Trey Layton, CTO von VCE

"Rivalitäten zwischen Cisco und VMware tangieren uns nicht"

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Integrierte Server, Speicher, Netzkomponenten sowie Management- und Virtualisierungssoftware sollen die Komplexität in IT-Infrastrukturen reduzieren. Trey Layton, Chief Technology Officer (CTO) von VCE, skizziert im CW-Gespräch Einsatzszenarien einer Converged Infrastructure.

CW: Warum sollten Unternehmen in eine Converged Infrastructure investieren, wenn sie eine funktionierende IT-Infrastruktur haben?

Trey Layton, Chief Technology Officer von VCE: "Wir verstehen uns nicht als Anbieter, der seine Kunden mit besonders preisgünstigen Lösungen ködert."
Trey Layton, Chief Technology Officer von VCE: "Wir verstehen uns nicht als Anbieter, der seine Kunden mit besonders preisgünstigen Lösungen ködert."
Foto: VCE

Layton: Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten: Es ist einfacher, kostengünstiger und zeitsparender, wenn ein Unternehmen auf Server, Netz-, Storage- und Virtualisierungskomponenten zurückgreift, die aus einer Hand stammen und auf einander abgestimmt sind. Laut einer Studie, die IDC in unserem Auftrag durchführte, sparen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bis zu 56 Prozent der Zeit, um neue IT-Dienste aufzusetzen, wenn sie eine Converged Infrastructure einsetzen. Die Ausfallzeiten liegen um 96 Prozent niedriger. Diese Faktoren schlagen sich in niedrigeren Betriebskosten nieder.

CW: Die Investitionen sind zunächst einmal erheblich. Einer Erhebung von Technology Business Research zufolge geben Unternehmen im Schnitt 900.000 Dollar für ein CI-System aus. Insbesondere VCE hatte bislang den Ruf, mit seinen Produkten vor allem Großunternehmen mit größeren Rechenzentren anzusprechen. Doch was ist mit dem Mittelstand, der vor allem in Europa stark vertreten ist?

Layton: Wir haben erkannt, dass auch kleinere und mittelständische Unternehmen einen Bedarf an Converged-Infrastructure-Systemen haben. Deshalb hat VCE mit dem Vblock 100 und 200 Systeme für Firmen aus dem Mittelstand vorgestellt. Vblock 200 ist für Rechenzentren von Unternehmen ab etwa 1.000 Mitarbeitern konzipiert, also den gehobenen Mittelstand. Das Vblock-100-System für 50 bis 100 Virtual Machines und Unternehmen ab etwa 250 bis 500 Mitarbeitern. VCE hat somit sehr wohl die Bedeutung dieses Marksegments erkannt.

VCE in Kürze

VCE steht für Virtual Computing Environment. Das Unternehmen wurde im November 2009 als Gemeinschaftsfirma von Cisco Systems, EMC und VMware gegründet. Seit Januar 2011 agiert VCE, das seinen Hauptsitz in Richardson (Texas) hat, als eigenständiger Anbieter von Converged-Infrastructure-Produkten. Nach eigenen Angaben erzielte VCE im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar. Weltweit sind 1200 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig.

Das Produktportfolio besteht aus drei Hauptlinien:

• den Converged-Infrastructure-Systemen der Reihe "Vblock",

• der Software "VCE Vision Intelligent Operations" sowie

• "VCE Specialized Systems", also Vblocks, die für spezielle Einsatzbereiche wie SAP HANA konzipiert wurden.

Bislang konzentrierte sich VCE auf Vblocks, die sich eher für den Einsatz in größeren Unternehmen und Organisationen eigneten. Dazu zählen Speziallösungen für Hochleistungs-Datenbanken und IT-Umgebungen, in denen virtualisierte Desktops (Virtual Desktop Infrastructure) verwendet werden.

Derzeit erweitert VCE die Vblock-Linie um Systeme, die auch für mittelständische Unternehmen in Betracht kommen. Dies gilt vor allem für das Vblock System 100. Dieses "Westentaschen-Rechenzentrum" wird in einem Rack mit 42 Höheneinheiten ausgeliefert. Es besteht aus einem UCS-C200-Server von Cisco und einem Switch der Reihe Catalyst 3750-X, ebenfalls von Cisco. Als Storage-Systeme stehen ein VNX43300 oder VNXe3150 von EMC zur Auswahl. Für die Virtualisierung und die Verwaltung der virtualisierten Umgebung sind Produkte von VMware zuständig, etwa vSphere Standard Edition, vCenter Server und vSphere Server Enterprise Plus.

CI-Systeme schaffen die Basis für einen internen IT-Betrieb

CW: Gerade mittelständische Unternehmen haben oft keine sonderlich üppigen IT-Budgets. Wird VCE für diese Zielgruppe besonders preisgünstige CI-Systeme anbieten?

Layton: Wir verstehen uns nicht als Anbieter, der seine Kunden mit besonders preisgünstigen Lösungen ködert. Für uns stehen die Qualität der Produkte und der Nutzen im Vordergrund, den sie dem Anwender bieten. Daher rechnet sich eine höhere Anfangsinvestition für den Nutzer, etwa durch eine höhere Zeitersparnis und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als bei Konkurrenzprodukten.

CW: Welche Besonderheit weist aus Sicht von VCE der deutsche Markt auf?

Layton: In Deutschland beobachten wir eine starke Nachfrage nach Managed IT-Services. Gerade Mittelständler wollen oder können komplexe IT-Infrastrukturen mit einem hohen Virtualisierungsgrad nicht mehr alleine aufbauen und betreiben. Andererseits besteht bei einigen Firmen sehr wohl der Wunsch, die Kontrolle über die hauseigene IT und ihre Daten zu behalten. Solchen Anwendern bieten CI-Produkte die Option, bei vertretbarem Aufwand und zu akzeptablen Kosten im eigenen Rechenzentrum eine leistungsfähige IT-Infrastruktur zu implementieren. Das kann beispielsweise eine Private Cloud auf Basis unserer Vblocks sein.

CW: Heißt das, dass VCE will seinen Produkten Anwendern dem Weg bereiten, auf Managed Services zu verzichten um IT-Dienste im eigenen Rechenzentrum zu betreiben?

Layton: Nicht unbedingt. Es gibt viele Unternehmen und Organisationen, die IT-Dienste über Managed-Services-Provider beziehen. Auch solche MSPs können ebenso wie Cloud-Service-Provider von einer Converged Infrastructure profitieren, etwa dann, wenn sie ihre Infrastruktur kurzfristig erweitern müssen, um neue Kunden zu bedienen.

VCE zwischen den Gründervätern Cisco, EMC und VMware

CW: Komplettsysteme bergen immer das Risiko eines Vendor-Lock-in. Was sagen sie den Kunden, die solche Bedenken haben?

Layton: Wir können das nicht nachvollziehen. Es stimmt, dass die Vblocks auf Produkten und Technologien der drei Gründerfirmen Cisco, EMC und VMware beruhen. Das heißt aber nicht, dass sie monolithische Blöcke sind.

CW: Was heißt das konkret?

Layton: Dass ein Nutzer beispielsweise ein Vblock-System nach seinen Anforderungen um Hard- oder Software anderer Anbieter erweitern kann. Unsere Systeme sind beispielsweise nicht auf nur auf einen Hypervisor fixiert, etwa den von VMware. Gleiches gilt für Switches und Speichersysteme. Vblocks sind eine offene Lösung, und das soll auch so bleiben.

CW: Leidet unter dieser Offenheit nicht VCEs Beziehung zu Cisco, EMC und VMware?

Layton: Nein, im Gegenteil: Mit diesen Unternehmen haben wir drei weltweit führende Anbieter von IT- und Netzkomponenten an Bord. Führend bezieht sich nicht nur auf die Marktrelevanz, sondern auch auf die Technologien. Und um eine Frage gleich vorwegzunehmen: Die vermeintlichen Rivalitäten zwischen einigen der drei Gründerväter von VCE, etwa Cisco und VMware, tangieren uns nicht. VCE unterhält zu allen drei Firmen eine gesunde Beziehung. Zudem agiert VCE als eigenständiger Anbieter auf dem Markt und muss sich dort behaupten.

CI-Lösungen werden schneller und zentraler

CW: Welche Auswirkungen haben neue Technologien wie Software-Defined Networking auf den Markt für Converged-Infrastructure-Produkte? Wird SDN solche Systeme überflüssig machen?

Layton: Nein, im Gegenteil. Wir sind der Überzeugung, dass SDN einen Paradigmenwechsel darstellt, und das nicht nur im Netzwerkbereich. Denken Sie nur an Software-Defined Data Center oder Software-Defined Storage. Deshalb sind unsere Produkte für den Trend in Richtung 'Software-Defined Everything' ausgelegt. Ähnlich wie SDN verfolgen auch Converged-Infrastructure-Produkte das Ziel, Rechenzentrumstechnik weniger komplex zu machen und dadurch die Kosten zu senken.

CW: Welche Entwicklung im Bereich Converged Infrastructure können wir etwa in Bezug auf die Hardware erwarten?

Layton: Ein Trend betrifft die Auslegung solcher Systeme. VCE wird beispielsweise Vblocks auf den Markt bringen, die deutlich mehr Rechenleistung bieten und sich zu ganzen Arrays kombinieren lassen. Zu einem massiven Leistungsschub wird zudem der verstärke Einsatz von Flash-Speicher führen. Dadurch lassen sich deutlich höhere I/O-Raten erzielen. Diese sind beispielsweise bei Echtzeit-Datenbanken extrem wichtig.

CW: Welche Entwicklungen kommen in Bezug auf das Management von CI-Systemen auf uns zu?

Layton: Anwender wünschen sich eine Art 'Unified Management', mit dem sie alle IT-Ressourcen zentral verwalten können. Und exakt das wollen die IT-Abteilungen von Unternehmen heute: eine Steuerzentrale, mit der sie die gesamte IT im Griff haben. Und ein letzter Punkt, der künftig an Bedeutung gewinnt: Mittelfristig führt die Entwicklung hin zu IT- und Rechenzentrums-Architekturen, bei denen die Anwendungen im Mittelpunkt stehen, nicht die Infrastruktur.

Nachfrage nach Converged Infrastructure steigt

Nach Angaben der Markforschungsgesellschaft IDC wurden im Jahr 2012 weltweit Converged-Infrastructure-Produkte im Wert von 4,6 Milliarden Dollar verkauft. Bis 2016 soll der Umsatz auf 17,8 Milliarden Dollar steigen. CI-Komponenten werden somit IDC zufolge in zwei Jahren 12,8 Prozent der gesamten weltweiten Ausgaben für Storage- und Netzwerksysteme sowie Software ausmachen.

Im dritten Quartal 2013 wurden IDC zufolge im Bereich "Integrated Infrastructures and Platforms" weltweit CI-Produkte im Wert von 1,4 Milliarden Dollar abgesetzt. Mit einem Umsatzanteil von 16,8 Prozent und einem Umsatz von rund 233 Millionen Dollar war VCE der führende Anbieter, gefolgt von Cisco/NetApp (15,4 Prozent) und EMC. VCE verzeichnete dabei im dritten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 52,5 Prozent.

Im Gegensatz zu IDC hat die Marktforschungsgesellschaft Gartner Studien erstellt, die dediziert den Bereich "Integrated Infrastructure Systems" berücksichtigen. Demnach war VCE 2013 mit mehr als 50 Prozent Umsatzanteil in dieser Sparte Marktführer, gefolgt von HP mit an die 25 Prozent und Hitachi. Nur eine Nebenrolle spielen Anbieter wie IBM und Dell.