Software as a Service

SaaS erreicht Europa

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Auch in Deutschland soll die Nachfrage nach Software as a Service steigen. Bislang sind hierzulande aber vor allem die Anbieter rührig.
CW-TV: Managed Services und SaaS als Alternativen zu Outsourcing?
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Weltweit kommt die Nachfrage nach Software as a Service (SaaS) kräftig in Fahrt. Laut einer Studie von Saugatuck Technology werden Ende 2008 fast 40 Prozent aller Unternehmen mindestens eine Lösung zur Miete nutzen. Bis 2010 soll dieser Anteil auf 65 Prozent, in den USA sogar auf 75 Prozent, ansteigen. Immer mehr Anwender hoffen auf die Vorteile des Mietmodells: SaaS-Angebote bieten eine höhere Preistransparenz als stationäre Angebote. So kostet das Web-basierende Paket "Google Apps" - bestehend aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und E-Mail - pro Endanwender 50 Dollar im Jahr. Der "Simple Storage Service (S3)" von Amazon ist für monatlich 15 Cent pro Gigabyte zu haben. Auch dass zentral gehostete SaaS-Lösungen die Hardware besser auslasten und damit energieeffizienter sind als On-Premise-Anwendungen, ist in diesen Zeiten nicht zu unterschätzen.

Vorlaufkosten entfallen

Bislang ist SaaS vor allem im Collaboration- und CRM-Umfeld verbreitet. In den nächsten Jahren sollen Kernanwendungen in den Bereichen HR (Human Resources), Beschaffung/Sourcing sowie dem Finanz- und Rechnungswesen nachziehen.
Bislang ist SaaS vor allem im Collaboration- und CRM-Umfeld verbreitet. In den nächsten Jahren sollen Kernanwendungen in den Bereichen HR (Human Resources), Beschaffung/Sourcing sowie dem Finanz- und Rechnungswesen nachziehen.

Und schließlich spricht die schnelle Einführung ohne große Vorlaufkosten für das Mietmodell. "Es rechnet sich, dass wir für die bislang genutzten Services den Infrastrukturbetrieb nicht vorhalten und uns nicht um Installation und Wartung kümmern müssen", beschreibt Torsten Moeller, Bereichsleiter Entwicklung bei der Versicherungsgruppe Deutscher Ring, die Standardmodule - unter anderem zur Bonitäts- und postalischen Überprüfung von Adressdaten - in Form von Dienstleistungen bezieht. "In der Softwareentwicklung stellt sich für uns immer die Make-or-Buy-Frage. Und in speziellen Bereichen gibt es betriebswirtschaftlich keinen Sinn, eigene Software zu entwickeln." Vor allem bei Systemen und Prozessen, die nur periodisch genutzt werden oder ständigen Änderungen unterworfen sind, sei es oft günstiger, auf externe Ressourcen zurückzugreifen: "Das sonst erforderliche Know-how muss man ja erst einmal aufbauen und dann permanent auf dem neuesten Stand halten - auch in den Fachbereichen."

SaaS: Europa holt auf

Speziell in Zeiten konjunktureller Unsicherheit steigt das Interesse an SaaS, betont Liz Herbert, Analystin bei Forrester Research: "Mit dem Mietmodell können Anwender ihre kurzfristigen Ausgaben senken, Anwendungen im Vorfeld testen und einen Großteil des Investitionsrisikos auf den Provider abwälzen." Kein Wunder, dass auch in Europa das Interesse wächst. "Vor allem in Skandinavien und den Benelux-Ländern ist die Nachfrage in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen", beobachtet Bill McNee, CEO von Saugatuck. Dementsprechend bereiten sich immer mehr IT-Anbieter auf das Thema vor - neben SaaS-Spezialisten und Softwareherstellern auch unabhängige Softwarehäuser (ISVs) sowie IT- und TK-Dienstleister.

Zu schaffen machen ihnen allerdings die länder- oder branchenspezifischen Regeln in puncto Datenschutz und Sicherheit. Wer über sein Rechenzentrum eine Geschäftssoftware betreibt, muss die gesetzlichen Auflagen der Mieter in den unterschiedlichen Ländern berücksichtigen. Den Gesprächen mit diversen SaaS-Anbietern entnimmt Saugatuck, dass die Debatte um den Schutz personenbezogener Daten und gesetzliche Auflagen eher emotional als auf Fakten begründet geführt wird. Unbestritten ist aber, dass diese Themen der Branche Kopfschmerzen bereiten: "Die Datenschutz-Problematik ist mit Abstand das größte Hindernis für das Wachstum des Hosting- und SaaS-Markts", erklärt etwa Nick Sharma, Senior Vice President Managed Services beim indischen IT-Dienstleister Satyam.

Torsten Moeller, Deutscher Ring: Wenn die Zahl der Module für spezifische Komponenten steigt und die Kosten stimmen, wird sich SaaS durchsetzen.
Torsten Moeller, Deutscher Ring: Wenn die Zahl der Module für spezifische Komponenten steigt und die Kosten stimmen, wird sich SaaS durchsetzen.

Das Marktwachstum wird sich dadurch jedoch nicht aufhalten lassen, glaubt Saugatuck-Analyst McNee: "Solche Bedenken hat es immer gegeben und wird es immer geben. Und deutsche Anwender sind traditionell besonders vorsichtig. Aber auch sie werden erkennen, dass sie ihre IT-Sicherheit durch SaaS sogar erhöhen können, weil die Provider darauf spezialisiert sind", ist der Experte überzeugt. Auch Entwicklungschef Moeller vom Deutschen Ring sieht hier keine Probleme: "Bei der Auswahl externer Services prüfen wir detailliert, ob der Provider unsere Datenschutz- und Security-Anforderungen einhält. Hinzu kommen so genannte Stresstests, in denen wir die Systeme im Rahmen der konstruktiven Qualitätssicherung überprüfen", beschreibt der Manager.

"In Zeiten von SOA und BPM basiert die Entwicklung auf wiederverwendbaren Einzelbausteinen. Und wenn diese von einem Provider angeboten werden, spielt es technisch keine Rolle, wo sie infrastrukturell laufen." Die entscheidenden Kriterien seien heute Funktionalität, Performance, IT-Sicherheit sowie die Kommunikation zwischen den Systemen. Prognosen von Pierre Audoin Consultants (PAC), wonach der SaaS-Markt in Deutschland in den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 20 Prozent zulegen wird, hält Moeller daher für durchaus vorstellbar: "Wenn die Zahl der Module für spezifische Komponenten steigt und die Kosten sowie die notwendigen Rahmenbedingungen stimmen, wird sich SaaS durchsetzen."

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