Insourcing nimmt zu

Ranking der wichtigsten Offshoring-Länder

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
A.T. Kearney hat mit “No Location“ eventuell einen neuen Trend ausgemacht. Demnach verlieren feste Standorte beim Outsourcing ihre Bedeutung.

"Der Offshoring-Markt ist und bleibt in Bewegung", schreiben die Analysten von A.T. Kearny. Ein Blick auf den 2014 Global Services Location Index bestätigt das. Innerhalb der Top 50 gibt es teils deutliche Verschiebungen.

A.T. Kearny erhebt diesen Index regelmäßig. Deutschland steht aktuell auf Platz 17. Gegenüber der vorigen Studie - diese stammt von 2011 - entspricht das einem Plus von neun Zählern. Ganz oben an der Spitze ändert sich allerdings nichts: Indien und China führen vor Malaysia.

Drei Faktoren spielen bei dem Index eine Rolle: die Kostenvorteile, die Fähigkeit sowie Verfügbarkeit der Fachkräfte und die geschäftliche Umgebung. Daraus errechnen die Analysten einen Gesamtwert. Diesen beziffern sie für Spitzenreiter Indien auf 7,04. Der zweitplatzierte China liegt mit 6,15 sichtbar dahinter. Deutschland erreicht einen Wert von 5,46 - knapp vor Rumänien mit 5,45 übrigens. Rumänien erhält dieses Jahr sieben Punkte mehr.

Aufsteiger Polen

Zu den Aufsteigern im diesjährigen Index gehört Polen. Nach einem Plus von dreizehn Zählern liegt es jetzt auf Platz elf. Spanien erreicht nach einem Plus von zehn Zählern Rang 32.

Im Gegenzug haben einige Standorte deutlich an Attraktivität verloren. So haben Estland und Lettland elf beziehungsweise zehn Punkte abgegeben und halten damit die Plätze 22 und 23. Großbritannien liegt nach Abzug von elf Zählern jetzt auf Platz 27.

Der Senegal, Jamaica und Singapure erhalten elf, zwölf und 16 Punkte weniger. Das entspricht den Rängen 40, 45 und 48.

Insourcing - Kurswechsel beim Outsourcing

Über die Punktevergabe hinaus schreiben die Analysten von "Kurskorrekturen beim Outsourcing". Mitte der 2000er Jahre habe es ein umfangreiches Auslagern von Back-Office-Prozessen gegeben. Mittlerweile holten viele multinationale Unternehmen diese Funktionen wieder zurück. Das gelte insbesondere für IT-Aufgaben. Die Analysten begründen das mit der wachsenden strategischen Bedeutung der IT durch die fortschreitende Digitalisierung.

Martin Sonnenschein, Partner und Managing Director Central Europe bei A.T. Kearney, kommentiert: "Während früher die Kosteneffizienz häufig die wichtigste Entscheidungsgrundlage beim Outsourcing war, spielen heute andere Kriterien eine große Rolle. Dazu zählen zum Beispiel die strategische Bedeutung einer Funktion, Haftungsfragen und der Schutz von geistigem Eigentum und Kundendaten."

Wie wichtig sind feste Standorte?
Wie wichtig sind feste Standorte?
Foto: Sarunyu_foto, Shutterstock.com

Trend zu No Location?

Zurückhaltend sprechen die Analysten von einem "möglichen" neuen Trend, den sie "No Location" nennen. Demnach verlieren feste Standorte an Bedeutung, weil sich Automatisierung und Robotertechnik immer stärker verbessern.