Linux-Sensation

Red Hat macht seinen Frieden mit CentOS

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Red Hat hat eine Partnerschaft mit CentOS angekündigt und will bei dessen Weiterentwicklung helfen.

Angesichts der Historie von Red Hat und CentOS darf man das getrost als Sensation bezeichnen - CentOS entstand im Jahr 2005 als Klon von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) primär, um dessen Lizenzkosten zu vermeiden, und wurde daraufhin prompt von Red Hat mit juristischen Schritten bedroht.

Red-Hat-Zentrale in Raleigh, North Carolina
Red-Hat-Zentrale in Raleigh, North Carolina
Foto: Red Hat

Red Hat verdient mit RHEL eine Menge Geld - es ist die erste Open-Source-Firma mit mehr als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz - und investiert seine Gewinne teilweise zurück in die Entwicklung freier Software wie des Linux-Kernels oder der Benutzeroberfläche GNOME. Dass der Anbieter aus Raleigh aber eines Tages Leute bezahlen würde, die seine eigene Software kopieren, hatte wohl niemand erwartet.

Jedenfalls werden zukünftig einige CentOS-Entwickler auf der Payroll von Red Hat stehen (wenn auch nicht als Teil des RHEL-Teams). Das sollte unter anderem ein öffentlicheres Ticketing und Bugfixing für CentOS einfacher machen, ohne dass juristischer Unbill seitens Red Hat droht.

Der Linux-Kernel und viele andere zentrale Komponenten von RHEL stehen unter der GNU Public License (GPL). Die verlangt, dass jeder davon abgeleitete Code wiederum unter der gleichen freien und quelloffenen Lizenz zu veröffentlichen ist. Deswegen veröffentlicht Red Hat den Quellcode von RHEL online, allerdings nicht in einfach installierbarer Form.

Und genau diesen Quellcode zog sich vor acht Jahren ein Team von Freiwilligen, um daraus den RHEL-Klon CentOS (kurz für Community Enterprise Operating System) zu bauen für Anwender, die eine einfache Installation wollten, aber auf den offiziellen und kostenpflichtigen Support verzichten konnten. CentOS hat sich seither zu einer der beliebtesten Linux-Distributionen entwickelt: Im Oktober 2014 war es laut "w3tech" bereits die am dritthäufigsten für Webserver eingesetzte Linux-Variante.

Mit Fedora hat Red Hat seit vielen Jahren seine eigene Open-Source-Distribution - diese wird aber vor allem zum frühzeitigen Testen neuer Technologien eingesetzt, die erst später wenn sie für hinreichend ausgereift befunden wurden, nach unten in das stabile RHEL für den produktiven Einsatz durchsickern.