Arbeitstrend bei Freelancern

Raus aus dem Home Office, rein in den Coworking Space

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
Eine neue Arbeitsform erobert die Freiberuflerwelt - Coworking. Ein Blick in das Combinat 56 in München zeigt aber, dass dahinter nicht nur Arbeit steckt.

Als sich Doris Schuppe 2010 als Kommunikationsberaterin selbstständig machte, wollte sie auch außerhalb des Home Office arbeiten. "Ich traf mich damals regelmäßig mit anderen Freelancern in Cafés, und wir überlegten uns, wie wir zusammenarbeiten können, ohne gleich eine Bürogemeinschaft zu gründen", erinnert sich die studierte Biologin und Informatikerin. "Jeden Tag allein im heimischen Büro zu sitzen, war mir einfach zu langweilig, auch wenn ich als Beraterin häufig bei meinen Kunden bin." Also begab sich Schuppe mit Gleichgesinnten auf die Suche. Ihr Werkzeug war das Web 2.0, über das sich die Freelancer vernetzten. Für die "Online-Pionierin", wie sich Schuppe selbst nennt, ein naheliegender Weg, denn ihre Beratertätigkeit kreist in erster Linie um die Themen Social Media und mobiles Internet. Mit ihrem Ein-Frau-Beratungsunternehmen "DoSchu.Com" entwickelt sie zusammen mit ihren Kunden Strategien für den Umgang mit dem Web 2.0 und organisiert Workshops.

Bereits nach kurzer Zeit wurde die Gruppe fündig, denn ihr Ziel war ihnen klar. Sie wollten einen "Coworking Space" finden. "Wir suchten jemanden, der das unternehmerische Risiko auf sich nahm und einen Coworking Space mit einem gewissen Niveau eröffnet. Als wir vom Combinat 56 in München hörten, setzten wir uns über unsere Xing-Gruppe sofort mit der Gründerin in Verbindung", beschreibt Schuppe die Situation.

Vernetzung mit Gleichgesinnten

Sina Brübach-Schlickum sieht das Combinat 56 in einer Tradition mit den Wiener Kaffeehäusern.
Sina Brübach-Schlickum sieht das Combinat 56 in einer Tradition mit den Wiener Kaffeehäusern.
Foto: Sina Brübach-Schlickum

Die selbstständige Marktforscherin Sina Brübach-Schlickum ist die Geschäftsführerin des Combinat 56. "Wenn man es genau betrachtet, waren schon die Wiener Kaffeehäuser Coworking Spaces, da man sich zusammensetzte und verschiedene Themen diskutierte", beschreibt Brübach-Schlickum das Grundprinzip.

Coworking wird in den USA schon seit einigen Jahren praktiziert. Für Stefan Rief, Leiter des Competence Center "Workspace Innovation" beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart ist der Grundgedanke dieser neuen Bürogemeinschaft denkbar einfach: "Viele Menschen wollen konzentriert arbeiten. In Coworking-Spaces sind die Freelancer nicht so schnell abgelenkt und die Vernetzung mit Gleichgesinnten ist einfacher."

Für Stefan Rief vom IAO stehen Konzentration und Vernetzung in den Coworking Spaces im Vordergrund.
Für Stefan Rief vom IAO stehen Konzentration und Vernetzung in den Coworking Spaces im Vordergrund.
Foto: IAO

Das Institut für Freie Berufe Nürnberg bezifferte 2011 die Zahl der Freelancer deutschlandweit auf 1,143 Millionen - eine Verdopplung innerhalb der letzten 15 Jahre und damit ein riesiges Potenzial. Ein Teil davon arbeitet heute im Home Office. Der fehlende Austausch mit Kollegen und die schwierige Arbeitsmotivation im privaten Umfeld ist dabei aber für viele ein Problem. Coworking Spaces könnten hier Abhilfe schaffen.

In den Spaces mieten sich die Freelancer für eine bestimmte Zeit einen Platz. Geschäftstermine werden in Besprechungsräumen abgehalten. Wer länger telefoniert oder kurze Ruhepause benötigt, zieht sich in ein Einzelzimmer zurück. Vor drei Jahren wurde die Idee mit dem betahaus in Berlin nach Deutschland importiert. Im Mai 2010 hat Brübach-Schlickum das Risiko gewagt und das Combinat 56 in München eröffnet. "Am Anfang saßen wir nur zu dritt in den großen Räumen, da war mir schon etwas mulmig", bekennt sie heute. Doch durch Mundpropaganda und Informationsveranstaltungen meldeten sich immer mehr Freelancer an. Heute arbeiten durchschnittlich 15 Coworker regelmäßig in den modernen Büros in Schwabing. Alles ist in buntem Retrostil gehalten. Eine Küche bietet Raum für Gespräche und den Ideenaustausch. Internationale Coworker Kongresse wie die Europe Coworking Conference dienen der Vernetzung. "Gerade das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten und die positive Resonanz haben mir gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", freut sich Brübach-Schlickum heute.

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