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"Krautreporter"

Qualitätsjournalismus, crowdgefunded - ein Experiment

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Kann man hochwertigen Journalismus auch im Netz nachhaltig refinanzieren? Ein deutsches Crowdfunding-Projekt will das ausloten.

Morgen soll einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge der Startschuss für das Netzprojekt "Krautreporter" fallen. Dieses wolle aufwendig recherchierten Journalismus nach dem Vorbild von Printmagazinen anbieten und aus der gleichnamigen Crowdfunding-Plattform hervorgehen.

Unter deren Namen solle ein festes Team - darunter die Blogger Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr, Jens Weinreich und Thomas Wiegold - Texte oder Filme veröffentlichen, sagten die Gründer Sebastian Esser und Philipp Schwörbel dem Magazin. Chefredakteur soll demnach Alexander von Streit werden, zuletzt Leiter der deutschen Ausgabe des Netzkultur-Magazins "Wired".

Esser, Schwörbel und von Streit wollen zunächst innerhalb von vier Wochen 900.000 Euro von Internetnutzern als Vorfinanzierung einwerben. Wenn das gelingt, könnte das Portal im September starten. Die Autoren würden laut "Spiegel" Pauschalen von 2000 bis 2500 Euro monatlich bekommen und müssten dafür einen Text pro Woche liefern.

"Krautreporter" soll werbefrei bleiben, die Texte werden frei abrufbar sein. Finanzieren wollen sich die Macher über eine Art Community - für 60 Euro im Jahr dürfen subskribierte Leser kommentieren; darüber hinaus seien etwas Begegnungen mit den Autoren oder Stadtführungen für die zahlenden Mitglieder denkbar. "Zielgruppe sind alle Menschen, die sich für anspruchsvollen Journalismus interessieren", so Esser.