Neuer Mikro-Zweig "rank-t" sich in Österreich:

Rank-Xerox läßt "Conquisdatoren" marschieren

13.11.1981

WIEN (eks) - Ab November mischt ein weiterer Großer auf dem österreichischen Mikrocomputermarkt mit: Rank Xerox. Die neue Serie 500 und als Rechner eingesetzte 820er werden aber nicht selbst vermarktet, sondern über einen Generalvertreter, die Conquisdata. Diese Strategie gilt nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Rank Xerox erwartet sich einen Anteil von zehn Prozent am europäischen Mikrocomputermarkt, der bereits 1083 die 1-Million-Stück-Grenze überschreiten soll.

Die Conquisdata ist die Gründung mehrerer "alter Hasen" der EDV-Branche. Sie wurde Ende 1980 noch rasch als "100 000 S-GesmbH" gegründet, verfügt aber laut Rudolf Prokop, einem der geschäftsführenden Direktoren über weitere, nicht genannte Kapitalgeber. Prokop hatte sich bereits früher im Rahmen der Firma Rema Commerz mit dem Verkauf von Commodore und HP85 beschäftigt.

Der andere Direktor ist Roderich Maschinda, bis 1979 Geschäftsführer von Data 100. Anschließend hatte er sich um den Ostvertrieb von TRW gekümmert und dieses Unternehmen verlassen, nachdem TRW seine Beteiligung an Datapoint aufgab. Ein vorläufig nichtgenannter Dritter des Direktoren-Triumvirats ist derzeit noch als "General-Manager" bei einem anderen EDV-Unternehmen tätig. Der Name "Conquisdata" stammt vom seinerzeitigen Top-Verkäuferklub von Singer; sie wurden Conquisdatoren genannt. Viele ehemalige Singer-Mitarbeiter sind heute, gefördert von Ex-Singer-Mann Vicepresident Davis bei Rank Xerox versammelt.

Zunächst scheint die Entscheidung von Xerox, diesen Markt nicht selbst zu betreuen überraschend. Ist doch die Vertriebsstruktur mit Textsystemen und Kopierern wesentlich näher dem Klein- und Mittelbetrieb als beispielsweise die einer IBM. Rank Xerox hatte in den letzten Jahren jedoch mehrere Marktstudien und Feldversuche unternommen. Dazu

wurden in verschiedenen Teilen der USA unterschiedliche Vertriebswege eingerichtet und beobachtet. Dabei zeigte sich, daß Händler und Repräsentanten wesentlich erfolgreicher waren als Xerox selbst.

Als zweites hegten die internationalen Tochtergesellschaften wesentlich bescheidenere Umsatzvorstellungen als das Headquartera. Dies wird auch darauf zurückgeführt, daß die Marketingorganisationen abgesehen vom heftigen Gerangel um den Textverarbeitungs- und Kopierermarkt alle Hände und Köpfe voll mit neuen Produkten wie Ethernet und Laserdruckern zu tun haben.

Daher fiel die Entscheidung, den Vertrieb kommerzieller Kleincomputer über leistungsfähig scheinende und erfahrene Vertretungen abzuwickeln. In Österreich wurde die Conquisdata auserkoren, die ihrerseits je Bundesland zwei bis drei Händler beliefern wird.

Die Conquisdata wird zunächst zwei Produktlinien vertreiben. Die bereits bekannte Xerox 820, das heißt sofern sie nicht als reiner Textprozessor eingesetzt ist. Den Textverarbeitungsmarkt bearbeitet weiterhin Rank Xerox selbst. Hier werden "geringfügige" Überschneidungen in den Marketingaktivitäten erwartet, des weiteren, und das jetzt exklusiv, die neue Serie Xerox 500 die allerdings als Diablo 3000 bereits bekannt und bewährt ist. Davon gibt es zunächst zwei Modelle

- Xerox 510: 64 KB Speicher, 2 mal 8-Zoll-Disketten mit zusammen 2,4 MB. Die Einstiegskonfiguration soll (ohne Drucker) etwa 150 000 Schilling kosten.

- Xerox 515: 64 KB Speicher, eine 8-Zoll-Diskette mit 1,2 MB und 10 MB Winchester-Fixplatte.

Beide Systeme können durch unintelligente Terminals verschiedener

Hersteller auf 4-Platz-Systeme ausgebaut werden. Die größte Konfiguration (4 Arbeitsplätze, schneller Drucker) wird etwa 350 000 Schilling kosten.

Als Betriebssystem wird DACL (Diablo Application Computer Language) verwendet. Dies hat für Xerox den Vorteil, daß Anwendungsprogramme gegen unbefugte Weitergabe geschützt sind, da der Basic-lnterpreter nur vom Hersteller geliefert wird und angeblich nicht dupliziert werden kann.

Nachteilig scheint, daß der Anwender damit vom Markt des am weitesten verbreiteten Betriebssystems CP/M und dem großen Angebot der darunter laufenden Programme abgeschottet ist.

Software nicht fertig

Sowohl horizontale (FIBU) als auch vertikale (Branchenlösungen) Anwendungssoftware war zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht fertig. Die Conquisdata will sich der Mitarbeit bewährter SW-Entwicklungsteams, die derzeit teilweise noch für andere Hersteller arbeiten, versichert haben.

Informationen: Conquisdata Handelsges.m.b.H., 1081 Wien, Laudongasse 29 - 31, Tel.: 48 28 56.