Raus aus der Lethargie

09.01.2004

Die Konjunkturforscher sagen es voraus, die Firmenvertreter bestätigen es: Ja, wir dürfen mit einem kleinen Wirtschaftswachstum rechnen. Nein, Mitarbeiter werden nur in Ausnahmefällen eingestellt.

2003 war das Jahr, in dem sich Unternehmen mit eigenen Problemen beschäftigt haben und die Umorganisation ganz oben auf der Tagesordnung stand. Mit der Konsequenz, dass viele Beschäftigte ihren Job verloren. Auch Manager wurden aussortiert, die zu schnell nach oben geklettert waren. Selten zuvor wurde und wird sicher auch in Zukunft so offen über die Leistungsgesellschaft gesprochen. Firmenchefs haben keine Scheu mehr, über die Einführung einer Leistungskultur zu sprechen und die so genannten Low performer zu entlassen.

2003 war aus Sicht der Beschäftigten das Jahr, in dem man sich für den gleichen Lohn mehr abstrampeln oder mit Gehaltseinbußen rechnen musste. Wer auf der Systems die Stände der osteuropäischen Länder gesehen hat, die mit Stundensätzen für Programmierer ab sieben Euro geworben haben, kann sich ein Bild davon machen, wohin die Reise geht.

Nicht nur das Gehalt wird kleiner, auch der Job wird unsicherer. Deshalb erscheint es umso anachronistischer, wenn die Tarifparteien wie eh und je um ein paar Prozentpunkte Lohnerhöhung feilschen, als ob sich nichts verändert hätte. Was das Massachusetts Institute of Technology (MIT) bereits Mitte der 90er Jahre vorausgesagt hat, scheint sich langsam zu bewahrheiten: Es wird sich eine Kultur von kleinen Firmen und Selbständigen etablieren. Denn die Lehre, die die meisten Unternehmen aus der Situation der letzten Jahre ziehen, lautet: runter mit den Fixkosten und damit weniger festes Personal. Es wird in nächster Zukunft allerdings noch nicht den großen Freiberufler-Boom geben, weil die Firmen dabei sind, ihre eigenen Mitarbeiter effektiver und besser einzusetzen. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird noch viel Arbeit übrig sein - für die Selbständigen.

Hans KönigesJob & Karriere