Lohn- und Gehaltsbuchführung, Lösungen für Reisekostenabrechnungen sowie für die gesamte Buchhaltung von Kleinbetrieben. Ein heißes Thema ist nach Ansicht der Experten auch die Archivierung: Hier sei es besonders sinnvoll, die Daten offsite zu haben und regelmäßige Sicherungen zu veranlassen. Eine kleine Entscheidungshilfe gibt eventuell der "Aspomat" auf der Web-Seite des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Mit Hilfe eines Online-Checks können Unternehmen hier binnen zehn Minuten herausfinden, ob sich das SaaS-Modell für sie lohnt (http://www.bitkom.org/de/themen_gremien/ 40604_44895.aspx). (sp)