Radio Frequency Identification

RFID schöpft wirtschaftliche Potenziale kaum aus

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Radio Frequency Identification, kurz RFD, ist derzeit noch eine Spielwiese für Technologiebegeisterte. Zu diesem Schluss kommt eine Studie unter der Federführung des Fraunhofer IPT.

Theoretisch verspricht der Einsatz der RFID-Technik einen höheren Automatisierungsgrad der Prozesse, denn er ermöglicht die direkte Verknüpfung von Daten-, Material- und Geldströmen. Ausgehend von dieser Erkenntnis haben das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT) und die P3 Ingenieursgesellschaft mbH, beide in Aachen ansässig, Ende vergangenen Jahres eine Markt- und Technikstudie gestartet. Die Ergebnisse liegen seit kurzem vor.

Seit kurzem liegen die Ergebnisse einer RFID-Studie vor, die das Fraunhofer IPT und die P3 Ingenieursgesellschaft initiiert haben.
Seit kurzem liegen die Ergebnisse einer RFID-Studie vor, die das Fraunhofer IPT und die P3 Ingenieursgesellschaft initiiert haben.
Foto: xyz xyz

Zum einen befragten IPT und P3 rund 100 Unternehmen, größtenteils aus den RFID-affinen Branchen Maschinen- und Automobilbau sowie Logistik, nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema RFID. Zum anderen wurde die Technik selbst auf ihr Einsatzpotenzial abgeklopft. Den Auftrag hierfür erhielt das Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH), Dortmund. Ziel der Studie war es, Antworten auf folgende Fragen zu erhalten: Welche Technik passt zu welcher Anwendung? Sind die Systeme ausgereift? Welche Prozesse lassen sich integriert optimieren? Vor allem aber: Ist die Einführung auch wirtschaftlich und strategisch sinnvoll?

Die Hälfte der Befragten ist enttäuscht

Das Fazit der Anwenderbefragung fällt ernüchternd aus: Obwohl RFID eine bereits seit Jahrzehnten existierende Technologie sei, stecke die Erschließung ihrer wahren Potenziale noch in den Kinderschuhen, so der Tenor. In jedem zweiten der befragten Unternehmen hat die RFID-Einführung nicht zu den erwarteten Ergebnissen geführt. 32 Prozent der Unternehmen erzielten immerhin einen Teilerfolg, aber nur 18 Prozent sahen ihre Erwartungen wirklich erfüllt - oder sogar übererfüllt (vier Prozent).

Allenfalls die Hälfte der RFID-Einführungen erfüllte die Erwartungen der Anwender.
Allenfalls die Hälfte der RFID-Einführungen erfüllte die Erwartungen der Anwender.
Foto: Fraunhofer IPT, P3

Ein Viertel der Umfrageteilnehmer äußerte die Ansicht, RFID sei technisch noch unausgereift, weshalb von einer Anwendung abzusehen sei. Die technische Vergleichsstudie bestätigt das zum Teil. Beispielsweise ist die Funktechnik noch extrem störanfällig. So treten vor allem bei den Ultrakurzwellen-Systemen häufig Interferenzen auf, die ein Auslesen der RFID-Chips unmöglich machen.

Mit den vor allem auf kurze Distanzen als robuster geltenden Kurzwellen-Installationen verbindet sich ein anderes Problem. Im Gegensatz zum mittlerweile verbindlich standardisierten UHF-Bereich (siehe "Die Zukunft der Funktechnik heißt Gen2") wurden hier zwar ISO-Normen formuliert, aber sie haben sich nie wirklich durchgesetzt, berichtet Karsten Oltersdorf vom IDH. Viele Anbieter von Chips und Lesegeräten hätten die Standards für ihre Zwecke angepasst oder erweitert, weshalb die Installationen nur innerhalb der geschlossenen Herstellerwelt funktionierten.

Erschwerend für den Anwender komme hinzu, dass im Rahmen eines Gesamtsystems unzählige Standards zu beachten seien, so Oltersdorf weiter. Es gebe quasi für jede Teilkomponente eine separate Norm.

Deshalb empfiehlt die Studie, jede Implementierung durch umfangreiche Tests zu begleiten. Denn, darin sind sich die Autoren mit vielen RFID-Kennern einig, ein "RFID von der Stange" gibt es nicht - nicht einmal für alltägliche Anwendungen.