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Red Hat kauft wichtige Netscape-Produkte von AOL

01.10.2004

Red Hat kauft bedeutende Teile von Netscape Enterprise Solutions, einer Unternehmenseinheit des Online-Dienstes AOL, der wiederum zu Time Warner gehört. Der Linux-Distributor zahlt laut "Wall Street Journal" sofort 20,5 Millionen Dollar in bar und weitere 2,5 Millionen Dollar, sobald Red Hat durch Vertrieb der Produkte und Lizenzeinnahmen Einnahmen bekommt. Dafür wechseln der "Netscape Directory Server" und das "Netscape Certificate Management System" den Besitzer. Außerdem gehen rund 50 AOL-Mitarbeiter, die mit der Entwicklung dieser Produkte beschäftigt sind, zu Red Hat.

Der Netscape Directory Server ist ein LDAP-Server (Lighweight Directory Access Protocol), der das Management von Anwendungseinstellungen, Benutzerprofilen, Gruppendaten, Richtlinien und Zugriffskontroll-Informationen in einer netzbasierten Datenbank ("Registry") zentralisiert. Die resultierende Reduzierung der Datenredundanz erleichtert die Benutzerverwaltung weiter. Ferner wird die Sicherheit erhöht, weil die Administratoren Richtlinien und Zugriffskontroll-Informationen in ein Verzeichnis speichern und so eine zentrale Authentifizierungsquelle schaffen können.

Das Netscape Certificate Management System ist eine Sicherheitsumgebung, welche die Identität von Benutzern feststellt und den Datenschutz bei der Kommunikation gewährleistet. Anders als Passwörter können Zertifikate nicht leicht gestohlen werden und bieten so ein verlässlicheres Verfahrend er Identitätskontrolle und zum Schutz vor Identitätsdiebstahl.

Der Deal soll noch im Red Hats drittem Geschäftsquartal 2004, das am 30. November endet, abgeschlossen werden. Der Linux-Distributor möchte die Netscape/AOL-Produkte innerhalb von sechs bis zwölf Monaten in seine "Open Source Architektur" einbauen. Dieses im September letzten Jahres vorgestellte Konzept einen Portal-Server, ein Content-Management-System, eine Cluster- und eine Developer-Suite, einen Application-Server sowie ein Provisioning-Modul. Die jetzt gekauften Produkte schließen die Lücke in punkto Sicherheit. Äußerungen von Red-Hat-Managern lassen erwarten, dass die Programme als Add-on zum Enterprise Linux vermarkten werden. Unklar ist, ob sie unter der Open-Source-Lizenz GPL erscheinen werden. (ls)