BlackBerrys setzen verstärkt auf Bing

RIM: Schützenhilfe von Steve Ballmer

Moritz Jäger ist freier Autor und Journalist in München. Ihn faszinieren besonders die Themen IT-Sicherheit, Mobile und die aufstrebende Maker-Kultur rund um 3D-Druck und selbst basteln. Wenn er nicht gerade für Computerwoche, TecChannel, Heise oder ZDNet.com schreibt, findet man ihn wahlweise versunken in den Tiefen des Internets, in einem der Biergärten seiner Heimatstadt München, mit einem guten (e-)Buch in der Hand oder auf Reisen durch die Weltgeschichte.
Überraschung auf der Keynote der BlackBerry World: Steve Ballmer kam auf die Bühne der BlackBerry-Konferenz. Sein Thema war die Kooperation von RIM und Microsoft, Nutzer sollen dies vor allem durch die Bing-Dienste bemerken.

Traditionell schaffen es nur gute Geschäftspartner in die Keynote eines Unternehmens, vor allem, wenn es eine Hausmesse ist. Dementsprechend groß war die Überraschung, als RIM Co-CEO Mike Lazaridis den Microsoft-Boss Steve Ballmer als Sprecher ankündigte, sind doch die beiden Unternehmen seit längerem Konkurrenten, wenn es um den Einsatz mobiler Systeme in Business-Umgebungen geht.

Gedanken gemacht: Steve Ballmer verkündet, dass Bing der primäre Suchanbieter für BlackBerrys wird.
Gedanken gemacht: Steve Ballmer verkündet, dass Bing der primäre Suchanbieter für BlackBerrys wird.
Foto: Moritz Jäger

Steve Ballmer hatte eine große Ankündigung mit im Gepäck: Künftig wird nicht mehr Google der bevorzugte Anbieter für Suchdienste auf BlackBerrys sein, sondern die Microsoft-Lösung Bing übernimmt diese Aufgabe. Nicht nur die reine Suchfunktion wird von Microsoft kommen, BlackBerry-Nutzer sollen außerdem direkten Zugriff auf diverse Bing-Dienste erhalten.

Im Herbst werden Nutzer diese Kooperation noch deutlicher sehen: In einer Demonstration zeigte ein Microsoft-Mitarbeiter, wie sich direkt in den Sperr-Bildschirm eines BlackBerry Torch integriert. So kann man beispielsweise direkt Informationen über die Umgebung abrufen oder auf die Bing-Suche zugreifen können, ohne dass man den BlackBerry erst entsperren muss. Die neuen Funktionen sollen zum Weihnachtsgeschäft für BlackBerry-Nutzer zur Verfügung stehen.

Die Ankündigung und der gemeinsame Auftritt schüren die Vermutungen, dass beide Konzerne Google und vor allem dessen mobiles Betriebssystem Android als gemeinsamen Gegner ausgemacht haben. Android hat es innerhalb eines Jahres zum beliebtesten Smartphone-Betriebssystem geschafft, währen RIM und Microsoft kontinuierlich Boden verlieren. Ob dieses neue Angebot aber ein Anreiz für Nutzer ist, zum BlackBerry zurückzukehren, ist fraglich. Zudem sind viele Bing-Dienste aktuell noch auf die Vereinigten Staaten zugeschnitten - RIM ist allerdings traditionell in Ländern wie Indien stark.

Langfristig hat Microsoft aber noch ein Ass im Ärmel: Dank der Kooperation von Nokia wird Bing künftig mit detailliertem Kartenmaterial ausgestattet werden - wovon auch BlackBerry-Nutzer wiederum profitieren könnten.