Regionale Beteiligungsgesellschaften gruenden Sette GmbH Nach Konkurs der Integral AG hoffen Indios-Kunden auf QAD

08.09.1995

MUENCHEN (hv) - Die Integral Datentechnik AG, Kaiserslautern, hat Konkurs angemeldet. Dennoch besteht fuer die mehr als 500 Anwender des Softwarepakets "Indios" kein Grund zur Panik: Einige regionale Beteiligungsgesellschaften haben ein neues Unternehmen, die Sette GmbH mit Sitz in Chemnitz, gegruendet. Die Rechte am Indios- Quellcode gehen jedoch voraussichtlich an eine als GmbH firmierende Integral-Nachfolgegesellschaft gleichen Namens ueber.

Nachdem es Integral nicht gelungen war, ein Nachfolgeprodukt zu entwickeln, verfolgt die Sette GmbH nun einen anderen Weg: Wechselwillige Integral-Kunden sollen auf das ebenfalls in der 4GL Progress entwickelte Paket "MFG/Pro" vom US-Anbieter QAD migrieren (siehe auch CW Nr. 28 vom 14. Juli 1995, Seite 1). Indios sei wegen seiner veralteten Software-Architektur langfristig keine Alternative.

"Wir werden der Sette GmbH einen Distributionsvertrag geben", bestaetigt Hakan Berglund, Geschaeftsfuehrer der deutschen QAD- Niederlassung in Neu-Isenburg. Eine Beteiligung oder gar eine Uebernahme von Integral habe QAD nicht in Erwaegung gezogen, da die "finanziellen Schwierigkeiten, in denen Integral steckte, unueberwindbar waren".

Fuer den Niedergang der Integral AG machen Insider neben den Rezessionsproblemen der letzten Jahre vor allem ein Ereignis verantwortlich: Interne Streitigkeiten mit Vorstandschef Hans- Joachim Neuberger hatten Anfang 1992 dazu gefuehrt, dass Chefentwickler Werner Ernst das Unternehmen verliess - und mit ihm mehrere Mitarbeiter der oberen Fuehrungsebene. Auch wandten sich einige Haendler und Kunden von Integral ab und erwiesen fortan der jetzt konkurrierenden Firma Werner Ernst Informatik GmbH ihre Gunst.

"Integral haette sich zu diesem Zeitpunkt entscheiden muessen: Softwarefabrik oder Dienstleister", erklaert Sette-Geschaeftsfuehrer Peter Menzel. Der Sanierungsspezialist weiss, wovon er spricht. Er war im Fruehjahr dieses Jahres von Integral-Aufsichtsratschef und Grossaktionaer Manfred Trepte angeheuert worden, um das Softwarehaus mit Hilfe eines starken Partners wieder auf Vordermann zu bringen. "Meine Vorschlaege liessen sich nicht durchsetzen, ich bin nach wenigen Monaten wieder ausgestiegen", berichtet Menzel, der sich wie schon zuvor Werner mit Neuberger ueberworfen hatte.

Menzel wurde daraufhin von Vertretern der Beteiligungsgesellschaften gebeten, gemeinsam mit ihnen einen Ueberlebensweg zu suchen, nachdem man aus Kaiserslautern keine Hilfe mehr erwartete. Diese Gesellschaften, jeweils zu mehr als 50 Prozent im Besitz der Integral AG, arbeiteten zuletzt weitgehend unabhaengig vom Lizenzgeber und verfuegen ueber eine eigene Kundenbasis.

Um eine Perspektive im Produktbereich zu haben, entschlossen sich zunaechst drei Vertreter der Beteiligungsgesellschaften zur Gruendung der Sette GmbH, laut Menzel eine Art Genossenschaft, an der sich voraussichtlich weitere Firmen beteiligen werden. Sie erwarten, den vom Konkurs betroffenen Aktienbesitzern Anteile entziehen und selbstaendig agieren zu koennen. Da Integral diesen Gesellschaften schon vor einiger Zeit genuegend Indios-Lizenzen verkauft hatte, sind diese Firmen als Teil der Sette GmbH in der Lage, auch die Wuensche ihrer Altklientel zu erfuellen. Ein Wechsel auf die QAD-Software MFG/Pro muss nicht zwangslaeufig stattfinden.

Die Geschaeftsfuehrung der Gesellschaft uebernimmt zumindest uebergangsweise Menzel, der sein Unternehmen nun als bundesweiter Vertriebspartner der QAD GmbH auf soliden Boden stellen moechte. Die Sette GmbH erwartet von QAD im Falle einer Distributionspartnerschaft eine Kapitalbeteiligung. Im Gegenzug wird sie dafuer sorgen, dass Indios-Kunden, die sich fuer ein neues System interessieren, in das QAD-Lager wechseln.