Erfolgreich mit dem New Style of Business: Präsentiert von HPE und Intel

Interview mit Matthias Röse, HPE

Raus aus dem Silo: Rechenzentren müssen dynamischer werden

15.12.2015
Unternehmen können nur mit agilen Infrastrukturen und Service-Orientierung der IT-Abteilung die zukünftigen Anforderungen der Digitalisierung erfüllen. Infrastruktur-Experte Matthias Röse, HPE, erklärt, welche Auswirkungen das auf die RZ-Architektur der Unternehmen hat.

Marktforscher, Analysten und IT-Fachleute sind sich schon lange einig, dass die neuen Anforderungen durch die Digitalisierung und Technologien wie Big Data, Mobile Business, das Internet of Things oder Business Analytics mit den traditionellen, historisch gewachsenen IT-Landschaften nicht zu bewältigen sind. Nur mit agilen und dynamischen Infrastrukturen sowie zunehmender Service-Orientierung und intelligenter Verzahnung von lokaler IT und Services aus der Public und Private Cloud können Unternehmen die zukünftigen Anforderungen erfüllen. Die unternehmensweite RZ-Architektur bleibt von den Entwicklungen nicht unberührt.

Matthias Röse, HPE: IT-Organisationen müssen raus aus dem Silo
Matthias Röse, HPE: IT-Organisationen müssen raus aus dem Silo
Foto: HP

Herr Röse, welche Entwicklungen sehen Sie aktuell in den Rechenzentren der Unternehmen?

Matthias Röse: Da geht es natürlich zu allererst um Cloud Computing. Die Cloud ist längst kein Buzzword mehr, sondern die meisten Unternehmen - ganz besonders auch die Fachabteilungen - haben die Vorteile der Cloud im Hinblick auf Agilität, Flexibilität, Geschwindigkeit sowie einfache Bereitstellung und Nutzung schätzen gelernt. Die Cloud gehört in der Mehrzahl der Unternehmen heute zum ganz normalen Instrumentarium, wenn es um die Umsetzung von IT-Projekten geht. Das heißt auch, dass die deutschen Unternehmen, die aus unterschiedlichen Gründen die Private Cloud bevorzugen, vermehrt Cloud Infrastrukturen im eigenen Unternehmen aufbauen.

Also hauptsächlich Cloud - sind traditionelle On-Premise-Architekturen dann Auslaufmodelle?

Matthias Röse: Es gibt die traditionellen, gewachsenen IT-Systeme - etwa für ERP, Treasury oder CRM. Diese laufen meist sehr stabil und sind im Hinblick auf Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit für die Mehrzahl der Unternehmen auf mittlere Sicht unverzichtbar.

Gleichzeitig kommen aber immer mehr Anfragen nach flexiblen, dynamischen IT-Services, vor allem auch aus den Business-Bereichen. Wenn man an den Bereich Manufacturing denkt, zum Beispiel Automobilhersteller etwa mit dem Thema Connected Cars, kommen gleichzeitig eine Vielzahl von Anforderungen aus dem bereich Internet of Things/Industrie 4.0 hinzu. Hier sind wir in einer Welt unterwegs, die extrem dynamisch ist.

Warum kann man diese Aufgaben nicht mit traditionellen IT-Systemen lösen?

Matthias Röse: Bei den Entwicklungs- und Deployment-Zyklen der klassischen ERP-Systeme, wo teilweise über mehr als ein Jahr geplant, entwickelt, ausgestattet, konfiguriert, getestet und in Betrieb genommen wird, sind diese Systeme natürlich den flexiblen Anforderungen nicht gewachsen. Große Projekte wurden immer nach dem Wasserfall-Modell geplant: Mit Ist-Analyse, Anforderungsmodell, Lastenheft und so weiter. Danach hab ich ein relativ starres System, an dem Server, Storage, Netzwerkverbindungen hängen.

Eine Dynamische IT-Landschaft lässt sich nicht hinzukaufen

Heute haben wir aber eine andere Situation: Durch die Digitalisierung, das Internet of Things, oder mobilen Anwendungen stehen Unternehmen vor der Herausforderung, flexibel und immer schneller auf Business-Anforderungen zu reagieren. Das ist auch unabhängig von der Branche und der Unternehmensgröße. Und immer häufiger wird darauf mit Cloud-Lösungen reagiert, weil sie schnell und passgenau implementiert und genutzt werden können.

Aber können sich die Unternehmen dann nicht, neben ihrer lokalen IT, die benötigten Services aus der Cloud hinzukaufen?

Matthias Röse: Eine dynamische IT-Landschaft lässt sich nicht nur über hinzugekaufte Services von Providern herstellen. Dabei spielen sowohl Sicherheitsfragen, der Standort der Rechenzentren als auch die Fähigkeit, autark IT-Aufgaben zu lösen, eine wichtige Rolle. Ich beobachte, dass sich bei unseren Kunden mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass sie das Know-how für das Management dieser Strukturen selbst im Hause haben wollen.

Sie müssen also sowohl die klassischen IT-Landschaften warten und parallel dazu neue, dynamische IT-Infrastrukturen aufbauen?

Matthias Röse: Ja, genau das ist die gegenwärtige Herausforderung. Ich nenne das die IT der zwei Geschwindigkeiten. Ein Schlüssel ist dabei die Idee der Software Defined Infrastructures, oder auch SDDC - Software Defined Data Center. Wir haben ja die Situation, dass die IT-Organisation, dass Applikation wie ERP, Treasury weiterhin auf klassischen Systemen laufen - möglicherweise auch zunehmend auf Cloud-Services. Auf der anderen Seite werden immer mehr Cloud-Services für neue Aufgaben genutzt. Entscheidend ist dabei, dass die Cloud Services immer enger verzahnt werden, so dass die Daten der klassischen Systeme auch von dynamischen Cloud-Lösungen genutzt werden können und umgekehrt. Dabei entsteht natürlich ein komplexer Mix, der aus einer Sicht der Service-Orientierung ganzheitlich gemanagt werden muss.

Um den Spagat zu schaffen zwischen traditioneller monolithischer IT und der Geschwindigkeit im Cloud-Umfeld müssen es die IT-Organisation angehen, aus einem Service-orientierten Blickwinkel über Virtualisierung und Automatisierung hinaus beide Welten zu vereinigen. Als vorläufiger Endpunkt steht eine Vision, die gar nicht mehr zwischen Betrieb im eigenen Haus und externen Services unterscheidet und die Hardware-Ressourcen - im Sinne von SDI als Storage-Silo, Netzwerk-Silo und Compute-Silo gar nicht mehr als solche sichtbar sind. Dabei werden die Ressourcen in hohem Maße automatisiert und setzen - auch um eine Herstellerabhängigkeit zu vermeiden - auf offene Standards wie Open Stack und Open Flow auf.

Aber das ist noch Zukunftsmusik?

Matthias Röse: In der eben geschilderten Form als Gesamtlösung für ein Unternehmen wohl schon. Aber wir sehen, dass sich viele Kunden in diese Richtung bewegen. Als Beispiel gilt ihnen oft die Infrastruktur von Cloud-Service-Providern, deren Geschäftsmodell es ja ist, dynamisch standardisierte Services zur Verfügung stellen. Da wollen viele Kunden hin.

Man kann diese Strukturen selbst aufbauen, aber es gibt heute auch schon Converged oder Hyperconverged Systeme, die alle genannten Leistungsmerkmale mitbringen, sich in die vorhandenen IT-Landschaften einfügen lassen und den Einstieg in dynamische Infrastrukturen erleichtern.

Andere Denkweisen und Skills erforderlich

Ziel muss es sein, eine auf offenen Standards basierende Umgebung zu schaffen, in der alle Komponenten und Services jederzeit ausgetauscht werden können. Dabei ist ein Cloud Brokerage-Modell zentral, das alle Arten und Welten einzubinden in der Lage ist. Auch hier geht es um offene Standards. Das ist sowohl im Hinblick auf Kosten als auch im Sinne einer Investitionssicherheit für den Kunden wichtig.

Es ist also eigentlich ganz einfach?

Matthias Röse: Theoretisch ja, aber es ist schon ein langer und steiniger Weg, bei dem es auch nicht nur um technische Dinge geht. Man muss verstehen, dass der Umbau zu einer flexiblen IT-Infrastruktur nicht nur ein paar neue IT-Systeme betrifft, sondern die gesamte IT-Organisation. Und es bedarf auch einer anderen Denkweise und anderer Skills. Man muss die Idee der Service-Orientierung verstehen und umsetzen. Das wird nicht von heute auf morgen gehen.

Dennoch: Die Unternehmen müssen den Umbau ihrer IT-Landschaften angehen, wenn sie im globalen Wettbewerb nicht an Boden verlieren wollen. Nur mit einer agilen und dynamischer IT-Infrastruktur werden sie die Herausforderungen der Digitalisierung bewältigen können. Und es wird sich für sie lohnen: Am Ende des Weges stehen erheblich leistungsfähigere, besser ausgelastete und leichter wartbare IT-Landschaften, die sich kostengünstiger betreiben lassen und für alle zukünftige Anforderungen gerüstet sind.