Forderung nach drastischen Einfuhrzöllen

Russische Computerindustrie ist in ihrer Existenz bedroht

29.03.1991

MOSKAU (vwd) - Die Abschaffung des staatlichen Außenhandelsmonopols und die Lockerung einschlägiger Embargobestimmungen hat nach den Aussagen von Alexander Rykow, Generaldirektor der sowjetischen Produktionsvereinigung Sschotmasch, zu einer existenzbedrohenden Krise der inländischen IT-Industrie geführt, die bereits Elemente des Zerfalls in sich trage.

Das Volumen importierter Technik habe stark zugenommen, sagte Rykow vor Journalisten in Moskau. Schon in nächster Zeit werde der Markt für eine "harte Selektion" unter den Betrieben der sowjetischen Computer- und Elektronikindustrie sorgen. Dabei sei der Handlungsspielraum der eigenen Computerindustrie, die früher von ausländischen Wettbewerbern weitgehend abgeschirmt war, zumindest unter 5 den gegenwärtigen Bedingungen sehr beschränkt. Nach Angaben von Rykow ist vor allem die veraltete Bauelemente Technologie der staatlichen Zulieferer die Ursache für die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der inländischen Computerhersteller.

Den einzigen Ausweg aus der Misere sieht der Sschotmasch-Direktor deshalb in höheren Zöllen und Einfuhrabgaben auf importierte Technik. Der Zollschutz ist seiner Meinung nach nicht ausreichend weil die Importartikel auf dem Binnenmarkt zur Zeit Preise erzielen die um das 20- bis 30fache höher lägen als die vergleichbarer Inlandserzeugnisse.

Es mache daher Sinn, so Rykow, "den Zolltarif für solche Systeme anzuheben, die wir selbst bauen können, und für hochklassige Technik zu senken", bei der es keine inländischen Konkurrenzprodukte gebe.