Chipdesigner

Rambus verliert Prozess und 60 Prozent Market Cap

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Der früher auf Speicherchips speziaisierte Chipdesigner Rambus hat gestern einen wichtigen Kartellprozess verloren.
RDRAM-Chips in der historischen Spielekonsole Nintendo 64
RDRAM-Chips in der historischen Spielekonsole Nintendo 64
Foto: Wikimedia Commons

Eine Jury in San Francisco entschied gestern mit 9:3 Stimmen, die beklagten Rambus-Konkurrenten Micron Technology und Hynix Semiconductor hätten keine Verschwörung mit dem Ziel betrieben, die Technik von Rambus nicht in den Markt zu lassen. Rambus hatte einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge von den Mitbewerbern an die vier Milliarden Dollar Schadenersatz gefordert (die Summe hätte nach kalifornischem Recht sogar noch verdreifacht werden können).

Rambus hatte in der Vergangenheit schon etliche Patent- und Kartellklagen geführt, die seiner Aktie je nach Ausgang der jeweils letzten Entscheidung eine regelrechte Achterbahnfahrt bescherten. Die jetzt am San Francisco County Superior Court entschiedene Klage geht auf das Jahr 2004 zurück.

Vor dem Urteil wurde der Handel mit Rambus-Papieren mehrere Stunden lang ausgesetzt. Nach der Verkündung wurde er wieder aufgenommen, der Kurs fiel daraufhin um mehr als 60 Prozent und schloss zum Fixing an der Nasdaq bei 7,11 Dollar, 10,93 Dollar schwächer als tags zuvor. Die Papiere von Micron, die ebenfalls zwischenzeitlich nicht gehandelt worden waren, stiegen im Gegenzug um 23 Prozent auf 6,74 Dollar.

Rambus äußerte sich enttäuscht über die Entscheidung und erklärte, es ziehe eine Berufung in Betracht.

Rambus hatte in den 1990er Jahren versucht, Lizenznehmer für seine Technik zur Beschleunigung von Speicherchips zu gewinnen. Intel unterstützte sie anfänglich, dann wurde sie aber von Alternativen abgehängt. Rambus verlegte sich daraufhin darauf, Chipfirmen mit Patentklagen zu überziehen.