Künstliche Intelligenz

Robocop und Robodoc

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
2011. Anfrage beim Deutschen Institut für Künstliche Intelligenz: ""Wann sagen Roboter Menschen, was sie zu tun haben?" Antwort: ""Das dauert noch ewig! Mindestens zehn Jahre." Das könnte zu optimistisch sein. Oder zu pessimistisch.
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Anlass für die Anfrage eines Journalisten war der spektakuläre Auftritt des IBM-Rechners "Watson" in der amerikanischen Quiz-Show "Jeopardy" zwischen dem 14. und 16. Februar 2011. Watson konkurrierte mit den erfolgreichsten jemals bei Jeopardy angetretenen Kandidaten Ken Jennings und Brad Rutter. Jeopardy stellt im Vergleich zu deutschen Quizshows sowohl in puncto Wissen als auch bezüglich der Kombinationsfähigkeiten wesentlich höhere Anforderungen an die Kandidaten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Spieler nicht auf Fragen antworten, sondern umgekehrt auf Antworten die korrekten Fragen finden müssen. Hierzu bedarf es neben eines weit überdurchschnittlichen Wissens vor allem auch hoher kognitiver Fähigkeiten. Denn Jeopardy nutzt auch rhetorische Figuren wie Ironie. All dies muss ein Mensch oder ein Computer in Sekundenschnelle erkennen und richtig interpretieren.

Watson ist also ein klassisches Beispiel dafür, in welche Richtung Big-Data-Anwendungen künftig gehen. Da werden Massendaten nicht nur blitzschnell durchforstet. Vielmehr lassen sich neue Zusammenhänge und Trends erkennen.

Vorübergehendes Irresein

Bei Watson handelt es sich um ein System, das vor allem wegen seiner semantischen Suchmaschine glänzt. Seine hunderte gleichzeitig arbeitenden Algorithmen und Annotatoren für natürliche Sprachverarbeitung, Informationssuche, für künstliches Lernen und für automatische Inferenz machen Watson zu einem Wissenssystem, das in unterschiedlichsten Bereichen menschlichen Forschens und Arbeitens eingesetzt werden kann.

Insbesondere seine Befähigung, auf der Auswertung unterschiedlichster Massendaten basierende Wahrscheinlichkeitsaussagen zu treffen, sind in Bereichen wie dem Gesundheitswesen heute schon im Einsatz - etwa in der Krebsforschung oder für Schlussfolgerungen zur Wahrscheinlichkeit von Krankheiten bei bestimmten Symptomen.

Auch in der Kriminalistik und Strafverfolgung ließen sich Watsons Fähigkeiten erfolgreich einsetzen. Immerhin fand der Kombinationskünstler bei Jeopardy die richtige Frage zu einer humorvoll gemeinten Definition von Ambrose Bierce: "Vorübergehendes Irresein, das durch eine Ehe geheilt werden kann." Hätten Sie`s gewusst?