Veraltete Technik und Kosten treiben Mittelständler zur Migration

Rameder schließt SAP Online Store

23.04.2004
MÜNCHEN (as) - Mit der SAP-Mittelstandslösung "All-in-One" wollte die Rameder GmbH, größter europäischer Hersteller von Anhängerkupplungen aus dem thüringischen Munschwitz, ihre IT modernisieren. Doch der enthaltene Online-Shop als zentrale Vertriebskomponente musste schon nach zwei Jahren ausgetauscht werden.

Mit der SAP-Software wollte Rameder seine Unternehmensbereiche integrieren sowie über einen Online-Auftritt über 80000 verschiedene Anhängerkupplungen, Elektrosätze sowie Autozubehör darstellen und vertreiben. Ersteres gelang laut Dirk Schöler, Mitglied der Geschäftsführung, mit Hilfe der Software "Sax Car Parts", einer Branchenlösung für den Autoteilehandel auf der Basis von SAP-Software.

Nach zwei Jahren funktional ausgereizt

Diese wird als Komplettpaket im Rahmen des Mittelstandsangebots All-in-One der Walldorfer vom Stuttgarter Systemhaus Sax vertrieben. Allerdings implementierte Rameder nur Teile des Pakets und deckt heute mit einem angepassten R/3-Release 4.6c von SAP alle Prozesse in der Warenwirtschaft ab mit Modulen für den Vertrieb, Materialeinkauf, Buchhaltung, Controlling und Call-Center. Außerdem wurde eine selbst entwickelte Software für die Lagerhaltung integriert.

Als Vertriebsplattform fungierte die Shop-Lösung "SAP Online Store", ein Zusatzmodul für All-in-One. Sie bot aber laut Schöler schon nach zwei Jahren Einsatz funktional zu wenig für die Kunden und machte es nötig, Features wie Kontoanzeige oder Auftragsübersichten individuell zu entwickeln. Zudem machte die Performance und Skalierbarkeit der Software mit wachsender Benutzerzahl Probleme. Als Ersatz zogen die Thüringer unter anderem die Lösung "Internet Sales" der Walldorfer in Betracht. Diese verspricht eine leistungsfähigere Produktarchitektur, setzt jedoch die Lizenznahme der SAP-Software für das Kundenbeziehungs-Management "Mysap CRM" voraus, was für Schöler unüberschaubare Investitionen nach sich gezogen hätte.

Die Wahl fiel schließlich auf Abaxx

Die Wahl fiel schließlich auf das Komponenten-Framework "Abaxx Portal" des Stuttgarter Anbieters Abaxx. Diese Lösung biete laut Schöler den Vorteil, Veränderungen im Online-Geschäft dynamisch in der Software nachvollziehen zu können. Dazu komme ein flexibles Content-Management. Kunden könnten beispielsweise über die Eingabe eines Typ-Schlüssels aus dem Fahrzeugschein ein Produkt und dazugehörige Informationen finden. Als nächstes soll neben dem Privatkundenbereich ein neues B-to-B-Portal für Geschäftskunden wie Werkstätten, Autohändler und Tankstellen entstehen. Rameder musste für Abaxx eine zusätzliche Server-Lizenz erwerben, spare jedoch die Lizenzen für den SAP-Shop, sagte Schöler. Zwar hat SAP mittlerweile auf die Forderungen von Kunden wie Rameder reagiert und mit "Internet Sales, R/3 Edition" eine Alternative ohne Mysap CRM im Angebot. Sie war aber für Rameder wegen der fehlenden Flexibilität nicht die erste Wahl, erklärte Thomas Reitz, Manager Business Unit Technical Integration beim IT-Dienstleister Axentiv, der Rameder bei der Evaluierung und Implementierung half.

Ein Ärgernis jedoch bleibt: Die SAP kassiert beim indirekten Zugriff auf die Unternehmenssoftware über das Web zusätzlich eine Gebühr für jede über das Internet ausgelöste Buchung, die in R/3 erfolgreich angelegt wird. Die Kosten hierfür liegen Schölers Schätzung nach bei bis zu 35 Cent pro Transaktion. "Das wollten wir mit dem Umstieg eigentlich vermeiden, aber da kommt man nicht raus." Dieses Thema bleibe für ihn trotz der Zufriedenheit mit R/3 "ein Brennpunkt" und sei für sein Unternehmen undurchschaubar. Beim Kauf der All-in-One-Lösung war von diesen Gebühren nie die Rede gewesen.