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Rückzug des Investors Baystar bringt SCO in die Bredouille

02.06.2004

Das Venture-Capital-Unternehmen Baystar Capital gibt seine Großinvestition in SCO auf. Es verkauft alle 40.000 Vorzugsaktien (mit einem Gesamtnominalwert von 40 Millionen Dollar) an die Unix-Firma und erhält dafür 13 Millionen Dollar in bar sowie 2.105.263 gewöhnliche SCO-Aktien. Diese kann Baystar frei am Markt verkaufen. Dabei ist im Vertrag mit SCO festgelegt, dass Baystar täglich höchsten zehn Prozent des durchschnittlichen Handelsvolumens der jeweils letzten fünf Handelstage an der Nasdaq losschlagen darf.

Für Baystar dürfte die Beteiligung an SCO mit einem erheblichen Verlust enden. Die Finanziers hatten im Oktober letzten Jahres 20 Millionen Dollar an SCO gezahlt und dafür 20.000 Vorzugsaktien erhalten. Gleichzeitig erhielt die Royal Bank of Canada (RBC) für 30 Millionen Dollar weitere 30.000 Vorzugsaktien. Anfang April 2004 trat die RBC ihre gesamten Anteile zu einem unbekannten Preis an Baystar ab, wobei 10.000 Vorzugsaktien in 740.741 gewöhnliche Anteilscheine umgewandelt wurden. Deren Nennkurs von jeweils 13,50 Dollar lag damals schon weit über dem Handelswert.

Baystar hält nunmehr 2.846.004 gewöhnliche SCO-Aktien. Die haben nach dem gestrigen Nasdaq-Schlusskurs von 4,81 Dollar je Anteil einen Wert von rund 13,7 Millionen Dollar. Bei ihrem Verkauf würde Baystar (einschließlich der 13 Millionen Dollar Barzahlung von SCO) für seine Investitionen in die Unix-Company und die Übernahme der RBC-Anteile etwa 26,7 Millionen Dollar zurückerhalten. Das aber setzt den unwahrscheinlichen Fall voraus, dass die SCO-Aktie ihren Kurssturz nicht weiter fortsetzt. Doch bei einem massiven Verkauf von Anteilen durch Baystar ist die Fortsetzung des negativen Trends zu erwarten.

Für SCO bringt der Deal entschieden mehr Handlungsfreiheit. Denn die Vorzugsaktien waren mit erheblichen Mitspracherechten verbunden. Unter anderem hatte Baystar zuletzt verlangt, das Top-Management personell neu zu besetzen und die Unix-Entwicklung ganz zugunsten der Verfolgung von Urheberrechtsansprüchen aufzugeben.

SCO-Sprecher Blake Stowell erklärte: "SCO hat noch 37 Millionen Dollar für die Verteidigung seines intellektuellen Eigentums zur Verfügung." Das bedeutet, dass die Kapitalreserven seines Unternehmens vor dem Deal 50 Millionen Dollar betrugen. Nach dem Einstieg von Baystar und RBC vor acht Monaten hatte SCO 61 Millionen Dollar zur Verfügung. Wenn die vor allem durch hohe Kosten der Gerichtsverfahren gegen Linux-Anbieter und Anwender verursachte Kapitalvernichtung im gegenwärtigen Ausmaß weitergeht, wäre SCOs Kriegskasse in gut zwei Jahren erschöpft - zu wenig, angesichts der absehbaren Dauer der Prozesse. Jetzt könnte sich rächen, dass SCO bisher versucht hat, die Verfahren gegen IBM, Novell und Red Hat zu verzögern. (ls)