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Roundup: Karstadt-Quelle verkauft Itellium an EDS

08.05.2007
EDS übernimmt die Anwendungsentwicklung und -betreuung samt rund 700 Mitarbeitern und hofft auf Einnahmen von einer Milliarde Dollar Euro in acht Jahren.

Der Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle hat seine IT nun komplett ausgelagert. Bereits vor knapp zwei Jahren hatte das Unternehmen den Rechenzentrums- und Netzbetrieb sowie die Betreuung der Endgeräte an den französischen IT-Dienstleister Atos Origin übergeben. Damals wechselten rund 900 Mitarbeiter im Zuge eines Betriebsübergangs den Arbeitgeber. Nun veräußert Karstadt-Quelle 74,9 Prozent der Anteile an der IT-Tochter Itellium Systems & Services GmbH an den US-amerikanischen IT-Dienstleister EDS.

Joachim Brands und Hagen Rickmann sind gemeinsam die Geschäftsführer der EDS-Itellium GmbH.
Joachim Brands und Hagen Rickmann sind gemeinsam die Geschäftsführer der EDS-Itellium GmbH.
Foto: Itellium

Damit wechseln weitere 700 Mitarbeiter in die neu gegründete EDS-Itellium GmbH, an der Karstadt-Quelle mit 25,1 Prozent beteiligt sein wird. Das Unternehmen möchte so auch künftig Einfluss auf die Ausgestaltung des IT-Betriebs nehmen. Arbeitsrechtlich ist das Abkommen in diesem Fall kein Betriebsübergang: "Die Mitarbeiter sind und bleiben bei Itellium beschäftigt. EDS beteiligt sich an dem Unternehmen, insofern gibt es keinen Betriebsübergang", klärt Joachim Brands auf, bislang IT-Leiter für den stationären Handel bei Karstadt-Quelle und künftig Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens.

Itellium hat zuletzt rund 140 Millionen Euro jährlich mit der Anwendungsentwicklung und –betreuung eingenommen. Den Großteil des Umsatzes erzielte der IT-Dienstleister mit dem Mutterkonzern und mit Schwestergesellschaften, weniger als zehn Prozent entfielen auf das Geschäft mit externen Kunden. Zuletzt hatte Itellium seine Leistungen nicht mehr aktiv im Drittmarkt vertrieben und so auch Kunden verloren. So holte beispielsweise die auf den Laufsport spezialisierte Kaufhauskette Runners Point ihre IT von Itellium wieder zurück ins eigene Haus. So etwas soll es in Zukunft möglichst nicht mehr geben. "Das Drittmarktgeschäft ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Geschäftsstrategie", schildert Brands.

Innerhalb des neuen Gemeinschaftsunternehmens bündeln die Partner ihre Handelskompetenz im Competence Center of Retail Expertise (Core). Diese Einrichtung wird in Nürnberg und Essen, den beiden wesentlichen Standorten des Karstadt-Quelle-Konzerns, betrieben. Sie soll die Basis für weitere Geschäfte mit Kunden aus der Handelsbranche bilden. "Core ist ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland im Bereich der hoch qualifizierten Services, zum Wachstum von EDS in Deutschland und zu einer gemeinsamen Zukunft mit dem Karstadt-Quelle-Konzern", wirbt Hagen Rickmann, Vice President bei EDS und künftig zweiter Geschäftsführer von EDS-Itellium, für das neue Unternehmen.

Das aktuelle Abkommen mit EDS wurde für die Dauer von acht Jahren vereinbart. EDS schätzt das Vertragsvolumen auf rund eine Milliarde Dollar. Für den US-amerikanischen IT-Dienstleister ist dies der größte bislang in Deutschland gewonnene Outsourcing-Deal. Karstadt-Quelle löst hierzulande General Motors als größten EDS-Kunden ab.

Aufgabe von EDS-Itellium wird es sein, die IT-Anwendungslandschaft zu betreiben, modernisieren und optimieren. Das gilt sowohl für den stationären Handel (Karstadt Warenhaus GmbH) als auch für den Versandhandel (Primondo Group, Dachgesellschaft für Quelle und weitere Spezialversandhändler). Im letzteren Unternehmensbereich verfolgt der Konzern ehrgeizige Ziele im Online-Handel. Für den Aufbau, Ausbau und den Betrieb einer entsprechenden IT-Infrastruktur zeichnet künftig EDS-Itellium verantwortlich.

Pikant ist eine weitere Aufgabenverteilung: EDS-Itellium verantwortet wie bisher das Management der rund 15 000 Endgeräte wie Desktops, PDAs, Laptops und Drucker. Der Betrieb dieser dezentralen IT war jedoch im Zuge des Infrastruktur-Abkommens aus dem Jahr 2004 an den EDS-Konkurrenten Atos Origin ausgelagert worden. "Wir werden den Dienstleister Atos Origin als Subkontraktor in die Pflicht nehmen. Ansprechpartner bleibt die EDS-Itellium GmbH", erklärt Brands das künftige Geschäftsverhältnis. Ende vergangenen Jahres hatten interne Quellen berichtet, der Handelskonzern sei mit der Leistung des Outsourcing-Partners unzufrieden und prüfe einen Ausstieg aus dem Abkommen. Karstadt-Quelle habe dem IT-Dienstleister vor allem mangelnde Innovationsbereitschaft angelastet. In einer aktuellen Mitteilung schreibt das Unternehmen, das Abkommen mit Atos Origin bleibe zunächst weiter bestehen.

Karstadt-Quelle strebt durch das mit EDS vereinbarte Abkommen Einsparungen von 650 Millionen Euro über die gesamte Laufzeit an, was einer Kostensenkung um 30 Prozent gleichkäme. Um dieses Ziel zu erreichen, werden künftig auch Offshore-Kapazitäten in den Servicebetrieb eingebunden. Eine wichtige Rolle dürfte in diesem Zusammenhang vermutlich die Übernahme des Offshore-Spezialisten Mphasis spielen, die EDS Mitte vergangenen Jahres betrieben hat.

Rund 120 IT-Mitarbeiter bleiben bei Karstadt-Quelle, und zwar jeweils 40 im Geschäftsbereich stationärer Handel, Versandhandel sowie in der zentralen Governance-Abteilung. Sie werden unter Leitung von CIO Steven-James Stockdale unter anderem das Partner-Management verantworten. Auch das "Forward"-Projekt bleibt in der Verantwortung des Konzerns. Dieses Vorhaben sieht vor, auf Basis der SAP-Branchenlösung "Retail" die Prozesse im stationären Handel zu überarbeiten. Die IT-Umsetzung sowie den IT-Betrieb des Forward-Programms übernimmt jedoch EDS-Itellium.

Die Veräußerung von Itellium war im Herbst vergangenen Jahres offenbar noch nicht geplant. Damals hatte der IT-Dienstleister in einer Pressemitteilung seine eigene gute Positionierung sowie die Leistungsfähigkeit im Systemintegrations- und Beratungsgeschäft betont. Wesentliche Restrukturierungaufgaben waren auf den Weg gebracht oder bereits abgeschlossen worden. Mit dem vom Konzern geplanten Ausbau des Online-Geschäfts und des Multichannel-Vertriebs (etwa Internet und TV) sowie der Zusammenführung der Internet-Plattformen von karstadt.de und quelle.de waren große Herausforderungen zu bewältigen.

Doch dann entschloss sich Karstadt-Quelle im Dezember 2006 zum Kauf des Tourismuskonzerns Thomas Cook. "Mit dieser Übernahme haben sich unsere Pläne geändert", erläutert Stockdale. "Wir benötigen einen starken strategischen und internationalen Partner mit Erfahrungen in der Reisebranche, um Synergien zu schöpfen", so der CIO. Innerhalb der kommenden zwölf Monate werde daher der IT-Betrieb von Thomas Cook in die EDS-Itellium GmbH eingebracht. (jha)