Ranking Offshore-Länder

Robotics bedrohen Offshore-Standorte

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Roboter und Automatisierung verdrängen Offshoring-Anbieter. Dieses Szenario eröffnet A.T. Kearney im Global Services Location Index. Indien liegt auf Rang eins vor China und Malaysia. Deutschland platziert sich im Mittelfeld.
Die Top Ten aus A.T. Kearneys Global Services Location Index 2016. Spitzenreiter ist Indien.
Die Top Ten aus A.T. Kearneys Global Services Location Index 2016. Spitzenreiter ist Indien.
Foto: A.T. Kearney

Die Konkurrenz zwischen Indien und China ist nicht mehr das Thema in puncto Offshoring. Denn der neue Trend heißt No-Shoring: Wer auf Robotik und Automatisierung setzt, braucht überhaupt nicht auszulagern. Das behauptet zumindest A.T. Kearney in dem Report "On the eve of disruption", wohl kaum zufällig an den 1965er-Protestsong "Eve of distruction" angelehnt.

Die Analysten verwenden die Abkürzungen Robotic Process Automation (RPA) und Business Process as a Service (BPaaS). Ihre These: Binnen einer Dekade werden diese Alternativen den Offshoring-Markt massiv verändern.

A.T. Kearney schätzt das Kostensenkungspotenzial von Robotern im Back-Office auf 25 bis 50 Prozent. Als Akteure nennt der Berater sowohl Spezialisten wie Blue Prism, Automation Anywhere oder WorkFusion, als auch Dickschiffe wie IBM und Xerox. Nach den Worten der Analysten setzt Telefónica O2 mittlerweile über 160 Roboter für 15 Kernprozesse ein. Sie führen mehr als eine halbe Million Transaktionen pro Monat durch. Telefónica O2 beziffert den Return on Investment (ROI) binnen drei Jahren auf rund 650 Prozent.

Ranking der Offshore-Standorte

Noch aber zeigt sich das bekannte Bild der Offshore-Standorte im Herzstück des Reports, dem Global Services Location Index 2016. A.T. Kearney hat insgesamt 55 Länder gerankt. Dem liegen drei Kriterien zugrunde: die wirtschaftliche Attraktivität des Standortes, die Verfügbarkeit qualifizierter Leute und das Geschäftsumfeld.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Demnach setzen sich Indien und China relativ deutlich vom Feld ab, sie erhalten einen Gesamtwert von 6,96 (Indien) und 6,49 Zählern. Dabei trauen die Analysten China mehr gut qualifiziertes Personal zu. Die Top Five werden ergänzt durch Malaysia (6,05), Brasilien (6,00) und Indonesien (5,99).

Deutschland hat Punkte verloren

Deutschland erreicht einen Platz im Mittelfeld. Die Bundesrepublik teilt sich Rang 20 mit der Türkei und Bangladesch. Allen drei Ländern schreibt A.T. Kearney einen Wert von 5,31 zu. Dabei hält sich die Vergleichbarkeit in Grenzen. So kommt Bangladesch bei der finanziellen Attraktivität auf 3,34 Zähler – Deutschland auf 0,84. Bangladeschs Business-Umfeld bewertet A.T. Kearney mit 0,87, das deutsche mit 2,32. Insgesamt hat Deutschland Punkte verloren, während die beiden Mitplatzierten hinzugewinnen konnten.

Zum Vergleich: das bestplatzierte europäische Land, Polen, erreicht mit 5,66 Zählern Rang zehn. Großbritannien kommt auf 5,28 Zähler und Frankreich auf 4,96 Indexpunkte. Die USA liegen bei 5,51 und Russland bei 5,38 Punkten.

Soft Skills, die Roboter nicht ersetzen können

Ländern wie Indien und den Philippinen, Sri Lanka, Costa Rica und Südafrika traut A.T. Kearney zu, das Potenzial von Robotics und Automatisierung nutzbar zu machen. Diese Standorte verfügten sowohl über Expertise in Business Process Outsourcing (BPO) als auch über Soft Skills, die Roboter nicht ersetzen können.

Außerdem nennen die Analysten einzelne Städte, die mit ihren Innovation Hubs finanzstarke Unternehmen anlocken. Es sind die geografisch verstreuten Metropolen San Francisco, Berlin, Tel Aviv und Seoul.