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Qwest-Aktionäre schränken Prämienhöhe für Führungskräfte ein

17.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Anleger des TK-Konzerns Qwest Communications haben auf der Jahreshauptversammlung am gestrigen Dienstag einige Regelungen durchgesetzt, um die Führungsriege künftig stärker kontrollieren zu können: So muss die Hauptversammlung in Zukunft allen Abfindungszahlungen für Topmanager zustimmen, die das Dreifache des Grundgehalts einschließlich Bonus übersteigen. Bei der Festlegung von Prämienzahlungen an Führungskräfte sollen zudem Zuwächse in der Pensionskasse nicht mehr berücksichtigt werden.

Den Aktionären war unter anderem sauer aufgestoßen, dass der im Juni 2002 auf Druck der SEC entlassenen CEO Joseph Nacchio eine Abfindung von mehr als 12 Millionen Dollar erhielt. Auch die Prämien während seiner Amtszeit konnten sich sehen lassen: Trotz hoher Schulden und Verlusten des Unternehmen kassierte Nacchio noch im Geschäftsjahr 2001 knapp 27 Millionen Dollar einschließlich Bonus und einer Einmalzahlung von 24 Millionen Dollar. Darüber hinaus erhielt er 7,25 Millionen Aktienoptionen, die mit Aufdeckung des Bilanzskandals allerdings wertlos sind. Mit der Ausübung von früheren Optionsscheinen konnte der skandalumwitterte Manager 2001 dagegen 74 Millionen Dollar einstreichen.

Zusätzlich wurde auf der Hauptversammlung in Denver, Colorado, nun nahezu einstimmig beschlossen, die Amtszeit alle Board-Mitglieder von bisher drei Jahre auf ein Jahr zu verkürzen. CEO Richard Notebaert, der in seiner Funktion als Chairman auf der Versammlung zur Wiederwahl antrat, wurde ebenso wie Chairman Frank Popoff mit jeweils mehr als 90 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Auch der Gründer und mit einer 17-prozentigen Beteiligung Hauptaktionär von Qwest, Philip Anschutz, behielt seinen Sitz im Verwaltungsrat. Anschutz sicherte sich allerdings nur 80 Prozent der Stimmen, nachdem sich Aktionärsschützer gegen eine Wiederwahl ausgesprochen hatten. Sie bezogen sich dabei auf Interessenskonflikte, bedingt durch die Geschäftsbeziehungen zwischen Anschutzs Investment-Firma und Qwest. Die Pensionärsvereinigung Association of US West Retirees schätzt, dass acht der insgesamt zwölf Board-Mitglieder solche Verbindungen zu Qwest unterhalten. Ihr Antrag, dass

mindestens die Hälfte der Verwaltungsräte unabhängig sein sollten, wurde jedoch abgewiesen. (mb)