Weiterbildung

Rascher Aufstieg durch MBA?

14.01.2013 | von 
Peter Ilg
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
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Ein MBA-Studium kostet rund 30.000 Euro. Von der zusätzlichen Management-Ausbildung erhoffen sich Informatiker, ihren Horizont erweitern und ihre Karrierechancen verbessern zu können.
Björn Goergens, freiberuflicher Management-Berater: „Ohne MBA würden mir nicht so viele Türen offenstehen."
Björn Goergens, freiberuflicher Management-Berater: „Ohne MBA würden mir nicht so viele Türen offenstehen."
Foto: Privat

Der berufliche Werdegang von Björn Goergens ähnelt einer Passstraße in den Alpen. Als 18-jähriger Gymnasiast entwickelte er im Jahr 1998 mit einem Bekannten Buchungssysteme für Hotels und Restaurants. Noch vor dem Abitur wurde er Unternehmer. Als zwei Jahre später die Dotcom-Blase platzte, sagte er sich: „Chef zu sein ist zwar großartig, aber ich brauche eine Ausbildung, die mir ein sicheres Fundament gibt." Er studierte an der privaten Fachhochschule in Paderborn Wirtschaftsinformatik. Seine Firma lief parallel zum Studium weiter. 2004 war er fertig, ein Unternehmer mit Diplom: „Ich stellte fest, dass mir Kundenberatung am meisten Spaß macht, das Programmieren weniger." 2007 verkaufte Goergens seine Firma und begann ein General Management Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Seine Idee: „Ein MBA-Abschluss führt mich in die Management-Beratung – und in die weite Welt."

Mit dem MBA in die Beratung

Nach 16 Monaten hatte er seinen MBA in der Tasche und begann bei OC&C Strategy Consultants. Das Unternehmen ist mit rund 500 Beratern weltweit vertreten, Goergens fing in Dubai an. Zwei Jahre arbeitete er am Persischen Golf und wechselte dann nach Düsseldorf. Seit April 2012 ist der 32-Jährige freiberuflicher Management-Berater. Seine Kunden sind nicht mehr Konzerne, sondern Mittelständler, die Themen aber ähnlich: Nach wie vor geht es darum, die Kosten zu senken und die Geschäftsergebnisse zu verbessern. Dank MBA versteht sich Goergens darauf. Die Ausbildung sei für ihn eine „bemerkenswerte Horizonterweiterung" gewesen, fachlich, global und menschlich: „Sie war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, das sich daraufhin drastisch verändert hat." Das Studium hat ihn aber auch 35.000 Euro gekostet, und Goergens wäre ein schlechter Kaufmann, würde er nicht an Amortisation denken. Den Benefit in Zahlen zu fassen ist zwar schwer, aber: „Ohne MBA würden mir nicht so viele Türen offenstehen."

Peter Kreutter, WHU: „Der Titel hilft, aber die neuen Fähigkeiten und gewebten Netze sind ebenso wichtig."
Peter Kreutter, WHU: „Der Titel hilft, aber die neuen Fähigkeiten und gewebten Netze sind ebenso wichtig."
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An der WHU belegen zurzeit rund 250 Teilnehmer die MBA-Kurse. Mit dabei sind 30 Informatiker, was für Peter Kreutter, Experte für IT-Themen an der WHU, einen „Idealwert" darstellt: „ Die Vielfalt in der Zusammensetzung der Lerngruppen ist sehr wichtig. Die Teilnehmer profitieren von den verschiedenen professionellen und akademischen Hintergründen ihrer Kommilitonen." Informatiker beschreibt Kreutter als introvertiert und analytisch, beriebswirtschaftliche und Management-Fragen seien für sie Neuland. Je nach Programm verfolgten sie unterschiedliche Ziele. Die Vollzeitstudenten gehen fast alle für eine Zeit aus dem Beruf, machen einen radikalen Schnitt und wollen durch den MBA-Abschluss eine Management-Position erreichen. Teilzeitstudenten werden häufig von ihrem Arbeitgeber finanziell und organisatorisch unterstützt. Sie sollen intern Karriere machen. Oft ist für sie bereits eine Zielposition vorgesehen. Allerdings sollten sich die MBA-Absolventen nicht nur auf den Titel verlassen, mahnt Kreutter: „Der Titel hilft, aber die neuen Fähigkeiten und gewebten Netze sind ebenso wichtig." Ihr Können in beiden Bereichen müssen die Absolventen in der Praxis erst beweisen.

Sich breiter aufstellen mit einem MBA

„Ich wollte mich breiter aufstellen und von der Technik wegkommen", sagt Sascha Meissner, MBA-Absolvent der Handelshochschule Leipzig.
„Ich wollte mich breiter aufstellen und von der Technik wegkommen", sagt Sascha Meissner, MBA-Absolvent der Handelshochschule Leipzig.
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Das gilt auch für Sascha Meissner. Der 31-jährige Wirtschaftsinformatiker hatte nach seinem Studium knapp vier Jahre für IBM, zuletzt in der Rolle eines Senior Consultant, gearbeitet. Im September 2011 kündigte er seinen Job und stieg an der Handelshochschule Leipzig (HHL) in ein Vollzeit-MBA-Programm ein. „Ich wollte mich breiter aufstellen und von der Technik wegkommen", so seine Begründung. Im ersten Studium seien wirtschaftliche Themen nur angekratzt, Management-Wissen kaum vermittelt worden. Kürzlich hat Meissner seine Master-Thesis abgegeben. Der MBA kostet ihn 27.000 Euro und „wird mir höchstwahrscheinlich ein höheres Gehalt als vorher und eine schnellere Karriere bringen". In seinem früheren Job hat es mit dem Aufstieg nicht so rasch geklappt wie gedacht. Kollegen wurden aufgrund der Dauer ihrer Firmenzugehörigkeit befördert, weniger wegen der erbrachten Leistung.

Die Handelshochschule Leipzig ist Deutschlands älteste Wirtschaftshochschule und konnte mit 186 Neueinschreibungen im Herbst 2012 einen Rekord verzeichnen. Wie an der WHU steht auch in Leipzig die General-Management-Ausbildung im Fokus. Professor Bernhard Schwetzler, akademischer Leiter der MBA-Programme an der HHL, erklärt: „Spezialwissen haben die Teilnehmer schon aus ihrem Erststudium. Wer aus der Fachlaufbahn heraus Karriere machen will, braucht funktionsübergreifende Management-Kenntnisse." Schwetzler siedelt die Studieninhalte auf einer fachlichen und einer Management-orientierten Ebene an. Erstere führt in die Grundlagen von Finance und Marketing ein, die alle Führungskräfte brauchen. Auf der zweiten Ebene lernen die Studenten, wie Networking und Communication funktionieren. „Die Dozenten bringen ihren Schülern das Handwerkszeug bei und trainieren es mit ihnen", so Schwetzler. Die Balance zwischen beiden Ebenen zu finden sei die Herausforderung.

Björn Goergens sucht noch nach seiner beruflichen Balance. Er plant zunächst, seine Freiberuflichkeit weiterzuführen: „Was in einem Jahr ist, hängt von den Möglichkeiten ab, die sich mir bieten."

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