Analyse von EY

Rückschlag für Frauen in Firmenvorständen

17.07.2014
Der Marsch der Frauen an die Spitze deutscher Großunternehmen stockt. Das zeigen zumindest die jüngsten Zahlen zu den Vorstandsmitgliedern. Eine Expertin glaubt aber nicht an eine Rolle rückwärts.

In den Führungsetagen der größten deutschen börsennotierten Unternehmen sitzen wieder weniger Frauen. Der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder ist innerhalb eines Jahres leicht auf knapp sechs Prozent gesunken, wie die Beratungsfirma Ernst & Young in einer am Donnerstag vorgestellten Analyse feststellte.

EY, neue Corporate Identity (im Londoner Büro)
EY, neue Corporate Identity (im Londoner Büro)
Foto: EY

In den Aufsichtsräten waren Frauen deutlich stärker vertreten: Ihr Anteil lag nach einer Studie der Wirtschaftsdatenbank Bürgel insgesamt bei 17,1 Prozent. Bei den Dax-30-Unternehmen sind derzeit immerhin 24,7 Prozent der Kontrolleure Frauen.

In den 160 Firmen, die die Indizes Dax, MDax, SDax und TecDax bilden, waren Ende Juni 38 von 651 Vorstandsmitgliedern weiblich. Vor einem Jahr waren es noch 42 von insgesamt 668. Damit sank der Anteil leicht von 6,3 auf 5,8 Prozent.

Unter den weiblichen Vorstandsmitgliedern waren laut Ernst & Young 29 Prozent für Finanzen zuständig, drei Prozentpunkte mehr als im Juni 2013. Eine operative Funktion hätten 29 Prozent (Vorjahr: 21 Prozent) wahrgenommen. Den Bereich Personal leiteten nur noch 18 Prozent (Vorjahr: 24 Prozent) der Frauen in den 160 Vorständen.

Auffällig zudem: In der Telekommunikationsbranche (19 Prozent) sowie im Sektor Transport und Logistik (17 Prozent) gab es viel mehr Vorstandsfrauen als in der Industrie (drei Prozent), der Rohstoffbranche oder der Informationstechnologie (jeweils zwei Prozent).

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem nur vorübergehenden Tief für die Frauen aus. Sie sei zuversichtlich, dass es sich "nicht um einen generellen Rückwärtstrend handelt", sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. In zwei Dax-Unternehmen dürften demnächst wieder zwei Vorstandsposten an Frauen vergeben werden, fügte sie hinzu.

Die von der Bundesregierung geplante Geschlechterquote mit einem Frauenanteil in Aufsichtsräten von mindestens 30 Prozent hätten bereits zehn der 30 Dax-Unternehmen erreicht: Commerzbank, Adidas, Allianz, Deutsche Bank, Deutsche Post, Telekom, Lufthansa, Merck, Münchner Rück und Henkel. (dpa/tc)