Microsoft-Testballon

Rettet ausgerechnet Windows das OLPC-Projekt?

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Vor drei Jahren trat Nicholas Negroponte an, den ärmsten Kindern der Welt mit einem Laptop für 100 Dollar bessere Bildungschancen zu verschaffen.

Nach enttäuschenden Verkäufen und Kostenproblemen wendet sich das Projekt One Laptop Per Child (OLPC) nun doch Microsoft und seinem proprietären Betriebssystem Windows zu, um eine Trendwende zu versuchen. Ab dem kommenden Monat testet OLPC seinen bislang Linux-basierenden Laptop "XO" in verschiedenen Entwicklungsländern in einer Windows-Variante mit weiteren Microsoft-Programmen. Die Testgeräte arbeiten zunächst rein mit Windows, das Microsoft OLPC im Rahmen einer Kooperation für ganze drei Dollar überlässt.

Ab Oktober soll der XO laut Negroponte dann in einer "Dual-Boot"-Version zu haben sein, die wahlweise mit Linux oder Windows aufstartet. Die nicht-proprietäre Software des XO habe die Verkäufe behindert, so Negroponte weiter. Einige Länder hätten keine "Nicht-Standard"-Rechner ohne Windows haben wollen.

Natürlich gibt nun jede Menge Beschwerden von Beobachtern, die finden, OLPC hätte "fundamentalistisch" bleiben sollen. Was Negroponte, der seine Professur an der Bostoner Hightech-Uni MIT eigens für das Projekt ausgesetzt hat, ziemlich egal ist. "Unsere Mission ist nicht Open Source", sagt er. "Unsere Mission sind Kinder und Lernen."