Admins Traum - ein Netz auf dem Greenfield

Rocken im Gigabit/s-Takt beim Roskilde Festival

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Viele IT-Verantwortlichen können davon nur träumen - ein Netz ohne Altlasten auf dem Greenfield komplett neu aufzubauen. Für die Organisatoren des dänischen Roskilde Festivals, eines der größten europäischen Musikfestivals, gehört dies dagegen zur jährlichen Routine, wenn sie ein Gigabit/s-Netz für über 100.000 Leute aufbauen.
Greenfield-Installation. Für eine Woche baut das IT-Team des Rosklide Festivals ein Netz für über 100.000 User auf der grünen Wiese.
Greenfield-Installation. Für eine Woche baut das IT-Team des Rosklide Festivals ein Netz für über 100.000 User auf der grünen Wiese.
Foto: SH-Luftfoto - Roskilde Festival

Ein Netz auf der grünen Wiese bauen? Für das rund 200köpfige IT-Team des Roskilde Festivals ist dieser Traum vieler Admins im doppelten Sinne des Wortes Realität: Jedes Jahr bauen sie auf den Grünflächen des Festivalgeländes für eine Woche eine neue Netzinfrastruktur auf, um rund 130.000 Besucher, Helfer, Organisatoren und Journalisten mit Internet und WLAN zu versorgen. Alleine über die rund 200 drahtlosen Hotspots, die über das drei Quadratkilometer große Festivalgelände verteilt sind, sollen 20.000 Besucher gleichzeitig online gehen können. Damit hatten sich die Anforderungen an das Netz binnen weniger Jahre verzehnfacht und Mietleitungen sowie DSL reichten nicht mehr aus, kostet aber viel Geld. Zu viel, fanden die Veranstalter, die das Festival in der Nähe von Kopenhagen seit 1971 veranstalten und Künstler wie Bob Marley, The Cure, David Bowie, Coldplay oder in diesem Jahr Kraftwerk gewinnen konnten. Schließlich werden die Erlöse des Festivals für wohltätige Zwecke gespendet.

Strukturierte Verkabelung mit VLAN und MPLS - so sicher in keinem Lehrbuch zu finden.
Strukturierte Verkabelung mit VLAN und MPLS - so sicher in keinem Lehrbuch zu finden.
Foto: Juniper Networks

Hinter diesen Zahlen steht eine Infrastruktur, auf die manches Unternehmen neidisch sein könnte. Um den steigenden Bandbreitanforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig flexibel zu bleiben, entschied sich das IT-Team dazu, einen rund zehn Kilometer langen Glasfaser-Backbone auf dem Gelände zu verlegen. Permanent installiert, bildet dieser das Rückgrat des Netzes, das sich jedes Jahr neuen Anforderungen stellen muss. So wartete etwa in diesem Jahr der MakerSpace mit Hacking Events und 3D-Druckern mit neuen Bandbreitenforderungen auf. Ebenso fordert die steigende Zahl an Smartphones, für die es auch eigene Rosklide-Apps gibt, ihren Tribut in Sachen Bandbreite und WLAN. Um flexibel auf die sich ändernden Anforderungen reagieren zu können und dennoch die Sicherheit unterschiedlicher Anwendungen wie Registrierkassen oder Payment Terminals gewährleisten zu können, haben sich die Verantwortlichen für ein MPLS-Netz (Multi Protocol Label Switching) entschieden.


Fliegende Verkabelung von Switches und Co.
Fliegende Verkabelung von Switches und Co.
Foto: Juniper Networks

Für die IT-Verantwortlichen war MPLS ein Pflichtpunkt im Lastenheft, denn das Netz sollte rund 130 Kassen, 400 bis 500 Payment Terminals sicher verbinden, die Videoüberwachung ermöglichen sowie ein GPS-Tracking des Sicherheitspersonals erlauben. Zudem sollten über das Netz auch noch der interne Verkehr der Veranstalter wie etwa E-.Mail oder Auftragsabwicklung sicher und schnell transportiert werden. Und last but not least sollte über diese Infrastruktur der Content der verschiedenen Konzertbühnen zum Content Provider der Veranstalter gestreamt werden sowie 20.000 Surfern ein ungestörter Internet-Zugang in den Hotspots eröffnet werden. Der Content Partner wiederum veröffentlicht das gesamte Festival gegen eine Gebühr für den Zuschauer öffentlich.

Es muss nicht schön sein, sondern funktionieren - so lautet der Leitspruch des IT-Teams.
Es muss nicht schön sein, sondern funktionieren - so lautet der Leitspruch des IT-Teams.
Foto: Juniper Networks

In Sachen Netzhardware entschied man sich in Rosklide letztlich für Equipment von Juniper Networks, da es in den Augen der IT-Verantwortlichen das beste Preis-Leistungsverhältnis bot. Hinzu kam, dass die Ethernet Switches der EX-Reihe das virtuelle Routen unterstützen. Der zentrale Switch wurde um einen Universal Edge Router ergänzt, der auf Layer-2-Ebene virtuelle private LANs auf dem Festivalgelände zur Verfügung stellt. Service Gateways trennen die Infrastruktur des Festivals vom Internet beziehungsweise gewähren den Access Points via Firewall den Anschluss an das globale Netz.


Bei der Installation selbst galt dann häufig das Motto, schön muss es nicht sein, aber funktionieren. Auf diese Weise mutet der strukturierte Netzaufband dann doch teilweise skurril an.