Reality-Check

RFID - was vom Hype übrigblieb

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Als die Metro Group 2003 ihren Future Store einrichtete, war die Radio Frequency Identification in aller Munde. Mittlerweile ist es still geworden um die Funktechnik. Aber im Verborgenen blüht sie richtig auf.
Die Metro war und ist in Deutschland der Pionier beim RFID-Einsatz. Doch nicht alle ihre Visionen haben sich bislang bewahrheitet.
Die Metro war und ist in Deutschland der Pionier beim RFID-Einsatz. Doch nicht alle ihre Visionen haben sich bislang bewahrheitet.

Neulich im Kaufhaus "El Corte Ingles" an der Placa de Catalunya in Barcelona: Unübersehbar prangt auf der Innensohle der Pura-Lopez-Pumps ein Etikett, das eine stilisierte Funkantenne darstellt. Darunter sinngemäß der Text: "Aus Gründen der Fälschungssicherung wurde dieses Produkt mit einem RFID-Chip gekennzeichnet". Ein Lesegerät ist weit und breit nicht zu sehen. Das dienstbeflissene Personal weiß auch nicht so recht, was es mit diesem Aufkleber auf sich hat. Aber den Kundinnen gibt es das Gefühl, ein Original am Fuß zu tragen.

Als die Metro Group vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal Transponder-Chips auf Einzelartikeln anbrachte, tat sie das ungleich öffentlichkeitswirksamer - in ihrem "Future Shop", den sie im April 2003 mit großem Brimborium und dem Ex-Supermodel Claudia Schiffer in Rheinberg bei Düsseldorf eröffnete. Allerdings erntete der Handelskonzern damit auch heftige Proteste von Verbraucherschutzorganisationen wie Foebud oder Caspian. "Kein Big Brother im Frischkäse", so der Slogan, mit dem Foebud die Kennzeichnung von Philadelphia-Packungen anprangerte. In der Kombination mit der Metro-Kundenkarte ließe sich das Verbrauchsverhalten der Konsumenten nachverfolgen, so die Befürchtungen. Die Metro Group reagierte und entfernte den Funkchip - nicht von der Frischkäsepackung, aber von der Kundenkarte.

Item-Level-Tagging ist zu teuer

Dieses Thema hat sich mittlerweile beinahe von selbst erledigt. Die Kennzeichnung von Verbrauchsgütern ("Item Level Tagging") wird sich kurzfristig wohl kaum durchsetzen. Schuld daran sind zum einen die Preise für die Funketiketten. Sie liegen derzeit noch zwischen zehn und 20 Cent und würden damit den Gewinn, der sich mit einem Becher Joghurt erzielen lässt, zum großen Teil auffressen.

Zu teuer ist das Item-Level-Tagging aber vor allem deshalb, weil es derzeit wenig Nutzen bringt. Die Vision der Metro sah vor, dass die Kunden ihren Einkaufswagen durch ein RFID-Leseportal schieben, das ihre Einkäufe automatisch erfasst, so dass der Check-out ohne Personalaufwand möglich ist. Doch davon sind wir noch weit entfernt.

"Wir haben in der Vergangenheit Erwartungen geweckt, die sich so nicht realisieren lassen", räumte Michael Schenk, Professor am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) kürzlich auf den von J&M Management Consulting organisierten "Supply Chain Days" ein. Im "Massenmarkt", sprich: Einzelhandel, sei das Thema passé.