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Rätselraten vor den Lenovo-Zahlen

09.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit Spannung warten Analysten darauf, dass die "neue" Lenovo Group am morgigen Mittwoch ihre Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2005/06 (Ende: 30. Juni) bekannt gibt. Die Finanzexperten erhoffen sich von den Ergebnissen einen ersten Eindruck, wie die Integration von IBMs PC-Sparte verlaufen ist.

Mit dem Abschluss der 1,8 Milliarden Dollar schweren Übernahme im Mai ist das Unternehmen zum - mit 7,2 Prozent Marktanteil - drittgrößten PC-Hersteller nach Stückzahlen hinter Dell und Hewlett-Packard aufgerückt. Auch bei den Umsätzen konnte Lenovo dank der ehemaligen IBM-Aktivitäten - diese tragen künftig nahezu 70 Prozent zu den Einnahmen bei - um etliche Positionen nach vorne rutschen. Nachdem das Management bislang nur wenige Anhaltspunkte dazu gegeben hat, ist allerdings unklar, wie profitabel der Konzern nun wirtschaftet.

Als eine von wenigen Analysten wagt es Jeannie Cheung von Credit Suisse First Boston (CSFB), überhaupt eine Prognose abzugeben. Sie schätzt, dass Lenovo den Nettoprofit gegenüber dem Vorjahresquartal mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 346 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 44,5 Millionen US-Dollar) steigern konnte. Der Umsatz wurde nach ihrer Schätzung mit umgerechnet 2,24 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht, während die Verkaufszahlen von 960.000 auf 3,5 Millionen Geräte stiegen. Bislang sei die Integration glatt und ohne dramatische personelle Veränderungen verlaufen, so Cheungs Kommentar. Andere Analysten prognostizieren dagegen, dass IBMs PC-Sparte, die möglicherweise bereits seit drei Jahren defizitär war, Lenovo in die roten Zahlen drängen könnte.

Andererseits ist der Hersteller durch die nun gestiegenen Stückzahlen in der Lage, höhere Rabatte bei Lieferanten wie Intel und Microsoft herausschlagen. Bei einer Nettorenditevon nur vier bis fünf Prozent können bereits Einsparungen von fünf Dollar je PC bei den Komponentenpreisen zu einem Profitanstieg um 50 bis 55 Prozent führen, so George Chu von UBS. (mb)