Keine Angst vor der Generation Y

Revierkämpfe in den IT-Abteilungen

25.11.2010
Von 
ist freie Wirtschaftsjournalistin in London.

Vorurteile leben weiter

Der Altersmix wirkt sich nur dann positiv aus, wenn die Aufgaben komplex sind und kein Zeitdruck besteht - eine Situation, die in IT-Teams selten sein dürfte. Dagegen bestätigen sich in wissenschaftlichen Untersuchungen oft die in vielen Köpfen zementierten Vorurteile gegenüber Alt und Jung. So können ältere Mitarbeiter zwar von ihrer Erfahrung und ihren Netzwerken profitieren. Beim Problemlösen jedoch brauchen sie meist länger und gehen weniger kreativ an die Dinge heran als Jüngere. Den Youngstern mangelt es häufig an den viel geforderten Soft Skills. Dafür aber sind sie energiegeladen, ehrgeizig und stressresistenter als die Älteren.

Unabdingbar ist eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit. Wissenschaftler Kluge empfiehlt, bereits ganz am Anfang nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Trotzdem verlässt sich die IT-Branche nicht allein darauf. Bei SAP etwa - Mitarbeiter-Durchschnittsalter 39 Jahre - organisieren sich ältere Kollegen im Netzwerk "net45+". Und HP hat speziell für jüngere Mitarbeiter das Young Employee Network (YEN) gegründet - weil sie zwar in sozialen Netzwerken zu Hause sind, aber kein Netzwerk im Unternehmen haben. )

Facebook meets C64

So klappt die Zusammenarbeit zwischen alten Hasen und jungen Hüpfern.

1. Keine Wunder erwarten

Stoßen neue Leute dazu, muss sich das Team erst einmal neu formieren. Das gilt erst recht, wenn der Neuzugang der eigene Sohn oder die eigene Tochter sein könnte. Also nicht gleich Wunder erwarten, dass alles reibungslos klappt. Lieber ein erstes Fremdeln einkalkulieren. So lässt man sich nicht schon am Anfang runterziehen.

2. Alles Einstellungssache

Wer gemischte Teams als Chance sieht und nicht als Notlösung, hat bessere Startchancen - ganz im Sinne einer Selffulfilling Prophecy. Die richtige Einstellung: wird schon.

3. Parallelen suchen

Damit sich eine Arbeitsbeziehung aufbauen kann, muss eine Basis da sein. Um die zu schaffen, ist es ratsam, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und nicht nach Unterschieden. Hat der Neue vielleicht an derselben Universität studiert? Geht er in seiner Freizeit auch gern zum Geocashing? Prima, das sind schon exzellente Anknüpfungspunkte für eine Annäherung.

4. Hut ab!

Die Youngsters bringen Energie und Ehrgeiz ein, die Oldies Erfahrung und Netzwerke. Verbünden Sie sich nicht mit Kollegen gegen die jeweils andere Altergruppe. Erkennen Sie im Gegenteil neidlos die Vorzüge der anderen an und versuchen Sie, in Ihrem Team davon zu profitieren. So bleibt Ärger aus, und die Arbeit geht schneller voran. Das wollen doch schließlich alle.

5. Ziel anpeilen

Ein gemeinsames Vorhaben schweißt zusammen. Alterszugehörigkeiten sind dabei egal. Also alle auf ein gemeinsames Ziel konzentrieren. Dann klappt`s auch mit dem Sitznachbarn - ganz egal, ob der mit Schultertasche und Nerdbrille oder mit Rucksack und Sakko ins Büro kommt.