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Quark XPress kommt endlich für Mac OS X

11.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Quark hat gestern die neue Version 6 seines noch immer marktbeherrschenden Layout-Programms "XPress" angekündigt. Diese läuft auf dem Mac erstmals unter Mac OS X - rund zwei Jahre, nachdem Apple sein "neues" Unix-basierendes Betriebssystem herausgebracht hat. Für den Macintosh-Hersteller ist die Verfügbarkeit von XPress ab der kommenden Woche von enormer Bedeutung - wie ein Blick auf www.apple.com beweist -, hielt doch die lange Verzögerung einer nativen XPress-Version (in der "Classic"-Emulation laufen auch ältere Releases) bislang viele professionelle Kunden von Umstieg auf Mac OS X ab.

"Auf diesen Augenblick haben wir einige Zeit gewartet", erklärte Apple-Chef Steve Jobs gestern bei einer Veranstaltung in Cupertino. Zu der war auch Quark-Boss Fred Ebrahimi geladen. Dieser räumte ein, seine Firma habe Apples Umstieg auf ein völlig neues Betriebssystem zunächst eher argwöhnisch beobachtet. "Vielleicht sind wir deswegen so spät dran", gestand Ebrahimi und versprach für die Zukunft eine wieder engere Zusammenarbeit mit Apple.

Apple misst der ersten nativen XPress-Version ganz offensichtlich erhebliche Bedeutung bei.
Apple misst der ersten nativen XPress-Version ganz offensichtlich erhebliche Bedeutung bei.

Bei XPress 6 handelt es sich im Wesentlich um eine carbonisierte Fassung der Vorversion 5. Sie bietet unter anderem direkten PDF-Export (zugekauft von Global Graphics), Vorschau in voller Auflösung, mehrere Undo-Schritte, medienübergreifende Projektdateien mit Layout-Spaces (gemeinsam genutzte Elemente in unteschiedlichen Layouts) und synchronisiertem Text (Änderungen an einer Stelle wirken projektweit) sowie Verbesserungen bei Web-Output und Druckfunktionen. Weitere Details finden Interessierte hier. Allerdings fehlen in XPress auch weiterhin wichtige Features wie Transparenz, Schatten, nativer Import von Photoshop-Bildern oder ausgefeiltes Farb-Management.

Dass nun schlagartig sämtliche Quark-Anwender auf Release 6 umsteigen, ist ohnehin alles andere als wahrscheinlich. Viele verwenden noch die als stabil bekannten älteren Versionen 3.3 oder 4.1x. Außerdem hat praktisch jeder Nutzer mehrere Third-Party-Erweiterungen ("Xtensions") im Einsatz, die ebenfalls noch an OS X angepasst werden müssen - was aufgrund der seit einiger Zeit erhältlichen XPress-6-Beta aber teilweise nicht allzu lang dauern dürfte.

In einem langjährigen Quasi-Monopol hat sich Quark, das unter Kunden für Support und Update-Politik einen alles andere als guten Ruf genießt (hier eindrucksvoll dokumentiert), eine noch immer dominierende Marktposition erarbeitet. Seit einiger Zeit macht Adobe Systems der Firma aus Denver mit seinem "InDesign" Konkurrenz, das seit über einem Jahr für OS X verfügbar ist. Das Programm bietet deutlich mehr Features als XPress und ist zudem besser integriert mit den übrigen Adobe-Anwendungen wie "Photoshop" oder "Illustrator". Für den Herbst wird Version 3 erwartet (aktuell ist die 2.0.2).

Quark XPress 6 kostet 899 Dollar, registrierte Besitzer der Version 5 können für 199 Dollar updaten (das Update von Version 3 und 4 kostet 499 und 299 Dollar). Die Versionen für Windows 2000 und XP sollen kurz nach der OS-X-Variante folgen. Die deutschsprachige Version von XPress 6 dürfte nicht vor Ende Juli zu haben sein. (tc)